Quiz-Star Jacoby: Bei einer Kirchenfrage wurde ich kalt erwischt
"Welches Amt hat Heiner Wilmer?": Immer wieder scheitern Kandidaten oder Expertinnen in Quizshows an Kirchenfragen. Aber was muss man eigentlich für einen Quizabend zur Kirche wissen? Sebastian Jacoby ist mehrfacher deutscher Quizmeister – und inzwischen ein Fernsehstar: Seit 2013 gehört er zum Team der "Jäger" in der ARD-Sendung "Gefragt, gejagt". Er tritt mit seinem Wissen gegen die Kandidaten an – und nennt sich dabei “Quizgott”. Darüber hinaus ist er intensiv in der Quiz-Szene unterwegs. katholisch.de hat bei ihm nachgefragt und erfahren, wie er sich auf Fragen rund um Kirche und Glauben vorbereitet.
Frage: Herr Jacoby, welche Kirchenfrage hat Sie schon einmal kalt erwischt?
Jacoby: Wir hatten in einem Quiz einmal eine wunderbare Papstfrage, die mich ganz kalt erwischt hat. Das war noch bevor Franziskus sein Amt angetreten hat. Da wurde gefragt, welcher der letzte Papstname war, der vollständig neu gewählt wurde. Der Doppelname von Johannes Paul I. war da nicht gemeint, das war zwar ein neuer Name, aber die beiden Teile waren eben nicht neu. Und da kam ich überhaupt nicht drauf.
Frage: Was wäre die richtige Antwort gewesen?
Jacoby: Da war noch ein Hinweis auf Star Wars in der Frage verpackt – und zwar auf Lando Calrissian, also den Herrn der Wolkenstadt Bespin. Es ging tatsächlich um Papst Lando im 10. Jahrhundert.
Frage: Welche fünf Fakten über die katholische Kirche sollte man also für eine typische Quizshow unbedingt kennen?
Jacoby: Fünf einzelne Fakten sind schwierig. Aber fünf Bereiche kann ich aufzählen. Einerseits sollte man natürlich die Aktualität immer bedenken: Was tut sich gerade in der Kirche, in ihrer Organisation? Im Wettkampfquiz oder bei Quizabenden sind auch Aufzählungen sehr beliebt. Sowas wie die sieben Sakramente, theoretisch die sieben Todsünden oder auch die Bistümer der katholischen Kirche in Deutschland. Auch Heilige sind ein Thema, das sehr häufig kommt, und ihre Verbindung zu Namenstagen. Ich kann mich auch erinnern, dass beim letzten Deutschlandcup des Deutschen Quizvereins die 14 Nothelfer zu nennen waren – nicht namentlich. Aber der Begriff war gesucht. Immer gerne genommen sind auch skurrile Fakten, wie eben das mit Papst Lando.
Frage: Das waren schon drei Bereiche. Welche zwei weiteren Themen sind für Quizze interessant?
Jacoby: Beliebt ist auch Wissen, das eine Verbindung in einen anderen Bereich hat. Ich habe ein Beispiel ausgegraben: Der Lazaruseffekt – wenn eine Tierart oder Pflanzenart, die man für ausgestorben gehalten hat, wieder auftritt. Da gibt es diesen berühmten Quastenflosser, der irgendwann im Meer doch wiederentdeckt wurde. Und dann schadet auch eine gewisse Bibelfestigkeit nie. Die Bibel mit ihren unendlichen Geschichten eignet sich wunderbar für Quizfragen. Ich würde sogar behaupten, dass das Alte Testament ein bisschen häufiger vorkommt als das Neue Testament.
Frage: Sie haben die Bibel gerade schon erwähnt: Wie gut muss man sich mit dem Alten und Neuen Testament denn auskennen, wenn man bei Quizshows weit kommen möchte?
Jacoby: Ein normaler Firm- oder Konfirmandenunterricht dürfte normalerweise reichen, um die Fragen beantworten zu können. Der grundlegende Aufbau des Neuen Testaments, die vier Evangelisten, die Namen der Propheten aus dem Alten Testament und vielleicht auch die Reihenfolge der israelischen Könige von Saul, David, Salomo – das denke ich ist eigentlich ausreichend. Eine beliebte Geschichte ist auch die von Josef. Das wird auch in deutschen Kindergärten und Grundschulen behandelt. Ich gehe da von meinem Sohn aus, der die Grundschule gerade verlassen hat.
Ich habe mich mein Leben lang mit Religion befasst.
Sebastian Jacoby
Frage: Es wirkt so, als würden Sie sich gut mit der Bibel auskennen…
Jacoby: Ich habe mich mein Leben lang mit Religion befasst. Es wäre aber sehr vermessen, mich als großen Bibelkenner zu bezeichnen. Ich interessiere mich für historische Stoffe, und man kann die Bibel auch als historischen Stoff begreifen. In dieser Hinsicht bin ich ganz firm. Aber das Ganze theologisch zu interpretieren: Da würde ich dann doch die weiße Fahne hissen.
- Wann ist Papst Benedikt XVI. angetreten und zurückgetreten?
- Welchen Beruf übte Georg Ratzinger, der Bruder von Papst Benedikt XVI. aus?
- In welchem Jahr verübte Mehmet Ali Ağca das Attentat auf Papst Johannes Paul II.?
- Welches Attribut wird dem Evangelisten Johannes beigelegt?
- In welchem Buch der Bibel wird die Geschichte von Joseph erzählt, der die Träume des Pharaos deutet?
Frage: Welche Persönlichkeiten, Zahlen und Daten aus der katholischen Kirche eignen sich besonders gut für Quizfragen?
Jacoby: Zu den beliebtesten Persönlichkeiten zählt Franz von Assisi – vor allem seit Franziskus ihn als Papstnamen gewählt hat. In Deutschland wird Hildegard von Bingen auch immer wieder thematisiert. Wichtig ist auch Luther – mit Blick auf die Ökumene. Bei Zahlen und Daten kann man die bedeutenden Konzile und die Päpste parat haben. Der Investiturstreit mit Gregor VII. zum Beispiel ist bedeutend, das Konzil von Konstanz 1414 und auch der Kampf mit dem Protestantismus. Pius IX. im 19. Jahrhundert mit dem längsten Pontifikat aller Zeiten und das Ende des Kirchenstaates 1870 kann man noch kennen. Das sind, glaube ich, auch Dinge, die im Geschichtsunterricht gemacht werden. Für die Modernität spielt das Zweite Vatikanum eine große Rolle. Das hat den Weg der katholischen Kirche geprägt.
Frage: Das klingt durchaus umfangreich: Woher haben Sie denn ihr Kirchenwissen?
Jacoby: Ich schreibe viele Quizfragen für Kneipenquizze und versuche mich darüber selbst vorzubereiten. Ich mache auch häufiger Quizze in Kirchen – zum Beispiel jedes Jahr in Duisburg-Meiderich in der evangelischen Kirchengemeinde. Da suche ich dann Sachen aus der Aktualität und der Gemeinde der Teilnehmer. Wenn man dafür schreibt, kann man hoffentlich auch Wissen behalten. Und ich habe ein etwas seltsames Mittel.
Frage: Eine ungewöhnliche Quelle: Welche ist das denn?
Jacoby: Ich lese gerne den Videotext. Da hat man aktuelle Nachrichten als kurze Zusammenfassung. Das ist genau die Ausführlichkeit, die man für Quizze gebrauchen kann. Da wird auch Religion im deutschen Raum und das Papsttum thematisiert. Ansonsten kann ich die Wikipedia empfehlen. Da gibt es auch Foren, die sich speziell mit Religion beschäftigen. Und man hat das Phänomen, dass man vom Hölzchen aufs Stöckchen kommt. Man liest einen interessanten Artikel, findet einen Link und nach 20 Minuten ist man ganz wo anders gelandet.
Frage: Was ist ihr liebtes Nischen-Wissen über die Kirche?
Jacoby: Ich finde die Kombination von einem engen Mitarbeiter und Reformator von Luther zu den drei Fragezeichen so schön. Justus Jonas ist nicht nur der erste Detektiv in der Detektivserie, sondern auch ein sehr bedeutender Reformator der Kirche und Mitarbeiter von Luther – was sehr wenige wissen.
Ich glaube, dass der liebe Gott sehr viel Humor hat und ich glaube, der kann das ab.
Sebastian Jacoby über seinen Quiznamen "Quizgott"
Frage: Bei "Gefragt, gejagt" sind sie mit Ihrem Kampfnamen "Quizgott" bekannt. Das klingt sehr allmächtig...
Jacoby: Da habe ich am Anfang persönlich viel drüber nachgedacht, ob das denn angemessen ist. In der Redaktion haben wir diskutiert, weil das dem Radioreporter Herbert Zimmermann damals beim 1954er Weltmeistertitel vorgeworfen wurde, dass er Toni Turek, den deutschen Torhüter, als Fußballgott bezeichnet hatte. Das hat zu öffentlichen Entschuldigungen geführt. Ich habe den Namen trotzdem gewählt. Das mag jetzt eine blasphemische Aussage sein, aber ich glaube, dass der liebe Gott sehr viel Humor hat und ich glaube, der kann das ab. Ich beziehe da auch keinen Anspruch auf wirkliche Göttlichkeit daraus.
Frage: Welche Rolle spielt die Kirche und Glauben abseits vom "Quizgott” in Ihrem Leben?
Jacoby: Ich bin im Allgäu aufgewachsen, in einer Region, die etwa 98 bis 99 Prozent römisch-katholisch war – als Protestant. Das kam durch meinen ostpolnischen Großvater. Ich habe dann den normalen evangelischen Weg durchlaufen, bin standardmäßig konfirmiert worden und später aus der Kirche ausgetreten – muss ich ehrlich zugeben. Aber ich glaube nach wie vor – ich habe immer an Gott geglaubt. Und historisch-kulturell betrachtet, interessiere ich mich für jede Form von Kirchengebäuden und die Geschichte, die dahintersteht. Das ist meine Beziehung zur Kirche.
Frage: Wo konnten Sie im Alltag schon mit Kirchen-Wissen glänzen?
Jacoby: Ich habe ein Jahr lang in den USA studiert. Das interessante war, dass ich in einer Region war, die sehr von den Baptisten geprägt ist. Da gab es damals ungefähr 50.000 Einwohner und über 300 Kirchen. Das ging von der Wellblechhütte bis zum gewaltigen Tempel. Und da habe ich eine Freundin gewonnen, indem wir uns an einem See in Arkansas stundenlang über Kirche unterhalten haben. Das war eines der besten Gespräche über Religion, das ich je geführt habe.
Frage: In welches Kirchen-Fettnäpfchen sind Sie schon getreten?
Jacoby: Ist mein Kampfname nicht schon das größte Fettnäpfchen, was man definieren kann? (lacht) Die Zuschriften, die ich dazu erhalten habe, sind zahlreich – man würde aus der Bibel zitieren – "sind Legion". Ich kann nur sagen, man sollte das bitte mit Humor nehmen und nicht glauben, dass ich das wirklich für mich in Anspruch nehmen würde. Sonst sind wir als Familie in Italien mal in einen Gottesdienst gerauscht, als Touristen. Das war eine architektonisch und künstlerisch sehr interessante Kirche. Und wir waren etwas zu laut. Das war ein schweres Fettnäpfchen.