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Joachim Valentin über Widerstand gegen Tyrannei

Ratlosigkeit im Auge des Sturms?

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Schachfigur
Bonn - Joachim Valentin über Widerstand gegen Tyrannei

Es ist schwerer gewordenen, hier einen Standpunkt zu schreiben. Oftmals scheint es, als schnurrten alle Themen auf nur zwei katastrophale zusammen: Islam und muslimische Länder, vorneweg die Türkei einerseits, und Rechtspopulismus sowie rechtsnationale Trends, vor allem in den USA andererseits. Doch dazu ist eigentlich alles gesagt.

Wir leben, so scheint es im stillen Auge eines politischen Sturmes, der kein Vorbild in den letzten Jahrzehnten hat, auf einer Insel der Seligen, auf der tödliche Anschläge immer noch selten und die rechtsnationalen Brandstifter in der Minderheit sind. Extremismus, Krieg, Elend – das alles herrscht anderswo. Die ganze Welt schaut auf Deutschland als Wirtschaftsmotor und moralisches Vorbild und doch leben wir unter dem Damoklesschwert eines jederzeit entfesselbaren Maelstroems, der alles, was uns lieb und teuer ist, Rechtsstaat, körperliche Unversehrtheit, Wohlstand und Frieden in den Abgrund reißen kann.

Apokalyptiker haben in diesen Tagen leichtes Spiel, denn Angst und Verunsicherung sind längst in die bürgerlichen Wohnzimmer eingedrungen und drohen uns den Boden unter den Füßen wegzuziehen. Doch die Botschaft von einem unabwendbaren Untergang der Welt ist nicht die Botschaft des Evangeliums.

Unter der Überschrift "Setzen Sie ein Zeichen!" liefert der US-Amerikanische Historiker Timothy Snyder in seinem neuen Buch "Über Tyrannei" zwanzig Lektionen für den Widerstand. Snyders erste Lektion lautet: "Gehorchen Sie nicht schon im Voraus. Man wirft dem Autoritarismus einen Gutteil seiner Macht allzu bereitwillig nach." Die fünfte Lektion: "Bewahren Sie Ruhe im Angesicht des Undenkbaren. Wenn es zu einem Terroranschlag kommt, denken Sie immer daran, dass autoritäre Persönlichkeiten immer entweder auf solche Ereignisse warten oder sie selbst planen, um ihre Macht zu konsolidieren." Die achte: "Glauben Sie an die Wahrheit. Sich von der Wahrheit abwenden heißt, sich von der Freiheit abwenden. Wenn nichts wahr ist, lässt die Macht sich nicht kritisieren."

Es sind keine neuen Zehn Gebote, doch das christliche Menschenbild und die prophetische Aufforderung, den Mächtigen nicht das Feld zu überlassen und zur Not das eigene Leben zu riskieren, sind in den Vorschlägen 11, 14 und 19 besonders sichtbar. Sie lauten:

"11. Sorgen Sie für Augenkontakt und Smalltalk. Das ist nicht nur höflich. Es hilft Ihnen auch, den Kontakt mit Ihrer Umgebung zu pflegen, baut unnötige soziale Barrieren ab und fördert das Verständnis dafür, wem Sie vertrauen sollten und wem nicht. […]

14. Geben Sie regelmäßig etwas für gute Zwecke, wenn Sie können. Suchen Sie sich eine wohltätige Organisation aus und richten Sie einen Dauerauftrag ein. Dann können Sie sicher sein, eine freie Entscheidung getroffen zu haben, welche die Zivilgesellschaft dabei unterstützt, anderen zu helfen, Gutes zu tun.

19. Seien Sie so couragiert, wie Sie nur können. Wenn keiner von uns bereit ist, für die Freiheit zu sterben, dann sterben wir alle in Unfreiheit."

Das ist Fremdprophetie at its best. Es beruhigt und beunruhigt zugleich, dass es heute mehr denn je auf jeden und jede Einzelne ankommt, wenn es um eine gute Zukunft für alle geht. Christinnen  und Christen sollten unter der Maßgabe, am Reich Gottes mitzuarbeiten, dabei sein.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von katholisch.de wider.

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