Suche
Eine besondere Begegnung am Tag der Arbeit

Riesige Hilfe

Dieser Inhalt ist nur erlaubt, wenn Sie Cookies vom Typ "readspeaker" zulassen.

Polnische Saisonarbeiter ernten Spargel auf einem Feld.
Vechta - Frühmorgens tief in der niedersächsischen Provinz: Es ist der Tag der Arbeit. Nach einer besonderen Begegnung macht sich Dominik Blum Gedanken über Gastarbeiter und den Mindestlohn.

Der Mann, der aussteigt, ist zwei Köpfe größer als ich und doppelt so breit. Genau der Typ, bei dessen Anblick rassistische Polizisten in den USA ihren Elektro-Taser schon mal mit der Schusswaffe verwechseln: Kapuzenpulli, wilder Bart, tätowiert bis unters Kinn.

Er kommt auf mich zu und sieht mir fest in die Augen. Ich schlucke. Und dann sagt der Fremde: "Habe ich auch so einen Hund in Rumänien. Muss ich jetzt einfach streicheln." Der braune Labrador freut sich und wedelt mit dem Schwanz, während er rau und herzlich gekrault wird.

Saisonarbeiter aus Osteuropa

Saisonarbeiter stechen derzeit unseren Spargel, bereiten die Erdbeerfelder vor, jäten Unkraut zwischen Salatköpfen oder schneiden die Weinreben. Etwa 270.000 kommen jedes Jahr nach Deutschland, die meisten aus Polen, Bulgarien und Rumänien, weil sie dort zwischen 90 Cent und 2 Euro in der Stunde verdienen. Mir begegnen nur selten einzelne dieser Menschen. Sie bleiben Punkte an meinem Horizont. Stattdessen lese ich Zahlenkolonnen und Kommentare des Bauernverbandes: dass der Spargel teurer wird, wenn der Mindestlohn kommt. Und warum die Feldarbeiter natürlich auch am Sonntag arbeiten müssen.

Ich spreche noch einige Minuten mit dem rumänischen Riesen, der aussieht, als wäre er der böse große Bruder von Graf Dracula. Er erzählt von seiner Frau, die auf den Hund aufpasst, während er in Deutschland ist. Und davon, dass er im Winter, wenn er wieder zuhause ist, wieder Zeit hat für Spaziergänge mit dem Vierbeiner, der so alt ist wie meiner und auch so aussieht. Seine Sehnsucht schnürt mir die Kehle zu. Dann nickt er kurz, steigt in seinen Wagen und braust davon. Ich kann nicht beurteilen, ob die deutschen Gemüsebauern zugrunde gehen, wenn sie dem Arbeiter in der Stunde bezahlen, was ich für ein Kilo Spargel ausgeben muss: 8,50 Euro. Aber ich weiß: der rumänische Riese ist ein Menschenbruder mit Frau und Hund - und Heimweh.

Von Dominik Blum

Zur Person

Dominik Blum leitet das Referat Erwachsenenseelsorge beim Bischöflich Münsterschen Offizialat in Vechta.

kna-katholisch-swarm-node3 (0.015s)