Risiken und Nebenwirkungen
Nachdem Herr Professor Valentin in seinem Standpunkt auf katholisch.de meine vorherigen Ausführungen zum Thema Flüchtlinge an gleicher Stelle als Angstmacherei kritisiert hat, scheinen mir einige Präzisierungen angebracht. Dazu gehört der Hinweis, dass ich selbst Anfang der 1990er Jahre gemeinsam mit meiner Frau zwei muslimische Flüchtlinge aus Bosnien in unserer Wohnung beherbergt habe und dass ich dies - abgesehen von einer heftigen Salmonellen-Infektion nach dem Genuss von Hähnchenschenkeln auf bosnische Art - auch nie bereut habe.
Notwendig scheint mir ferner der Hinweis, dass ich in meinem Standpunkt auf katholisch.de besorgte Äußerungen anderer zitiert habe, die sie auf Facebook, Twitter oder am Tresen in der Kneipe gemacht haben. Ich habe auch geschrieben, dass ich nicht alle Befürchtungen, die da geäußert wurden, für unsinnig halte.
Was folgt daraus? Ich denke, in einem demokratischen Staat ist es gut und richtig, wenn Sorgen und Ängste von Bürgern in den Medien (einschließlich der katholischen Medien) vorkommen. Wird dies verhindert, suchen sie sich andere Kanäle und finden andere, falsche Freunde, die sich ihrer allzu gerne annehmen. Darüber hinaus halte ich es für vernünftig, sich mit den möglichen Risiken und Nebenwirkungen einer millionenfachen Zuwanderung von Menschen aus anderen Kulturkreisen auseinanderzusetzen.
Willkommen heißen, Kräfte bündeln und Ärmel hochkrempeln allein reicht nicht. Als Publizisten ist es nicht unsere Aufgabe, auf Gefühlswellen zu surfen, sondern heute schon kritisch zu fragen, wohin eine Entwicklung morgen führen kann. Man sollte die Risiken und Nebenwirkungen kennen und abwägen.
Bei der Lektüre des Beipackzettels eines Medikaments geht es nicht darum, von der Einnahme abzuraten. Es geht darum, zu wissen, was man tut und wozu es führen kann. Und zu diesen Überlegungen gehört auch, dass sich die Kirchen darüber Gedanken machen sollten, was die derzeitige Einwanderungswelle aus dem Nahen Osten und aus Afrika in den Monaten und Jahren nach der großen Willkommenswelle für sie bedeuten wird. Darüber nicht nachzudenken, fände ich verantwortungslos.
Der Standpunkt spiegelt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von katholisch.de wider.