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Russische Armee als "Horde des Antichristen" bezeichnet

Russland: Priester wegen Kritik am Krieg strafrechtlich verurteilt

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Porträt von Pater Nikandr Pinchuk
Werchoturje - Erstmals wurde in Russland ein Priester strafrechtlich wegen Kritik am Angriffskrieg gegen die Ukraine verurteilt. Zuvor war Opposition aus religiösen Gründen nur als Ordnungswidrigkeit verfolgt worden. Die Strafe ist für den Mönch existenzbedrohend.

In Russland wurde erstmals ein Priester der orthodoxen Kirche für seine Opposition zum Angriffskrieg auf die Ukraine strafrechtlich belangt. Die norwegische Menschenrechtsorganisation "Forum 18" teilte mit, dass der Mönch Nikandr Pinchuk am Montag aufgrund eines Social-Media-Postings zu einer Strafe in Höhe von 100.000 Rubel (etwa 1.700 Euro) verurteilt wurde. Pinchuk hatte die Angreifer der Ukraine als "Horde des Antichristen" bezeichnet. Das Gericht verurteilte ihn aufgrund des Straftatbestand der öffentlichen Verleumdung der Streitkräfte. Die Strafe entspricht zwei Durchschnitts-Monatsgehältern. Der Mönch, der zu einer Gemeinschaft der Russisch-Orthodoxen Auslandskirche gehört, die nicht zum Moskauer Patriarchat gehört, war zuvor bereits aufgrund einer Ordnungswidrigkeit mit einer Geldbuße belegt worden.

Gegenüber "Forum 18" sagte Nikandr, dass die Strafe trotz der Möglichkeit, sie über einen Zeitraum von zehn Monaten zu begleichen, für ihn existenzbedrohend sei. Er verdiene kaum 15.000 Rubel im Monat, außerdem zahle er derzeit noch die aufgrund des Ordnungswidrigkeitengesetzes verhängte Geldbuße in Raten ab. Vor Eröffnung des Verfahrens betonte Nikandr, dass er sich im Recht sehe. "Ich bin Priester und habe das Recht, das Böse anzuprangern, unabhängig davon, wer daran beteiligt ist und wie die politische Lage ist", so der Mönch.

Ukrainische Armee stelle sich "dämonischer Macht" entgegen

In seinem mittlerweile gelöschten Posting auf dem russischen sozialen Netzwerk "VKontakte" schrieb Nikandr Ende März unter dem Titel "Gott lässt sich nicht verspotten" über den Kriegsfortschritt in der Ukraine. Auf die von ihm als "Horde des Antichristen" bezeichnete russische Armee warte die "christliche Armee" der Ukraine, "die sich der dämonischen Macht entgegenstellt und ihr nicht erlauben wird, den Süden der Ukraine zu erobern". Das Werk des Teufels könne gegen das Kreuz und die Gottesmutter nicht bestehen.

Während die Verurteilung des Mönchs die erste strafrechtliche Sanktion wegen Protesten gegen den Angriffskrieg aufgrund von religiösen Überzeugungen ist, wurde das Ordnungswidrigkeitengesetz nach Angaben von "Forum 18" bereits mehrfach gegen Geistliche eingesetzt. Die Menschenrechtsorganisation mit dem Schwerpunkt Religionsfreiheit berichtet, dass die russische Regierung seit Kriegsbeginn im Februar auch gezielt Druck auf Religionsgemeinschaften und ihre Vertreter ausübe, um Kritik zu unterbinden.

Unterdessen besuchte der geschäftsführende Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK), der rumänisch-orthodoxe Priester Ioan Sauca, in dieser Woche Russland und traf Patriarch Kyrill zu Gesprächen. Beide seien sich einig, dass Krieg nicht heilig sein kann, teilte der ÖRK am Mittwoch mit. Wörtlich habe Kyrill gesagt, dass Krieg nicht heilig sein könne. Der Moskauer Patriarch gilt als enger Vertrauter des russischen Präsidenten Wladimir Putin und unterstützt dessen Angriffskrieg in der Ukraine. Unter den 352 Mitgliedskirchen des ÖRK ist die russisch-orthodoxe Kirche das größte Einzelmitglied. Im September verabschiedete die Weltversammlung des ÖRK eine Stellungnahme, in der sie "diesen illegalen und nicht zu rechtfertigenden Krieg" verurteilte. (fxn)

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