Suche
Uwe Bork über Angst und ihre Folgen

Schluss mit lustig?

Dieser Inhalt ist nur erlaubt, wenn Sie Cookies vom Typ "readspeaker" zulassen.

Schachfigur
Bonn - Uwe Bork über Angst und ihre Folgen

Der Karneval des Jahres 2016 ist anders. In Mainz, Köln und Düsseldorf sowie allen anderen Zentren der zeitweise unlimitierten Lebenslust befürchtet man ein Ende der Gemütlichkeit, und das liegt nicht nur an Ruzica, dem Sturmtief mit dem kroatischen Frauennamen.

Doch während man mit den Orkanböen aus Richtung Atlantik in den Karnevalshochburgen offensichtlich umgehen kann, geht eine andere Bedrohung viel tiefer. Mit jedem Terroranschlag in Europa ist unsere Sicherheit ein Stück kleiner geworden, dass die unsere Gesellschaft prägenden Feiern und Feste, aber auch Sportveranstaltungen und Großkonzerte für Bombenleger, Amokläufer und Selbstmordattentäter tabu sind. Über Jahrzehnte hinweg schien eine Einigkeit selbst unter den Feinden unserer Form von Zivilisation bestanden zu haben, keine "weichen Ziele" anzugreifen, keine Unbeteiligten zu Opfern zu machen. Das ist jetzt weg. In den Augen derjenigen, für die Terror ein legitimes Mittel zur Durchsetzung ihrer illegitimen Ideen ist, gibt es keine Unbeteiligten mehr.

Die Folge ist Angst. Eine Angst, die weite Teile unserer bis dato so offenen Gesellschaft ergriffen hat, und die umso schlimmer wütet, als sie aus einer diffusen Bedrohung entstanden ist und keine eindeutige Quelle kennt. Eine Angst, die für unser Zusammenleben ebenso zerstörerisch sein kann wie die Anschläge selbst.

In dieser Situation mag es naiv wirken, wenn ein Mann wie der Wiener Theologe und Philosoph Paul M. Zulehner in einem "aktueller Zwischenruf" genannten Essay appelliert: "Entängstigt Euch!" Und dennoch hat der Mann, der sich selbst einen "unverbesserlichen Possibilisten" nennt, uns mit seiner Forderung nach einem Verhalten und einer Politik, die sich nicht aus Angst vor dem Tod in den Selbstmord treiben lässt, wohl den einzigen Weg aufgezeigt, der uns im Moment noch offen steht. Wir dürfen uns nicht in eine Panik hineintreiben lassen, die unter dem Vorwand, das aufgeklärt-christliche Abendland retten zu wollen, dessen Destruktion betreibt. Anders ausgedrückt: Man sichert Freiheiten nur dadurch, dass man sie wahrnimmt.

Was die tollen Tage angeht, kann man die Lage deshalb auch sehen wie ein rheinischen Wagenbauer: "Wir sind Jecken: Allet wird jot." Was ja nun irgendwie auch wieder eine sehr christliche Sicht der Dinge ist...

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von katholisch.de wider.

kna-katholisch-swarm-node1 (0.012s)