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Steffen Zimmermann über CSU und deutsche Leitkultur

Schwein und Bier - das rat ich Dir!

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Schachfigur
Bonn - Steffen Zimmermann über CSU und deutsche Leitkultur

Na, sind Sie gestern auch brav Ihrer Sonntagspflicht nachgekommen? Keine Angst, Sie müssen jetzt keine Rechenschaft über Ihren Gottesdienstbesuch ablegen. Aber was beim Mittagessen auf Ihrem Teller lag und in Ihrem Glas war - das wäre schon interessant zu wissen.

Jedenfalls in den Augen von Christian Schmidt. Denn wenn es nach dem Bundeslandwirtschaftsminister geht, wird unsere abendländische Kultur ab sofort auch beim Sonntagsbraten verteidigt. Nachdem sich die CDU in Schleswig-Holstein vor ein paar Wochen bereits mit ihrem Vorstoß für eine Schweinefleisch-Pflicht blamiert hatte, setzte Schmidt jetzt noch eins drauf: Muslime und Flüchtlinge sollten die deutsche Leitkultur mit Bier und Schweinefleisch respektieren, forderte der CSU-Politiker am Wochenende.

Deutschland habe eine große Brauereidichte und die Braukunst sei "eine ganz besondere kulturelle Tradition", so Schmidt. Auch deshalb erwarte er grundsätzlich, "wer zu uns kommt, der muss die Leitkultur zwar nicht übernehmen - aber er muss sie respektieren". Er verstehe auch nicht, "weshalb man einen Muslim provoziert, der sich getreu der islamischen Vorgaben ernährt, wenn es neben ihm Menschen gibt, die Würstchen essen, die aus Schwein gemacht sind".

Wenn es nach Schmidt geht, greifen Patrioten also ab sofort zu Schweinsbraten und Weißbier. Frei nach dem Motto: "Schwein und Bier - das rat ich Dir!" Vielleicht hofft der Minister sogar, dass man die Flüchtlingskrise auf diese Weise einfach wegessen oder sie sich zumindest schöntrinken kann.

Wie dem auch sei: Es ist nicht der erste peinliche Ausrutscher von Schmidt. Der "Minister im Fettnapf" wollte schon mit Äpfeln gegen Wladimir Putin vorgehen ("One apple a day keeps Putin away"), zudem zeigte er sich kurz nach dem Terroranschlag auf "Charlie Hebdo" wenig sensibel mit einem Plakat, auf dem stand: "Je suis Greußener Salami". Durch ernstgemeinte Gesetzesinitiativen ist der 58-jährige Franke dagegen in den vergangenen Jahren nicht aufgefallen.

Traurig nur: Mit seinem Gaga-Vorschlag in Sachen Leitkultur ist Schmidt in seiner Partei keineswegs allein. Ob Hans-Peter Friedrich, der neuerdings bei Twitter Unsinn verbreitet, Generalsekretär Andreas Scheuer oder Horst Seehofer, der König der populistischen Plapperei - keine Idee ist den CSU-Herren zu doof, kein Vorschlag zu polemisch, kein Spruch zu peinlich. Aus dem ernsthaften Diskurs über die Flüchtlingskrise hat sich die CSU längst verabschiedet. Antworten auf diese Herausforderung sollte man von der Partei nicht erwarten.

Hinweis

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