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Leipziger Kitas ändern Essens-Pläne doch nicht

Schweinefleisch-Debatte: Zentralrat der Juden ruft zu Gelassenheit auf

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Salami, Hackfleisch, Schweinefleisch und Braten sind auf einem Brett angerichtet.
Berlin - Das geplante Schweinefleisch-Verbot zweier Kitas aus Rücksicht auf den Islam hat eine hitzige Debatte über religiöse Rücksichtnahme ausgelöst. Während der Zentralrat der Juden vorsichtiges Verständnis zeigt, ist der Deutsche Lehrerverband alarmiert.

In der Debatte um ein geplantes Schweinefleisch-Verbot an Kindergärten ruft der Zentralrat der Juden in Deutschland zu Gelassenheit auf. "Grundsätzlich halte ich es für eine positive Entwicklung, dass mit höherer Sensibilität als früher darüber nachgedacht wird, religiöse Gepflogenheiten oder Bedürfnisse von Minderheiten zu berücksichtigen", erklärte Zentralratspräsident Josef Schuster am Mittwoch in Berlin. "Ich denke allerdings, dass ein Verbot von Schweinefleisch übers Ziel hinaus geschossen wäre. Es reicht meines Erachtens, wenn Kindern, die aus verschiedenen Gründen ein bestimmtes Essen nicht zu sich nehmen können, eine Alternative angeboten wird."

Weder Gummibärchen noch Fast-Food-Restaurant

Gleiches gelte zum Beispiel auch für Allergiker, so Schuster weiter. Er fügte hinzu: "Jüdische Kinder, die sich koscher ernähren, wissen, dass sie normale Gummibärchen nicht essen können oder nicht mit ihren Freunden beim Fast-Food-Restaurant einkehren. Das gehört zu ihrem Alltag. Sie empfinden das aber nicht als Diskriminierung." Der Zentralratspräsident betonte: "Das Letzte, was wir brauchen, ist Hetze gegen Minderheiten, nur weil in einer Einrichtung über den Speiseplan nachgedacht wird."

Die Debatte hatte sich an der Entscheidung zweier Leipziger Kindertagesstätten in freier Trägerschaft entzündet, aus Rücksicht auf muslimische Kinder auf Schweinefleisch und tierische Gelatineprodukte wie Gummibärchen zu verzichten. Vertreter von AfD und CDU wandten sich gegen ein "Verbot von Schweinefleisch". Die Kita-Leitung in Leipzig entschied sich unterdessen dazu, einstweilen von dem geplanten generellen Verzicht abzusehen. "Wir haben festgestellt, dass unsere Entscheidung, in unseren beiden Kindergärten auf Schweinefleisch zu verzichten, viel Öffentlichkeit erzeugt hat", zitiert die "Bild"-Zeitung aus einem Schreiben der Kita-Leitung an die Eltern. Das Thema solle auf den ersten Elternabenden im neuen Kitajahr im August auf die Tagesordnung kommen.

Es reicht meines Erachtens, wenn Kindern, die aus verschiedenen Gründen ein bestimmtes Essen nicht zu sich nehmen können, eine Alternative angeboten wird.

Josef Schuster, Zentralrat der Juden

Ähnlich wie der Zentralrat der Juden riefen auch Verbände zu einer sachlichen Auseinandersetzung mit dem Thema auf. Zugleich sprach der Deutsche Lehrerverband von einem wachsenden Druck aus dem muslimischen Milieu auf Schulen. Neben dem Speisenangebot an Mensen und Kiosken betreffe das auch schulische Aktivitäten im muslimischen Fastenmonat Ramadan.

Grundsätzlich sei es kein Problem, wenn Schulkantinen auf Bedürfnisse der Schüler Rücksicht nähmen, sagte Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger. "Problematisch wird es, wenn sich dann die nichtmuslimische Minderheit dieser Vorgabe komplett unterwerfen muss und es keine alternativen Speisenangebote mehr gibt."

Katholische Kindertagesstätten orientierten sich am Bedarf der Familien, sagte der Geschäftsführer des Verbands Katholischer Tageseinrichtungen für Kinder KTK, Frank Jansen. "Muslimische Kinder haben ein Recht auf Essen, das ihren religiösen Bedürfnissen entspricht." Das heiße im Umkehrschluss allerdings nicht, im Islam verbotene Nahrungsmittel komplett aus dem Speiseangebot zu streichen. "Dies würde nur Vorurteile schüren, und genau das wollen wir vermeiden."

"Liebe Gemüse in Bioqualität als billiges Fleisch"

Der Verband Deutscher Schul- und Kitacaterer (VDSKC) kann die Aufregung über den Verzicht von Schweinefleisch in Kindertagesstätten nicht nachvollziehen. "Bei einem Preis von - je nach Bundesland - zwei bis vier Euro für ein Kita-Essen kann nur minderwertiges Fleisch angeboten werden", sagte der VDSKC-Vorsitzende, Rolf Hoppe. Es sei für die Kinder besser, für diesen Preis "lieber vernünftiges Gemüse in Bioqualität, als billiges Fleisch" zu verwenden. (gho/KNA/epd)

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