Seit 2016 mindestens 62 Übergriffe auf religiöse Einrichtungen
In Berlin sind seit Januar 2016 mindestens 62 Übergriffe auf religiöse Einrichtungen verübt worden. Das teilte die Senatsverwaltung für Inneres in ihrer am Montag veröffentlichten Antwort auf eine entsprechende Anfrage der Grünen-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus mit. Bei den meisten Übergriffen handelte es sich laut den Zahlen des Senats um Sachbeschädigungen und Propagandadelikte links- und rechtsgerichteter Täter. Der Statistik zufolge konnten nur drei Taten aufgeklärt werden.
Kirchen am stärksten von Übergriffen betroffen
Am stärksten von Übergriffen betroffen waren Kirchen und andere christliche Einrichtungen. Laut dem Senat wurden auf sie 32 Angriffe verzeichnet. Unter anderem beschmierten unbekannte Täter am 11. Januar 2016 die Hauswand eines Gebäudes der Domgemeinde St. Hedwig mit einem beleidigenden Schriftzug. Auch die Apostolische Nuntiatur war betroffen: Am 21. August 2016 wurde der Eingang zum Müllhaus der Nuntiatur mit einem polizeifeindlichen Schriftzug und einem Anarchie-Graffiti bemalt.
Am häufigsten war jedoch die evangelische St.-Simeon-Kirche im Stadtteil Kreuzberg Ziel von Angriffen: Das Gotteshaus, das seit Oktober 2015 als "Flüchtlingskirche" besonders für die Arbeit mit Flüchtlingen bestimmt ist, wurde im August und September fünfmal Opfer von Sachbeschädigungen.
Senat: Gefährdungslage wird "fortlaufend geprüft"
Auf Synagogen und andere jüdische Einrichtungen wie das Jüdische Gymnasium Moses Mendelssohn und das Jüdische Museum Berlin wurden laut der Senats-Statistik im Berichtszeitraum 16 Übergriffe verzeichnet, auf Moscheen und islamische Kulturvereine 14. In den meisten dieser Fälle wurden die Taten rechtsgerichteten Tätern zugeordnet.
Wie die Senatsverwaltung weiter mitteilte, hat sich die allgemeine Sicherheitslage von Kirchen, Moscheen und Synagogen in Berlin seit 2016 nicht verändert; für jüdische Einrichtungen sei die Gefährdungslage aber "unverändert hoch". Zusätzliche Schutzmaßnahmen für christliche, jüdische oder muslimische Gebäude in der Stadt würden derzeit nicht als notwendig erachtet. Die Gefährdungslage entsprechender Einrichtungen werde jedoch "fortlaufend geprüft" und bei Bedarf angepasst. (stz)