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Christof Haverkamp über Merkel und Weihnachtslieder

Sinnvoller Vorschlag

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Schachfigur
Bonn - Christof Haverkamp über Merkel und Weihnachtslieder

Man kann den Vorschlag ins Lächerliche ziehen, darüber spotten oder – wie auf Facebook geschehen – sogar Angela Merkels Geisteszustand anzweifeln. Aber das ist nur niveaulos und trifft die Sache nicht, im Gegenteil. Denn es ist weder peinlich noch skurril, was die CDU-Chefin ihren Parteifreunden am Samstag in Wittenburg geraten hat: Sie sollten auf den Weihnachtsfeiern in den Kreisverbänden statt "Schneeflöckchen, Weißröckchen" christliche Lieder singen und jemanden auftreiben, der sie mit der Blockflöte begleiten kann.

Damit erntete Merkel Gelächter, wohl auch, weil die Anregung ungewohnt klingt. Doch die Kanzlerin meint es ernst, wie sie ausdrücklich betont. Ihr geht es um mehr Selbstbewusstsein der CDU im Umgang mit den christlichen Wurzeln, und das haben die Christdemokraten nötig. Wenn sie mit dem Vorschlag nun eine Debatte anstößt, ist das verdienstvoll. Damit leistet Merkel mehr als noch so viele Sonntagsredner, die sich zum "C" in der CDU äußern. Und es geht nicht allein um das Profil und die Werte bei den Christdemokraten, die sich von notorischen Nein-Sagern der AfD unterscheiden wollen.

Merkels Vorschlag wirkt über ihre eigene Partei hinaus. Im Kleinen fängt es an, ob christliche Werte in der Gesellschaft Bedeutung haben, nicht allein in der Flüchtlingsdebatte. Dazu gehört auch die Pflege religiösen Brauchtums. Nicht die von Pegida und anderen Bewegungen beklagte angebliche Islamisierung des Abendlandes ist das Problem, sondern das Verdunsten der eigenen Kultur. Wenn die Bedeutung von Feiertagen wie Pfingsten und Ostern in Vergessenheit gerät oder wenn kaum jemand noch eine Strophe eines Martinsliedes singen kann, dann geht Wertvolles verloren. Und zerstört wird es nicht von Flüchtlingen.

Viele Muslime, auch in Deutschland, zeichnet eine intensive, selbstverständlich gelebte Glaubenspraxis aus. Das ist die eigentliche Herausforderung, mit der Deutschland zu tun hat, nicht die Gefahr einer Überfremdung.

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