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Bischofskonferenz veröffentlicht Impulse zu den Herausforderungen der Digitalisierung

Soziallehre für die vernetzte Gesellschaft

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Bonn - Auf der Grundlage der katholischen Soziallehre die Herausforderungen der Digitalisierung meistern: Das ist das Ziel einer Arbeitshilfe der deutschen Bischöfe. Doch das Papier kann nur ein Anfang sein.

Erstmals beschäftigen sich die deutschen Bischöfe explizit mit netzpolitischen Fragestellungen. "Medienbildung und Teilhabegerechtigkeit. Impulse der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz zu den Herausforderungen der Digitalisierung" lautet der etwas sperrige Titel der neu erschienenen Arbeitshilfe. Das Papier geht auf der Grundlage der katholischen Soziallehre Politikfelder an, die durch die umfassende Digitalisierung der Gesellschaft berührt sind. Anhand der Themen Datenschutz, Teilhabegerechtigkeit, Urheberrecht, Jugendmedienschutz und Medienbildung sowie Diskussionskultur im Netz wird ein Rahmen für die Bewertung netzpolitischer Maßnahmen geschaffen.

"Welches originäre Interesse hat die Kirche an scheinbar rein technischen Dingen wie der Digitalisierung?", fragt Bischof Gebhard Fürst, Vorsitzender der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz, in seinem Vorwort. Die Antwort liegt auf der Hand: Digitalisierung und die Chancen und Möglichkeiten der zunehmenden Vernetzung prägen die Gegenwart. Kein Feld der Gesellschaft bleibt davon unberührt – selbstverständlich nicht die Medien, aber auch die Arbeitswelt, Medizin und Pflege, demokratische Öffentlichkeit und Wissenschaft verändern sich durch die Digitalisierung. Solche Umbrüche bringen neben ungeheuren Chancen immer auch Risiken mit sich, und sei es nur das Risiko, das eigene Handeln verändern zu müssen. Bischof Fürst nennt die Frage, der sich die Kirche stellen muss, in der Seelsorge wie in der Theologie: "Wie also wird das Menschliche, das durch Christus geheiligt ist, bei diesen Umbrüchen gesichert?"

  • DATENSCHUTZ: "Ziel muss es sein, die Personalität und die Sozialität des Menschen als Ebenbild Gottes bewusst zu erkennen, zu erhalten, zur Entfaltung zu bringen und bei Bedarf auch zu verteidigen. Menschenwürde und Freiheit geraten in Gefahr, wenn der Mensch nicht mehr über seine Daten bestimmen kann. Das ist dann der Fall, wenn er zum Objekt staatlichen, unternehmerischen oder auch kirchlichen Begehrens wird; wenn er keinen Überblick mehr darüber hat, welche persönlichen Daten zu seiner Person gespeichert und anderen zugänglich sind; wenn die Daten, die einmal zu seiner Person gespeichert worden sind, nicht mehr gelöscht werden können; wenn Dritte ohne sein Zutun – auch unrichtige – Daten über ihn speichern können und wenn er unter ständiger Beobachtung durch – ihm zum großen Teil unbekannte – Dritte lebt und sein Recht auf Privatheit faktisch nicht mehr durchsetzbar ist."
  • TEILHABEGERECHTIGKEIT: "Die flächendeckende Verbreitung des Internets in allen Lebensbereichen und damit die Möglichkeit einfacher, schneller und günstiger Kommunikation führen dazu, dass ein Zugang zu den Möglichkeiten des Internets kein Luxusgut ist, sondern ein notwendiger Bestandteil des gesellschaftlichen Existenzminimums."
  • Eine Frau guckt ein YouTube-Video mit Papst Franziskus.
    URHEBERRECHT: "Weder darf das legitime Interesse der Urheber und Verwerter an einem starken Schutz der Schöpfungen außer Acht gelassen werden, noch darf dieser Schutz dazu führen, dass Kreativität und Kommunikation in ihren zeitgemäßen Ausdrucksformen verunmöglicht werden. Ein Begriff geistigen Eigentums, der Gemeinwohlorientierung ebenso wie individuelle und persönliche ideelle und materielle Nutzungsrechte in sich vereint, ist eine tragfähige Grundlage für ein zukunftsfähiges Urheberrecht."
  • JUGENDMEDIENSCHUTZ: "Mit Blick auf die Digitalisierung ergeben sich neben einer notwendigen Reduzierung und Harmonisierung der komplexen Regelungen und Zuständigkeiten neue Herausforderungen, für die es bislang leider keine zufriedenstellenden Lösungen gibt. Diesseits absolut unzulässiger Inhalte, die durch das Strafgesetzbuch und andere Gesetze erfasst sind, braucht es daher einerseits einen Wertediskurs, der diese Spannung der Grundrechte umgreift und dabei einen wirksamen Schutz der Kinder und Jugendlichen auch in der digitalen und globalisierten Welt in den Blick nimmt, und andererseits taugliche Regelungen, um der Dynamik der digitalen wie analogen Medienwelt Rechnung zu tragen."
  • Eine junge Frau sitzt am Laptop und stützt ihren Hals mit den Händen ab. Sie sieht besorgt aus.
    HASS UND VERROHUNG IM NETZ: "Auch die ethisch-moralischen Grundsätze jenseits des Strafrechts, die eine Gesellschaft im Umgang miteinander entwickelt und in der analogen Welt eingeübt hat, dürfen im Netz nicht außer Kraft gesetzt werden: 'Die rechte Benutzung der sozialen Kommunikationsmittel setzt bei allen, die mit ihnen umgehen, die Kenntnis der Grundsätze sittlicher Wertordnung voraus und die Bereitschaft, sie auch hier zu verwirklichen.'"
  • Mit Hilfe von Tablet-Computern erhalten Schüler digital gestützten Unterricht.
    MEDIENKOMPETENZ UND MEDIENBILDUNG: "Gesellschaftliche Teilhabe an Rezeption und Produktion von Medien bedeutet, sich in die Belange einmischen zu können, die die eigene Lebensführung betreffen. Diese Teilhabe in den verschiedenen Bereichen der Lebenswelt durch Medien erfordert eine aktive Beteiligung der Menschen an für sie relevanten Entscheidungsprozessen und Ereignissen."

    Eine Frage, die sich der Kirche in jedem gesellschaftlichen Umbruch stellt. Im 19. Jahrhundert reagierten engagierte katholische Sozialreformer wie Adolph Kolping und Franz Hitze ebenso wie das päpstliche Lehramt auf die industrielle Revolution mit der Entwicklung der katholischen Soziallehre. Die dabei entwickelten Instrumente der Sozialprinzipien – Personalität, Solidariät, Subsidiarität – sind immer noch hilfreich, um Politik nach christlichen Grundsätzen zu gestalten.

    Diese Prinzipien liegen auch dem Netzpolitik-Papier der Bischofskonferenz zugrunde, wenn auch nur ausgewählte Themenbereiche besprochen werden konnten. Die Publizistische Kommission der Bischofskonferenz beschäftigt sich mit Fragen der Öffentlichkeit und der Medien. Diese Fragestellungen sind durch die Digitalisierung mittlerweile umfassend mit anderen Politikfeldern verwoben – dennoch kann das vorliegende Papier nur ein erster Aufschlag sein. Netzpolitik als Querschnittsthema ist nicht nur ein Thema der Medienpolitik. Die Stimme der katholischen Soziallehre ist auch in anderen gesellschaftlichen Bereichen notwendig: Wenn es um die Frage der Zukunft der Arbeit geht, bei der kritischen Begleitung von Weiterentwicklung in Medizin und Pflege.

    Im Volltext: Medienbildung und Teilhabegerechtigkeit

    Unter dem Titel "Medienbildung und Teilhabegerechtigkeit" veröffentlicht die Publizistische Kommission der Deutschen Bischofskonferenz heute Impulse zu den Herausforderungen der Digitalisierung. Zur Redaktionsgruppe gehörte auch katholisch.de-Redakteur Felix Neumann.

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