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Am Sonntag findet in Berlin eine Demonstration gegeg Antisemitismus statt

"Steh auf!"

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Das Denkmal für die ermordeten Juden Europas befindet sich in Berlin-Mitte.
Berlin - Die Bundeskanzlerin, der Vorsitzende der Bischofskonferenz, der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche und Vertreter aller Bundestagsparteien. Große Namen stehen auf der Teilnehmerliste für eine Kundgebung am Sonntag in Berlin. Der Zentralrat der Juden mobilisiert unter dem Motto "Steh auf! Nie wieder Judenhass" gegen Antisemitismus in Deutschland. Die Sorgen vor wachsender Judenfeindlichkeit, verstärkt durch den Gaza-Konflikt, ist groß.

Hauptrednerin am Brandenburger Tor wird Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sein. Bundespräsident Joachim Gauck hat ebenfalls sein Kommen zugesagt - ebenso wie etwa der ehemalige Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne). Merkel hatte zuvor in einem Video-Podcast betont: "Antisemitismus darf in Deutschland keine Chance haben." Dafür werde sie persönlich wie auch die ganze Bundesregierung alles tun. Sie sei besorgt, dass es in Deutschland keine einzige jüdische Einrichtung gebe, die nicht durch Polizei bewacht werden müsse.

Der Präsident des Zentralrats, Dieter Graumann, hatte zuletzt von einer neuen Dimension des Antisemitismus in Deutschland gesprochen. Für die Juden sei es die schlimmste Zeit seit 1945. "Blanker Judenhass" habe sich offen Bahn gebrochen, sagte er mit Blick auf "die unfassbaren und schockierenden Hass-Parolen auf deutschen Straßen, die Anschläge auf jüdische Bürger und Synagogen".

Graumann: Wir sind da! Und wir bleiben da!

Dennoch werde sich die jüdische Gemeinschaft nicht einschüchtern lassen, so Graumann. "Wir sind da! Und wir bleiben da! Und wir werden allen Anfeindungen entschlossen entgegentreten, gemeinsam mit allen unseren Freunden in der deutschen Gesellschaft." Bei antiisraelischen Demonstrationen in mehreren deutschen Großstädten waren in den vergangenen Monaten Parolen wie "Israel vergasen", "Jude, Jude, feiges Schwein" und "Israel Kindermörder" skandiert worden. Zudem gab es einen Brandanschlag auf eine Synagoge in Wuppertal.

Der Münchner Erzbischof, Kardinal Reinhard Marx.
Der Münchner Erzbischof, Kardinal Reinhard Marx.

Die Direktorin des American Jewish Committee Büros in Berlin, Deidre Berger, erwartet von den Deutschen klare Signale der Solidarität. Sie zeigte sich besorgt über die "Welle von Demonstrationen". Die Stimmung sei teils sehr aggressiv gewesen. "Wenn von 'Juden vergasen' die Rede ist, dann hat das nichts mit Kritik an Israel zu tun, dann ist das offener Antisemitismus", so die Direktorin. "Die Vorfälle sollten ein Weckruf für Deutschland sein, es darf nicht allein bei einer Großkundgebung bleiben", betont die Journalistin. Auf vielen Ebenen sollte mehr gegen antisemitische Tendenzen unternommen werden, angefangen bei der Bildung. Das gelte auch für die muslimischen Gemeinden.

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx erwartet von der Kundgebung ein klares Signal gegen Terrorismus und Fanatismus. "Angesichts der teils religiös motivierten Konflikte im Nahen Osten, aber auch in Syrien und dem Irak ist es nötig, zu zeigen, dass Extremismus keinen Rückhalt in der breiten Bevölkerung und auch nicht in den jeweiligen Religionsgemeinschaften hat", betonte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz.

Neues Maß an Antisemitismus in Deutschland?

Auch nach Erkenntnissen der Berliner Wissenschaftlerin Monika Schwarz-Friesel hat der Antisemitismus in Deutschland ein neues Maß erreicht. Bei Untersuchungen großer Mengen von Zuschriften an den Zentralrat der Juden und die israelische Botschaft in Berlin seien deutlich mehr antisemitische Stereotype entdeckt worden als noch vor zehn Jahren, sagte sie. Auch im Internet sei das Ausmaß an antisemitischen Kommentaren erheblich gestiegen.

Der ehemalige Direktor des Berliner Zentrums für Antisemitismusforschung, Wolfgang Benz, sieht das dagegen skeptisch. Aus wissenschaftlicher Sicht gebe es keinen Anstieg an Antisemitismus in Deutschland. "Antisemit bin ich, wenn ich Juden hasse, weil sie Juden sind; wenn ich mit Sorge auf die aktuelle Israel-Politik blicke, hat das nichts damit zu tun", meint der Historiker. Die Parolen auf den Demonstrationen seien Einzelfälle.

Von Anna Mertens (KNA)

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