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Merkwürdige Totenwache wird Mode in Puerto Rico

"Stehende Tote"

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San Juan - Noch einmal steht Christopher Rivera im Ring - doch einen letzten Kampf wird der puertoricanische Boxer nicht mehr bestreiten können. Seine blauen Handschuhe hat er an, auch die kurze Boxerhose, auf dem Kopf trägt er eine goldfarbene Kapuze. Mit dunkler Brille steht der Boxer, genannt "Perrito" (Hündchen), an der Ringecke. Aber Rivera ist tot.

Einem Polizeibericht zufolge starb der 24-Jährige wenige Tage zuvor bei einer Schießerei auf offener Straße in der Hauptstadt San Juan. Die Inszenierung ist seine Totenwache - ein letzter Abschied als "Stehender Toter", wie es auf Karibikinsel neuerdings heißt.

"Das ist eine Hommage von mir, es war meine Idee", erklärte Ehefrau Lidianette Carmona. "Ich weiß, dass die Menschen ihn so in Erinnerung haben werden, als den Boxer, der er war", sagte sie der Zeitung "Primera Hora". Besonders erfolgreich war Rivera nicht. Zeit seines Lebens bestritt der Profiboxer 21 Kämpfe, 15 davon verlor er.

Riveras ungewöhnliche Trauerfeier vom vergangenen Freitag ist die jüngste eines Rituals, das sich allmählich zum Trend auf Puerto Rico entwickelt. Bekannt ist diese Art der Totenwache umgangssprachlich als "Muerto parado", der "Stehende Tote". "Es ist eine Mode geworden", erklärt der Journalist Oliver Otero.

Bisher sechs oder sieben solcher Totenwachen in Puerto Rico

Der erste "stehende Tote" war wohl ein Mann, der 2008 erschossen wurde, sagt der in San Juan lebende Otero der Nachrichtenagentur dpa am Telefon. Ángel Luis Pantojas wurde von seinen Verwandten stehend gezeigt, gekleidet in Rapper-Stil, um den Hals trug er eine Kette mit einem Kreuz. Jahre zuvor soll er sich gewünscht haben, dass man seinen Leichnam im Stehen zeige, sollte er eines Tages ermordet werden. Pantojas wurden Verbindungen zur organisierten Kriminalität nachgesagt.

Seitdem habe es sechs oder sieben solcher Fälle gegeben, erzählt Otero. Bekannt ist auch der Fall eines 22-jährigen Motorradfahrers, der 2010 nach seinem Tod sitzend auf seiner alten Maschine von Familie und Freunden verabschiedet wurde. Das Ritual sei besonders bei ärmeren Leuten beliebt, glaubt Otero. "Es sind keine Menschen, die Geld haben." Typisch sei auch, dass die so Geehrten eines gewaltsamen Todes starben.

Der Andrang bei Riveras Totenwache am Freitag war laut Medienberichten groß. Auch viele Schaulustige seien dabei gewesen, sagt Journalist Otero. Zu diesen Ritualen gingen auch viele Menschen, die den Verstorbenen nicht kannten, das Ganze sei eine echte Attraktion. Und Boxer seien schließlich auf der Karibikinsel sehr beliebt, so wie Fußballstars in anderen Ländern.

Von Isaac Risco (dpa)

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