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Woelki: Auch Opfer des Klimawandels wollen nach Europa

"Strukturelle ökologische Schuld"

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Kardinal Rainer Maria Woelki im Interview
Köln - Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki hat eine ökologische Umkehr gefordert. Auch Opfer des Klimawandels strebten in die "Festung Europa", die ihrerseits an der Erderwärmung mitschuldig sei. Allerdings reiche es nicht, wenn sich nur jeder Einzelne ändere.

"Es werden künftig nicht nur diejenigen an der Tür der Festung Europa anzuklopfen versuchen, die vor Waffengewalt fliehen, sondern ebenso diejenigen, deren Lebensgrundlagen klimatisch bedroht sind", gab der Erzbischof zu bedenken. "Auch sie wollen wie wir gut leben. Und vor allem wollen sie eines: überleben", sagte Woelki beim Medienempfang des Erzbistums Köln.

Lebensgrundlage geht verloren

Schon jetzt hätten 1,1 Milliarden Menschen keinen sicheren Zugang zu sauberem Trinkwasser; rund 800 Millionen seien unterernährt, kritisierte Woelki. Die negativen Folgen des Klimawandels träfen die verletzbaren Bevölkerungsgruppen existenziell am meisten. "Sie müssen sich nicht nur in ihrem Verhalten umstellen, sondern stehen in der Gefahr, ihre Lebensgrundlage zu verlieren", prangerte der Kardinal an.

Es werden künftig nicht nur diejenigen an der Tür der Festung Europa anzuklopfen versuchen, die vor Waffengewalt fliehen, sondern ebenso diejenigen, deren Lebensgrundlagen klimatisch bedroht sind. Auch sie wollen wie wir gut leben. Und vor allem wollen sie eines: überleben

Kardinal Rainer Maria Woelki

Die Zunahme von Katastrophen werde zu wenig als Folge von Industrie, Verkehrsaufkommen und Ressourcenverbrauch gesehen, bemängelte Woelki. Doch seit der Umweltenzyklika von Papst Franziskus werde es schwieriger zu behaupten, der Klimawandel sei nicht von Menschenhand gemacht. "Für katholische Politiker wird es schwieriger, ihr Verständnis von Religiosität glaubwürdig darzustellen, wenn sie meinen, die Umweltaussagen des Papstes mit einem Federstrich als irrelevant abtun zu können, um die Kirche dann aktiv wieder auf Fragen der Sexualmoral zu reduzieren", so der Kölner Erzbischof.

Woelki: Dass sich jeder einzelne bessert, ist nicht genug

"Im gemeinsamen Haus, von dem Franziskus so anschaulich spricht, gibt es nicht nur Schlafzimmer für gut situierte Ehepaare in westlichen Industrienationen. Es gibt eben auch verdorrende Vorgärten, vollgelaufene Keller und wegsterbende Arten in Nachbars Garten."

Um das Überleben der Menschheit zu sichern, müssten sich die Menschen hierzulande ihrer "strukturellen ökologischen Schuld" stellen. Allerdings sei es laut Papst Franziskus zur Lösung einer so komplexen Situation nicht genug, dass jeder einzelne sich bessert. Vielmehr müsse auf die sozialen Probleme mit Netzen der Gemeinschaft reagiert werden. Woelki warb um Mitstreiter für eine ökologische Umkehr. Dabei lobte er, dass das Thema auch etwa durch US-Präsident Barack Obama forciert werde. (KNA)

Das gemeinsame Haus bewahren

Unsere "Mutter Erde" braucht dringend unsere Achtsamkeit und dankbare Fürsorge, meint Pater Franz Helm. Zum Welttag der Schöpfung am 1. September würdigte der Steyler Missionar den Beitrag von Papst Franziskus zu einer notwendigen ökologischen Umkehr.

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