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"Die Situation ist unverändert schlecht"

Studie: Mangelnder Schutz für christliche Konvertiten in Deutschland

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Ein Flüchtling vor einer Berliner Kirche.
Kelkheim - Verweigern deutsche Behörden und Gerichte christlichen Konvertiten notwendigen Asylschutz? Die Hilfsorganisation "Open Doors" wirft ihnen das vor. Die Situation sei weiterhin schlecht, heißt es in einer neuen Studie.

Die christliche Hilfsorganisation Open Doors wirft deutschen Behörden und Gerichten vor, weiterhin Tausenden von muslimischen Flüchtlingen, die Christen geworden sind, notwendigen Asylschutz wegen religiöser Verfolgung zu verweigern.

"Die Situation für Konvertiten ist unverändert schlecht", heißt es in einer am Montag in Kelkheim veröffentlichten Studie. Zwischen 2017 und Mai 2021 hätten das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) sowie Verwaltungsgerichte Asylanträge von mehreren Zehntausend Konvertierten abgelehnt.

Open Doors beklagt "sachfremde Entscheidungen, fehlende Standards und unzureichende Kriterien" für die Prüfung, ob den Konvertiten im Herkunftsland Verfolgung drohe. Außerdem zeigten die Behörden immer wieder großes Misstrauen gegenüber Angaben der Flüchtlinge und der christlichen Gemeinden in Deutschland.

Angaben zu 5.207 christlichen Konvertiten ausgewertet

Für die Studie wurden Angaben zu 5.207 christlichen Konvertiten ausgewertet. Sie kommen überwiegend aus dem Iran (3.081), Syrien (855), Afghanistan (754), dem Irak (206), Pakistan, Eritrea und Nigeria. Befragt wurden im Juni und Juli 133 evangelische landes- und freikirchliche Gemeinden aus allen Bundesländern sowie zwei örtliche Evangelische Allianzen.

Viele Konvertiten haben laut Open Doors außerhalb ihres Herkunftslandes zum neuen Glauben gefunden - auch, weil sie nach ihrer Flucht Hilfe von Christen und ihren Gemeinden erhielten. Sie können also auf keine persönliche Verfolgungsgeschichte im Heimatland verweisen. Das werde von den deutschen Behörden oft als Grund dafür angeführt, einen Schutzstatus zu verweigern, hieß es. Andere seien zwar in ihrer Heimat Christen geworden, hätten dies jedoch aus Furcht verheimlicht und dort weder Gottesdienste besuchen noch sich taufen lassen können.

Konvertitenbericht 2021

Missachtung der Menschenwürde von Flüchtlingen in Deutschland. Repräsentative Erhebung zur asylrechtlichen Situation von 5.207 christlichen Konvertiten.

Zur Studie

Die 113 Kirchengemeinden berichteten laut Open Doors, dass von den von ihnen betreuten 5.207 Konvertiten trotz vorgelegter Glaubensbescheinigung 2.045 Betroffene Ablehnungen durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) erfahren hätten sowie 1.400 Ablehnungen durch Verwaltungsgerichte. 99 Konvertierte seien abgeschoben worden.

Dass Asylprüfungen oft aufgrund sachfremder Argumente entschieden würden, zeigt sich laut Open Doors auch darin, dass sich im Vergleich der Bundesländer ein "signifikant uneinheitliches Bild" von sehr niedrigen bis zu sehr hohen Ablehnungsquoten ergibt. Außerdem gebe es große Unterschiede hinsichtlich der Herkunftsländer: Praktisch alle Syrer erhielten einen Schutzstatus, jedoch fast keine Konvertierten aus Nigeria und Afghanistan. 82 Prozent der iranischen Konvertierten erhielten im Untersuchungszeitraum mindestens eine Ablehnung.

Auch zeigen sich laut Studie Verschärfungstendenzen im zeitlichen Ablauf: Anfangs seien BAMF und Verwaltungsgerichte häufig überzeugt gewesen, dass zum christlichen Glauben Konvertierte nicht in ihre Herkunftsländer abgeschoben werden dürfen. Vor dem 1. Juli 2017 waren laut Studie 67,9 Prozent der Bescheide positiv. "Es war offenbar bekannt, dass dort Christen wegen ihres Glaubens stark verfolgt wurden und dass dies besonders Konvertiten betraf, da die Abkehr vom Islam in den entsprechenden Ländern als Schande und todeswürdiges Verbrechen galt."

Bei vielen wurde ihr Glaubenswechsel in Zweifel gezogen

Doch das änderte sich bald. Laut einer 2019 veröffentlichten Open-Doors-Studie erhielten im Zeitraum 2018 bis 2019 nur noch 37,6 Prozent einen Schutzstatus durch das BAMF. "Bei vielen von ihnen wurde ihr Glaubenswechsel in Zweifel gezogen", heißt es in der Studie: "Dagegen befanden die befragten Pastoren 88 Prozent der Konvertiten als glaubwürdig."

Das BAMF hatte solche Vorwürfe - mit Blick auf Iraner - im Mai zurückgewiesen. "Natürlich ist die Konversion für das Asylverfahren ein wichtiger Umstand und muss in unsere Entscheidungen einfließen", sagte BAMF-Vizepräsidentin Ursula Gräfin Praschma der Deutschen Welle (DW). Dennoch müsse immer individuell entschieden werden; nicht jeder lebe seinen Glauben öffentlich. "Es gibt Christenverfolgung im Iran, aber nicht jeder Christ im Iran wird verfolgt." Im ländlichen Raum seien die Gefahren größer als in den Städten. Angehörige der anerkannten Kirchen, wie zum Beispiel die Armenier, seien kaum betroffen.

Open Doors ist nach eigenen Angaben ein Hilfswerk, das in rund 60 Ländern verfolgte Christen unterstützt. In Deutschland widmet es sich vorwiegend der Berichterstattung über ihre Unterdrückung.

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