Suche nach Heimat
Im Oktober hat katholisch.de vom bewegenden letzten Gottesdienst im "Immerather Dom" berichtet. Die prächtige Kirche, deren Türme weithin über Felder und Ortschaften hinweg sichtbar sind und die nun dem Braunkohletagebau Garzweiler zum Opfer fällt. Am 13. Oktober verabschiedete sich die Gemeinde in einer übervoll besetzten Kirche unter Tränen. Lange hatten die Immerather für den Erhalt ihrer Kirche Sankt Lambertus gekämpft und am Schluss verloren.
Nun - zwei Monate später - steht Weihnachten vor der Tür. Wir wollen wissen: Wie geht es der Gemeinde? Wo feiern die Menschen die Christmette? "Jeder geht dahin wo er will, in die umliegenden Dörfer", sagt die ehemalige Küsterin von Sankt Lambertus, Antonia Küppers. Die Gemeinde driftet auseinander. Das Ehepaar Küppers arbeitet derweil vertretungsweise in der Pfarrkirche im nahegelegenen Kückhoven. "Da verirrt sich kaum einer hin."
Wir haben keinen Pfarrer mehr
Wann der Bau des neuen Gemeindezentrums im Umsiedlungsort Neu-Immerath fertiggestellt wird, ist unklar. "Das kann Ende 2014 sein oder erst 2015", sagt Antonia Küppers, fügt aber gleich hinzu: "Da wird es kein reges Gemeindeleben mehr geben, denn wir haben keinen Pfarrer mehr." Alle zwei Monate soll dort ein Gottesdienst stattfinden. Mehr nicht. Keine hoffnungsvollen Aussichten.
Früher war der Immerather Dom an Weihnachten voller Licht und Leben. "Gut 400 Leute hatten wir dort zur Christmette in den Kirchenbänken sitzen." Heute hat sich um den mächtigen Kirchenbau die gleiche geisterhafte Atmosphäre ausgebreitet, die das vereinsamte Dorf schon lange prägt. "Da können Sie nicht mehr hingehen", sagt die einstige Küsterin. "Die Weihwasserbecken sind rausgeschlagen, keine Kirchentüren mehr in den Angeln." Die meisten Kirchenbänke und Heiligenfiguren sind eingelagert. "Bis klar ist, wo sie hinkommen."
"Wir haben genug geweint"
Vor einigen Tagen hatte das Bundesverfassungsgericht entschieden: Garzweiler II darf weitergehen. Ob dieses Urteil ein Schock für sie war? "Nein", sagt Antonia Küppers bestimmt, "wir haben uns schon darauf eingestellt." 15 Jahre haben die Einwohner von Immerath - hat die Gemeinde von Sankt Lambertus - gekämpft. Doch mit ihrer alten Heimat haben die Immerather nun abgeschlossen. "Ich will nicht mehr zurück! Wir haben genug geweint. Jetzt müssen wir nach vorne schauen."
Einen kleinen Lichtblick gibt es für die Immerather Gemeinde an Weihnachten aber doch. "Am 2. Weihnachtsfeiertag feiern wir im Kaisersaal in Neu-Immerath einen Gottesdienst", sagt Küppers. "Vielleicht kommen dort einige aus der alten Gemeinde zusammen."
Von Janina Mogendorf