Theologe: Nachlesen allein führt nicht zu richtigem Handeln
Die Zehn Gebote geben nach Worten des Philosophen und Theologen Eckhard Nordhofen "eine erste Orientierung" für das richtige Handeln. Zugleich stelle sich die Frage, wie der Einzelne den Willen Gottes tun könne, "jeden Tag neu, jeden Tag anders", schreibt er am Samstag in einem Gastbeitrag für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Nicht zu töten, zu stehlen oder zu lügen sei das Eine. "Für die täglichen Entscheidungen" reiche indes "Nachlesen nicht aus".
Jesus Christus habe dieses Spannungsfeld erkannt, so der Wissenschaftler; "dass die Frage aller Fragen, die nach dem Willen Gottes, nicht einfach durch Nachlesen befriedigend beantwortet werden kann". Darüber werde Jesus zum "Schriftkritiker". Die Schriftgelehrten der Zeit seien Gottesfürchtige gewesen, "die sich einfach Mühe geben, alle Gesetze der Tora pünktlich zu erfüllen".
Heilige Schriften können auch gefährlich sein
Dieser Konflikt habe am Ende das Schicksal Jesu bestimmt, so Nordhofen. Daher seien "die Evangelisten auf die Pharisäer und Schriftler nicht gut zu sprechen". Jesus selbst mache unterdessen vor, "wie es geht. Gezielt kümmert er sich um Zöllner und Sünderinnen, heilt Kranke auch am Schabbat und lehrt, dass Reinheit von innen kommt".
Bis heute könnten Heilige Schriften auch gefährlich sein, fügt Nordhofen hinzu. In allen drei monotheistischen Religionen gebe es "Fundamentalisten, die an dem Konzept einer direkten Autorschaft Gottes festhalten". Ein solcher Glaube erfordere "keine intellektuelle Anstrengung, nur einen einfachen Entschluss". Am Inhalt der Schrift dürfe dann in keiner Weise mehr gerüttelt werden; "sie steht über allem und entwickelt ein unüberbietbares Ermächtigungspotenzial". (KNA)
Sie gelten als universales Gesetz und als Grundlage der Menschenrechte. Nur wenige Worte der Bibel sind so bekannt wie die Zehn Gebote. Aber wie ist der Dekalog entstanden? Und was genau bedeuten die einzelnen Gebote Gottes? Katholisch.de gibt Antworten.