"Tragischer Tag"
Nach geltendem Recht aus dem Jahr 1996 durften US-Bundesstellen Partnern in "Homo-Ehen" nicht die gleichen Rechte einräumen wie Eheleuten. Demnach genießen verheiratete Männer und Frauen Privilegien etwa im Steuerbereich oder bei Erbschaften.
Anlass für die höchstrichterliche Entscheidung war die Klage einer 83-jährigen Frau. Sie musste nach dem Tod ihrer Partnerin umgerechnet rund 280.000 Euro Erbschaftssteuer bezahlen, weil die Behörden sie nicht als verheiratet anerkannten.
Das Urteil des Obersten Gerichts fiel mit knapper Mehrheit von fünf zu vier Stimmen. Der Supreme Court ist zwischen politisch konservativen und liberalen Richtern gespalten.
Kritik an der Definition von Ehe
Die katholischen US-Bischöfe und zahlreiche andere Organisationen und Gegner der gleichgeschlechtlichen Ehe hatten das Gericht im Vorfeld aufgefordert, den Schutz der traditionellen Ehe und die Definition der Ehe als Verbindung von Mann und Frau aufrecht zu erhalten.
Der Vorsitzende der Bischofskonferenz und New Yorker Kardinal Timothy Dolan und der Erzbischof von San Francisco, Salvatore Cordileone, erklärten nach dem Urteil, "die Bewahrung von Freiheit und Gerechtigkeit" setze voraus, dass alle Gesetze auf Bundes- und auf bundesstaatlicher Ebene "die Wahrheit respektieren". Die Wahrheit gebe es auch beim Ehebegriff.
Der Erzbischof von Baltimore, William Lori, bezeichnete die Voten des Obersten Gerichts als "jüngste Glieder in einer Kette beunruhigender Entscheidungen von Gesetzgebern und Richtern" gegen den "wichtigsten und meistgeschätzten Baustein der Gesellschaft". Es handele sich um einen "deutlichen Versuch, die Ehe neu zu definieren und zu entkleiden", und um eine "ernste Bedrohung der Religions- und Gewissensfreiheit von unzähligen gläubigen Menschen".
Über Twitter meldete sich der emeritierte Erzbischof von Los Angeles, Kardinal Roger Michael Mahony, zu Wort. Die Entscheidung des Gerichtes sei falsch, twitterte er und weiter: Da Gott der Urheber der Ehe sei, unterliege diese nicht dem menschlichen Recht. John Wester, Bischof von Salt Lake City, twitterte wiederum, dass das Urteil des Supreme Courts "enttäuschend" sei.
Weiteres Urteil für Kalifornien
Zugleich wies der Supreme Court mit gleicher Mehrheit auch eine Entscheidung über die Zulässigkeit der Homo-Ehe im Bundesstaat Kalifornien zurück. Die Obersten Richter verwiesen den Fall an die niedrigere Instanz zurück.
Damit sind gleichgeschlechtliche Ehen in Kalifornien wieder zulässig. Ein vorinstanzliches Gericht hatte zuletzt ein Referendum gegen die Homo-Ehe aus dem Jahr 2009 für nichtig erklärt.
In 32 US-Bundesstaaten sind Homo-Ehen durch Verfassungszusätze untersagt. In zwölf Staaten und im Distrikt Columbia sind solche Eheschließungen anerkannt. In weiteren acht Staaten sind gleichgeschlechtliche Zivilpartnerschaften zulässig, während gleichgeschlechtliche Ehen dort zum Teil verboten sind. (meu/KNA/dpa)