Suche
Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Marx, schreibt Kondolenzbrief

Trauer um Max Mannheimer

Dieser Inhalt ist nur erlaubt, wenn Sie Cookies vom Typ "readspeaker" zulassen.

Max Mannheimer im Porträt
München/Berlin - Er überlebte Theresienstadt, Auschwitz, Warschau und Dachau. Später berichtete er unermüdlich von seiner Leidensgeschichte. Nun ist Max Mannheimer mit 96 Jahren gestorben. Auch die deutschen Bischöfe trauern.

Die deutschen Bischöfe trauern um Max Mannheimer. Dessen "intellektuelle Kraft, sein visionärer Blick auf die gesellschaftlichen Entwicklungen Europas und seine sprachliche Brillanz im Erzählen dessen, was er erleiden musste, werden uns fehlen", schreibt der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx in einem Kondolenzbrief. Er würdigte den Holocaust-Überlebenden als einen "Mensch der Hoffnung", "überzeugten Europäer" und "unmissverständlichen Mahner".

Gauck nennt Verstorbenen "großartigen Menschen"

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, hob Mannheimers "überwältigenden und unermüdlichen persönlichen Einsatz an unzähligen Orten" hervor. Auch Bundespräsident Joachim Gauck würdigte Mannheimer und nannte ihn einen "großartigen Menschen und einen bedeutenden Zeitgenossen". Niemals habe er Rache oder Vergeltung das Wort geredet, sondern immer Zeichen der Versöhnung gesetzt. "Er, der durch die Hölle mehrerer Konzentrationslager ging, trat unermüdlich für Rechtsstaat und Demokratie ein", erklärte Gauck. Die Leiterin der KZ-Gedenkstätte Dachau, Gabriele Hammermann, nannte Mannheimer eine "zentrale Instanz" im Erinnerungsdiskurs.

Ihr seid nicht verantwortlich für das, was geschah. Aber dass es nicht wieder geschieht, dafür schon.

Max Mannheimer

Max Mannheimer wurde am 6. Februar 1920 im mährischen Neutitschein (Novy Jicin) geboren und durchlitt in der NS-Zeit Theresienstadt, Auschwitz, Warschau und Dachau. Erst Jahrzehnte danach konnte er öffentlich über seine Erlebnisse sprechen. 1985 habe Mannheimer erstmals in einem Beitrag für die "Dachauer Hefte" über seine Verfolgungsgeschichte berichtet, erklärte Hammermann. Der vielfach ausgezeichnete Überlebende sei seit den 1980er Jahren unermüdlich als Zeitzeuge aufgetreten, unter anderem in Schulen.

Traumatische Erinnerungen kommen zurück

Seine Erinnerungen legte Mannheimer im Jahr 2000 in dem Band "Spätes Tagebuch" vor. Der Verlust fast seiner gesamten Familie habe ihn tief geprägt, erklärte Hammerstein. Die traumatischen Erinnerungen hätten ihn immer wieder eingeholt - er habe Deutschland verlassen wollen, sei aber geblieben. Später sei sein Standpunkt gewesen: "Ihr seid nicht verantwortlich für das, was geschah. Aber dass es nicht wieder geschieht, dafür schon." Die Beerdigung Mannheimers findet am Dienstag auf dem Israelitischen Friedhof in München statt. (gho/KNA)

kna-katholisch-swarm-node2 (0.013s)