Um Europa kämpfen
Europa steht vor schwierigen Tagen. Schon der Brexit stärkte die Fliehkräfte, seit der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten fühlen sich nationalistisch gestimmte Entscheidungsträger zum politischen Freischärlern ermuntert. Wenn sich am Freitag die europäischen Staats- und Regierungschefs auf Malta treffen, ist das ein Krisentreffen. Und, noch ein Krisentermin, bereits an diesem Donnerstag ist Kanzlerin Merkel in Ankara zum Gespräch mit dem türkischen Präsidenten Erdogan. Ein schwieriger Partner, der den Europäern ständig Druck machen kann.
Es ist an der Zeit, für Europa zu kämpfen. Knapp 60 Jahre nach den Römischen Verträgen ist das gemeinsame europäische Projekt, als Idee des Friedens nach dem Zweiten Weltkrieg angestrebt und aufgebaut, gefährdet wie vielleicht nie zuvor. Dabei ist es angesichts der Entwicklungen in Russland und den USA zugleich wichtiger als je zuvor. Politiker des gemäßigten Lagers wissen das und betonen es. Und es wird spannend werden, dass die Wahlen sowohl in Frankreich als auch in Deutschland Europa zum Thema haben werden, weil Populisten und Rechtsextremisten Brüssel als Beelzebub feiern.
Neben Großbritannien, das sich aus der europäischen Solidarität bereits verabschiedet hat, tun sich neben Ungarn vor allem Polen und die Tschechische Republik mit nationaler Abgrenzung gegen die EU hervor. Und es stellt sich die Frage, warum die Kirche in diesen Ländern nicht stärker für Europa wirbt. Nicht zuletzt die Reden von Papst Franziskus vor dem Europäischen Parlament 2014 und bei der Entgegennahme des Karlspreises 2016 bieten da genug Anregung.
Vielleicht hilft ja der Blick auf die aktuelle Rolle der katholischen Kirche in den USA. Es dauerte ein wenig, bis sich führende Kirchenvertreter zum Einreiseverbot von Muslimen des neuen Präsidenten Donald Trump äußerten. Dann aber positionierten sie sich ausgesprochen deutlich, so der Vorsitzende der Bischofskonferenz, sein Stellvertreter, zudem die wichtigen Kardinäle von Chicago und Newark. Verwiesen auf biblische Grundlegungen, mahnten Respekt vor Religionsfreiheit an. Fast konnte man den Eindruck haben, dass Papst Franziskus angerufen und die Mitbrüder ermutigt hatte. Ob dem so war oder nicht – die Bischöfe in Polen und der Tschechischen Republik können sich an den Äußerungen der US-Katholiken gegen die aufkommende Herrschaft der Macht über das Recht ein Beispiel nehmen.
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