Umweltbischof: Klimawandel nicht auf die leichte Schulter nehmen
Der Umweltbischof der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) dringt auf mehr Tempo beim Klimaschutz. "Wochenlang knapp 40 Grad Celsius, ausgetrocknete Flüsse und verdorrte Äcker – der Hitzesommer 2026 hat sich uns im wahrsten Sinne des Wortes ins Gedächtnis gebrannt", sagte der Münsteraner Weihbischof Rolf Lohmann am Donnerstag in Bonn.
Lohmann erinnerte daran, dass in Deutschland rund 16.000, in ganz Europa ungefähr 50.000 Hitzetote gemeldet worden seien. "Mich erschüttern diese Zahlen zutiefst, vor allem angesichts der wissenschaftlichen Prognosen, die bis zum Ende des Jahrhunderts einen Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur von 2,8 Grad voraussagen."
Erwärmung schreitet voran
Am Montag beginnt in der türkischen Stadt Antalya die Weltklimakonferenz. Im Kern geht es bei dem Treffen um die Frage, wie weit die internationale Gemeinschaft bei der Umsetzung der Pariser Klimaziele gekommen ist. Darin hatten sich die Staaten geeinigt, den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur im Vergleich zum vorindustriellen Niveau auf unter 2 Grad, möglichst sogar 1,5 Grad zu begrenzen. Dies soll durch Verminderungen beim Ausstoß von Kohlendioxid und anderen klimaschädlichen Gasen geschehen. Jüngsten Erkenntnissen zufolge liegt die globale Durchschnittstemperatur bereits jetzt schon 1,4 Grad über dem vorindustriellen Niveau.
Eindringlich warnte der Umweltbischof davor, die Folgen des Klimawandels auf die leichte Schulter zu nehmen. Europa sei der sich am schnellsten erwärmende Kontinent der Welt. "Zugleich sind die Folgen des Klimawandels in anderen Regionen der Erde heute bereits ungleich existenzbedrohender", so Lohmann. "Es gilt daher, schnell und international abgestimmt zu handeln."
Keine Zeit für Ausreden
Deutlich kritisierte der Weihbischof von Münster jene Politiker, die Untätigkeit beim Klimaschutz damit begründen, dass ohne die USA und China ausreichend wirksame Maßnahmen nicht möglich seien. Die Weltgemeinschaft sei handlungsfähig, betonte Lohmann. "Dank internationaler Zusammenarbeit erholt sich die Ozonschicht, es existieren völkerrechtlich verbindliche Verträge zum Klimawandel und seit diesem Jahr gilt ein UN-Hochseeschutzabkommen."
Der 63-Jährige Geistliche ist in der Deutschen Bischofskonferenz für Umwelt- und Klimafragen zuständig und Vorsitzender der Arbeitsgruppe für ökologische Fragen der Kommission Gesellschaftliche und caritative Fragen.