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Studie untersucht das Vergeben und Verzeihen in Paarbeziehungen

Vergeben erwünscht

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Detailfoto von sich haltenden Händen. Pärchen in Sommerkleidung.
Bonn - Christliche Paare können einander leichter verzeihen. Das ist das erste Ergebnis einer Studie des Bundesverbands Katholischer Ehe-, Familien- und Lebensberatung, die am Dienstag in Bonn vorgestellt wurde. Das Ergebnis müsse nun auch Konsequenzen für die kirchliche Verkündigung haben, fordert der Vorsitzende des Verbands Eberhard Scholl.

Die Idee zu der Studie sei bei einer Jahrestagung des Verbands 2012 entstanden, berichtet der Psychologe und Theologe. Man habe festgestellt, dass es bislang kaum empirische Untersuchungen zum Aspekt "Vergeben und Verzeihen" in Paarbeziehungen gegeben habe. Dabei sei gerade das ein wichtiges Thema: Denn nur wenn Paare einander vergeben, könne die Beziehung gelingen, erzählt Scholl von seinen Erfahrungen als Berater. Ausgeführt hat die Studie, die von der Deutschen Bischofskonferenz, dem Psychologischen Institut der Universität Braunschweig und der Katholischen Hochschule Mainz unterstützt wird, schließlich das Marktforschungsinstitut EMNID.

Auch wenn es noch keine abschließenden Zahlen zur Untersuchung gibt, zeichnet sich jedoch eine deutliche Tendenz ab: Paare, die ihren christlichen Glauben im Alltag miteinander leben, haben demnach ein gutes psychisches Wohlbefinden und stehen dem Partner wohlwollend gegenüber, heißt es in einer Pressemitteilung. Das führe wiederum dazu, dass sie nach Kränkungen und Verletzungen einander eher verzeihen könnten als Paare ohne gelebten christlichen Alltag, ergänzt Scholl. Der Grund für das veränderte Verhalten sei, dass die Betroffenen "Vergeben und Verzeihen" als Teil ihres Glaubens umsetzen. "Sie leben die urchristliche Weisheit‚ Gleiches nicht mit Gleichem zu vergelten", so der Vorsitzende.

Eberhard Scholl ist Vorsitzender des Verbands der Ehe-, Familien- und Lebensberatung.

Das deutliche Ergebnis war nicht zu erwarten

Für die Studie sind insgesamt 1.400 Frauen und Männer befragt worden, darunter 350, die eine Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle aufgesucht haben. Mit dem deutlichen Ergebnis habe er nicht gerechnet, sagt Scholl, auch wenn er natürlich darauf gehofft habe.

Die genauen Zahlen der Studie werden nun in einer Dissertation analysiert und anschließend auf einem Studientag im Februar vorgestellt, erklärt Scholl. Das erste Ergebnis fordere aber dennoch Konsequenzen: "Wir möchten in Zukunft in Schulen und in der Erwachsenenbildung stärker Anregungen geben, wie man den Bereich Vergeben und Verzeihen besser integrieren kann", erläutert der Theologe. Auch die entsprechenden Berater sollen geschult werden. Sie müssten die Betroffenen dazu bringen, die Verletzung des anderen an sich heran zu lassen. "Dann weichen die Konfliktfronten auf", sagt Scholl.

Die Familiensynode kann weitere Impulse liefern

Doch auch die kirchliche Verkündigung müsse sich ändern: So orientiere sich die Auslegung des Evangeliums bisher zu wenig am Leben der Zuhörer - ein Aspekt, der momentan auch auf der außerordentlichen Bischofssynode zum Thema Ehe und Familie diskutiert wird. Dass die Studie parallel zum kirchlichen Großereignis erscheint, sei aber Zufall, so Scholl. "Als wir die Studie geplant haben, war die Synode noch gar kein Thema."

Nichtsdestotrotz hoffe er auf positive Impulse: So sollte die Kirche beispielsweise stärker die Erfahrungen der kirchlichen Beratungsstellen in ihre Arbeit einfließen lassen, erklärt er. Außerdem müsse stärker auf das Angebot verwiesen werden: Im Bistum Würzburg, in dem die Geschäftsstelle des Bundesverbandes ihren Sitz hat, kämen nach Angaben Scholls nur rund fünf Prozent nach einem Hinweis eines Seelsorgers zur Beratung, zehn Prozent hingegen nach ärztlichen Hinweisen. Eine Tatsache, die sich ändern müsse, meint Scholl. Insgesamt werde das Angebot von katholischen Beratungsstellen aber gut nachgefragt. Die Kritik an der Kirche spiele bei der Wahl der Beratungsstelle erst einmal keine Rolle, berichtet Scholl.

Von Sophia Michalzik

Studientag der Ehe-, Familien- und Lebensberatung

Der Studientag des Bundesverbands Katholischer Ehe-, Familien- und Lebensberatung findet am 5. Februar 2015 in Köln statt. Dort sollen die genauen Ergebnisse der Studie vorgestellt werden. Außerdem hält der Pastoraltheologe Peter Kohlgraf von der Hochschule Mainz ein Referat zu möglichen pastoralen Kosequenzen der Ergebnisse. In Arbeitsgruppen kann außerdem zu den Ergebnissen der Studie diskutiert werden.

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