Verheißung, stärker als der Tod
Ich will keine Versprechen, die mir Menschen geben. Die sie dann wieder brechen. So sind Menschen eben. Diese Verse aus einem Lied von Xavier Naidoo treffen ganz gut die Stimmung, in der sich die beiden Jünger aus dem heutigen Tagesevangelium (Lk 24,13-35) befinden. Sie sind resigniert, niedergeschlagen, wollen einfach nur weg von Jerusalem, dem Ort, an dem ihre Hoffnung am Kreuz gestorben ist. Auf ihrem Weg unterhalten sie sich über all die Ereignisse der letzten Tage. Da tritt ein Fremder in ihre Mitte und stellt Fragen. Und so sind die beiden gezwungen, herauszutreten aus ihrer Trauer, die nur um sich selbst kreist, und sich dem Fremden zu öffnen. Sie beginnen, dem Fremden – es ist Jesus, den sie aber nicht erkennen und den sie für tot halten – alles zu erklären. Sie reden von ihrer Hoffnung und von gebrochenen Versprechen.
Und wie das so ist, wenn man sich auf dem Weg unterhält, kommen sie fast unbemerkt zum Ziel. Es ist dunkel geworden. Der Fremde will weitergehen, doch die beiden drängen ihn zu bleiben; sie laden ihn in ihr Haus ein. Und dort, beim gemeinsamen Brechen des Brotes, erkennen sie Jesus, weil er das tut, was er zeit seines Lebens oft getan hat: den Segen über Brot und Wein zu sprechen.
Voll Freude kehren die Jünger zurück und erzählen den anderen von ihrer Begegnung. Nun haben sie keine gebrochenen Versprechen mehr im Kopf, sondern eine Verheißung, die stärker ist als der Tod.
Auferstehung geschieht in der "Emmausgeschichte" nicht als Paukenschlag, sondern behutsam und ganz leise: wenn Menschen miteinander auf dem Weg sind, sich ihre Geschichten erzählen, alles von der Seele reden, wenn sie den Fremden in ihre Mitte aufnehmen und miteinander das Brot teilen. Auferstehung geschieht dann, wenn wir die Versprechen, die wir einander machen, nicht brechen, wenn wir Weggefährten sind füreinander.
Von Maurus Runge
Pater Maurus Runge ist Benediktiner aus der Abtei Königsmünster.
"Wir haben Gott nicht, er ist nicht einfach anwesend" - Wolfgang Thierse zum Ostermontag Pater Maurus zum Evangelium vom Ostermontag.
Gemeinsam mit Focus Online begleitet katholisch.de Politiker durch die Kar- und Ostertage. Auf Focus Online berichten sie, was die Feiertage für sie bedeuten. Auf katholisch.de deuten zwei Ordensleute die heiligen Tage: Schwester Elisa Kreutzer ist Franziskanerin aus dem Kloster Reute. Pater Maurus Runge ist Benediktiner aus der Abtei Königsmünster. Teil 1 der Serie vom Palmsonntag mit Texten von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) und Schwester Elisa Kreutzer können Sie hier nachlesen. Teil 2 der Serie vom Gründonnerstag mit Texten von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) und Pater Maurus Runge können Sie hier nachlesen. Teil 3 der Serie vom Karfreitag mit Texten von der Fraktionsvorsitzenden der Grünen-Bundestagsfraktion Katrin Göring-Eckardt und Pater Maurus Runge können Sie hier nachlesen. Teil 4 der Serie vom Karsamstag mit Texten von der ehemaligen Bundeswissenschaftsministerin Annette Schavan (CDU) und Schwester Elisa Kreutzer können Sie hier nachlesen. Teil 5 der Serie vom Ostersonntag mit Texten von Heiner Geißler (CDU) und Pater Maurus Runge können Sie hier nachlesen.