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Ein christlicher Flüchtling spricht über seine Erfahrungen im Asylheim

Viel Toleranz, wenig Unterstützung

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Eine Flüchtlingsunterkunft der Caritas in Dortmund.
Unna - Martin Chukwudi Ejiogu ist Katholik - und Flüchtling. Der Nigerianer äußert sich mit klaren Worten über die Kirche in Deutschland und das Zusammenleben von Muslimen und Christen in der Aufnahmestelle.

Frage: Herr Ejiogu, gehörten Sie und Ihre Familie auch schon in Nigeria dem christlichen Glauben an?

Ejiogu: Ja, meine Eltern und ich waren schon immer Katholiken. Wir sind regelmäßig in die Kirche gegangen. Das ist selbstverständlich für uns, denn von Montag bis Samstag soll der Mensch arbeiten und am Sonntag soll er das Gespräch mit Gott suchen. Zusätzlich habe ich oft auch morgens nach dem Aufstehen und manchmal auch nachts ein kurzes Gebet gesprochen.

Frage: Hat sich daran etwas verändert, seitdem Sie in Deutschland sind?

Ejiogu: Teilweise. An meinem Glauben hat sich nichts verändert. Ich bin überzeugter Christ und bete immer noch jeden Tag - aber nur alleine auf meinem Zimmer. In die Kirche kann ich hier leider nicht gehen. Wir sind alle fremd in Unna und keiner von uns weiß, wo sich in der Nähe eine katholische Kirche befindet.

Frage: Was würden Sie sich in diesem Zusammenhang von der Kirche in Deutschland wünschen?

Ejiogu: Ich würde mir wünschen, dass Menschen auf uns zukommen, die uns sagen, wo wir in die Kirche gehen können. Gerade am Sonntag. Zu Hause in Nigeria war ich jeden Sonntag in der Kirche. Aber hier bin ich ratlos und weiß nicht, wo ich hin kann. Das macht mich traurig.

Warum den Flüchtlingen in Unna die katholische Kirche vor Ort fehlt:

Seit 1963 konnten die katholischen Bewohner der Erstaufnahmestelle Massen, einer der größten im Bundesgebiet, die St. Hedwig-Kirche der Ortschaft besuchen. Der Pastoralverbund in Massen hielt dort heilige Messen ab und Pfarrer standen den Flüchtlingen zur Seite, wenn diese ihre Hilfe benötigten. Die seelsorgliche Begleitung vor Ort sollte den Menschen von Beginn an ein erstes Heimatgefühl in der neuen Umgebung vermitteln. 2014 wurde das Gotteshaus jedoch offiziell der koptisch-orthodoxen Gemeinde übergeben. Zwar befinden sich weitere katholische Kirchen in den umliegenden Städten Unna, Kamen und Massen, jedoch sind diese von der Erstaufnahmestelle nur mit dem Bus oder der Bahn zu erreichen. (cmb)

Frage: Haben Sie Vorschläge, wie man es christlichen Flüchtlingen besser ermöglichen könnte, ihren Glauben auch in Deutschland ausleben zu können?

Ejiogu: Vielleicht könnte die Kirche in Deutschland oder ein Pfarrgemeinde in der Umgebung ein Programm starten, bei dem Geistliche oder freiwillige Helfer der Kirche die Asylheime besuchen. Sie könnten uns bestimmt weiterhelfen. Ich habe meine eigene Bibel aus Nigeria mitgebracht, aber ich würde liebend gerne lernen, das Wort Gottes auf Deutsch lesen zu können. So könnte ich in Zukunft auch in Deutschland in die Kirche gehen.

Frage: In den Flüchtlingsheimen sind die Religionsgemeinschaften bunt gemischt. Wie nehmen Sie das Zusammenleben der unterschiedlichen Glaubensrichtungen in der oftmals beengten Atmosphäre des Heims wahr?

Ejiogu: In unserem Asylbewerberheim gibt es viele Muslime und Christen. Wie leben hier alle zusammen. Es gibt viele muslimische Flüchtlinge, die nach den gleichen Dingen streben wie ich: Eine neue Heimat und ein sicheres Umfeld. Für uns spielt die Religion Anderer keine Rolle. Es gibt auch diejenigen, die der Meinung sind, nur ihre Religion sei die einzig richtige. Sie mögen es nicht, wenn man die Bibel in ihrer Gegenwart aufschlägt oder nicht vollständig von Kleidern bedeckt ist. Trotzdem kann ich hier offen und ehrlich sagen, dass ich ein Christ bin. Niemand kann mich zwingen, an etwas anderes zu glauben. Ich fühle mich sicher in Deutschland und von meinem Glauben lasse ich mich durch nichts und niemanden abbringen.

Frage: Nach Ausfällen gegen christliche Asylbewerber hat es verschiedentlich die Forderung gegeben, Flüchtlinge nach Religionen getrennt unterzubringen. Was halten Sie von dieser Forderung?

Ejiogu: Warum sollte man das tun? Ich weiß, dass Christen und Muslime nicht überall auf der Welt friedlich zusammenleben und ich verstehe nicht, wofür oder wogegen manche Muslime kämpfen. Trotzdem unterscheide ich Menschen nicht abhängig von ihrer Religion. Das sollte niemand tun. Nach Religionen getrennte Unterkünfte könnten vielleicht den radikaleren Verfechtern des Islam gefallen. Einige von ihnen wären vielleicht froh über diese Aufteilung, weil sie ein Problem mit der Lebensform der Christen haben. Aber was machen sie dann, wenn sie einmal nicht mehr im Flüchtlingsheim leben? Dann müssen sie auch mit Christen zurechtkommen. Es gibt Menschen, die werden immer Probleme finden, wenn sie danach suchen. Eine getrennte Unterbringung wird daran nichts ändern.

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