Vom Wert geistigen Eigentums
Eine ganzseitige Anzeige in der Wochenzeitung DIE ZEIT, eine Unterschriftenaktion von Buchverlagen und Autoren zur Publikationsfreiheit– sie richten sich gegen ein geplantes Gesetz der Bundesregierung. Der Entwurf soll noch in diesem Monat verabschiedet werden. Er trägt den umständlichen Titel Urheberrechts-Wissensgesellschafts-Gesetz (UrhWissG).
Gewollt ist etwas grundsätzlich Gutes: Bildungsinhalte einer möglichst breiten Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Und die Rechtslage an das veränderte digitale Umfeld anzupassen. So sollen Bibliotheken in Zukunft Bücher nach Belieben einscannen und 15 Prozent davon kostenfrei abgeben können. Auch darf z.B. die Nationalbibliothek dann kostenlos und ohne Einverständnis der Eigentümer alle jemals veröffentlichten Zeitungstexte gratis anbieten. Die Nutzer wird es freuen. Zeitungsabos sind dann endgültig überflüssig.
Allerdings gehen dabei die Rechte der Urheber auf ihr geistiges Eigentum komplett verloren. Das Internet ist schon jetzt ein überwiegend rechtsfreier Raum, in dem Menschen Texte und Fotos hochladen, ohne das Copyright zu beachten. Wenn allen alles frei zugänglich ist, hat niemand Lust, für etwas zu bezahlen. Doch die Langzeitfolgen dieser Gratiskultur sind gefährlich. Denn wenn umgekehrt Menschen von ihren Artikeln und Büchern, von ihren wissenschaftlichen Arbeiten nicht mehr leben können, weil es auch keine Verlage mehr gibt, die ihr verlegerisches Risiko durch Mischfinanzierungen abfangen können, dann wird sich pluralistische Meinungsbildung bald nicht mehr rechnen. Was gedacht ist als Förderung von Information und Bildung könnte sich langfristig als eine Einschränkung der Meinungs- und Pressevielfalt erweisen.
Und was hat das mit Kirche und Christentum zu tun? Es geht um Respekt und den Wert menschlicher Arbeit. Das siebte Gebot lautet. Du sollst nicht stehlen. Auch kein geistiges Eigentum.
Der Standpunkt spiegelt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von katholisch.de wider.