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Erzbischof Ludwig Schick über Anstand und Moral in der Gesellschaft

Von schwarzen und weißen Schafen

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Der Präsident des FC Bayern München, Uli Hoeneß.
Bamberg - Üb' immer treu Treu und Redlichkeit" twitterte der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick dieser Tage, nachdem der Präsident des FC Bayern München und der CSU-Fraktionsvorsitzende im bayerischen Landtag mit Geldgeschichten von sich Reden gemacht hatten. Im Interview spricht Schick über Tugenden, die Führungspersönlichkeiten haben sollten.

Frage: Herr Erzbischof, was geht Ihnen neben ihrem Twitterbeitrag noch durch den Kopf, wenn Sie die Steuerangelegenheit von Uli Hoeneß und die Diskussion um den CSU-Politiker Georg Schmid verfolgen?

Schick: Da kommt mir das Jesu-Wort "Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet" in den Sinn und aus der Bergpredigt seine Ansage: "Geht durch das enge Tor. Denn das Tor ist weit, das ins Verderben führt. Das Tor, das zum Leben führt, ist eng." Grundsätzlich gilt, nicht die anderen richten, selbst Treu und Redlichkeit üben und sich anstrengen, ein Leben zu führen, das dem Wohl der anderen dient.

Frage: In der Debatte ist oft von Anstand und Moral die Rede. Sind das Kategorien, nach denen sich Führungskräfte bewerten lassen?

Schick: Anstand und Moral sind wichtig, aber als Bewertungskriterien für Führungskräfte zu allgemein. Führungskräfte müssen sich ohne Wenn und Aber an Recht und Gesetz halten; Schleichwege am Gesetz vorbei dürfen sie nicht gehen. Und sie müssen die Kardinaltugenden "Gerechtigkeit, Klugheit, Maß und Tapferkeit" leben. Bei allem, was sie tun, muss das "Gemeinwohl" Ziel sein, dafür ist Selbstlosigkeit gefordert. Führungskräfte müssen Vorbilder sein.

Frage: Immer mehr Menschen verlieren das Vertrauen in die Führungskräfte in Politik und Wirtschaft. Woran liegt das?

Schick: Es ist nicht gut, zu verallgemeinern, schwarzzusehen und dadurch Pessimismus zu verbreiten; Realismus und Optimismus sind der Boden für Entwicklung zum Besseren. Es gibt in Deutschland unter den Politikern und Wirtschaftsleuten nicht einige wenige weiße Schafe unter den ansonsten schwarzen. Das Gegenteil ist der Fall: Die Mehrzahl ist weiß. Die schwarzen muss man benennen, und es müssen Konsequenzen gezogen werden.

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick.

Frage: Und was halten Sie grundsätzlich für wichtig?

Schick: Unsere Gesellschaft muss sich erneut bewusst machen, nach welchen Maßstäben wir leben wollen. Ich sage, nach den christlichen des Evangeliums: nach den Zehn Geboten, der Goldenen Regel "Alles, was ihr von anderen erwartet, tut auch ihnen", nach dem Hauptgebot der Gottes- und der Nächstenliebe, das die Feindesliebe, Verzeihen und Neubeginn einschließt.

Frage: Papst Franziskus setzt bei Veränderungen auf mehr Kollegialität. Ein Modell auch für andere Führungskräfte?

Schick: Die Kollegialität, die Papst Franziskus derzeit in der Kirche stärkt, kann für alle Bereiche gelten. Kollegialität wurzelt in der "Brüderlichkeit" oder "Geschwisterlichkeit", die die Kirche im Umgang der Menschen miteinander auf allen Ebenen fordert. Wir sehen uns heute zu stark als Konkurrenten und zu wenig als Geschwister. Das schafft Neid und Missgunst, erzeugt Klassenkampf, Gruppen- und Rassenkonflikte. Die Brüderlichkeit muss wieder neu zum Nährboden unseres Miteinanders werden, die die Würde eines jeden Menschen anerkennt und die Menschenrechte für alle fördert.

Frage: Kann sich daran auch die Kirche in Deutschland ein Beispiel nehmen?

Schick: Was die Kirche predigt, muss sie selber leben. Wort und Tat müssen übereinstimmen, anderenfalls sind wir Christen nicht glaubwürdig. Die Kirche heute lebt Geschwisterlichkeit, aber sie bleibt auch immer hinter dem zurück, was sie als Ideal verkündet. Sie muss sich täglich neu auf allen Ebenen darum bemühen.

Das Interview führte Christian Wölfel (KNA)

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