Wahrt die Besonnenheit!
Der Amokschütze von München und seine schreckliche Tat fordern uns alle heraus. Wir müssen uns dazu verhalten, es nicht nur zur Kenntnis nehmen. Zuallererst stehen Solidarität und Mitgefühl mit den Opfern und den trauernden Angehörigen und Freunden. Aber das ist nicht genug. Ob Einzeltäter oder Zugehörigkeit zur Terrorszene: Angst und Panik sind schlechte Berater.
Wir dürfen uns nicht einschränken lassen in unserem alltäglichen Leben, in unserer öffentlichen Präsenz. Die Gefahr, in einen Verkehrsunfall verwickelt zu werden, ist viel größer als in einem Zug oder einem Einkaufszentrum in eine Schießerei verwickelt zu werden, und dennoch steigen wir jeden Morgen gedankenlos und vertrauensvoll in unser Auto. Wenn unser öffentliches Leben, Feiern und Miteinander beeinträchtigt wird durch allgegenwärtige Angst, ist es genau die Verunsicherung, die Terroristen erreichen wollen.
Trotzige Hoffnung reicht aber ebenfalls nicht aus. Es wäre naiv, nicht zu sehen, dass München und Würzburg viele gesellschaftliche Fragen aufwerfen. Wie kommen junge Menschen an Waffen? Wo ist das Umfeld, das Radikalisierung und Abdriften in gewaltverherrlichende Selbstmordgedanken erkennt und handelt? Wer erkennt, welch Geistes Kind eine Partei ist, die noch in der Mordnacht dazu aufruft, sie zu wählen und den Wahnsinn für ihre politischen Zwecke instrumentalisiert? Und was sagt es über unsere Kommunikation aus, wenn der Polizeisprecher in der besagten Nacht überwiegend damit beschäftigt ist, die ganzen Falschmeldungen im Netz zu dementieren und darum bitten muss, keine Fotos von Opfern oder Polizeieinsätzen zu verbreiten? Wenn an anderen Orten Panik ausbricht und Menschen verletzt werden, obwohl der Todesschütze kilometerweit entfernt agiert?
Die Medien vergrößern die Geschehnisse, Spekulationen und Nichtwissen verbreiten sich in Windeseile. Nach Köln gab es massive Vorwürfe, weil zu wenig oder zu spät berichtet wurde. Ein sachliches Mittelmaß wäre notwendig. Wahrt die Besonnenheit!
Der Standpunkt spiegelt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von katholisch.de wider.