Was ist Reichtum?
Er arbeite deshalb mit dem "Nationalen Wohlstandsindex für Deutschland" (NAWI-D), den er zusammen mit dem Sozialforschungs-Institut Ipsos entwickelt habe. Der Index enthalte auch ökologische, gesellschaftliche und individuelle Aspekte. Seit 2012 wurden bundesweit 20 000 Menschen ab 14 Jahren befragt.
Die SPD-Ministerin Nahles hatte am Montag vergangener Woche angekündigt, für den nächsten Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung vor allem den Reichtum zu durchleuchten.
Nicht nur Geld
"Die Frage nach dem Reichtum wird immer wieder reduziert auf eine Geldfrage", sagte Opaschowski. "Wir fragen dagegen die Menschen: Was verstehen Sie unter Wohlstand? Und was davon haben Sie für sich verwirklicht?" Alle drei Monate würden Menschen dazu befragt. Die Interviewten haben für die erste Frage 30 Antworten zur Auswahl. Die reichen vom materiellen Vermögen über die verfügbare Zeit bis zum Umweltbewusstsein. Es gehe um die Unterscheidung von Lebensstandard und Lebensqualität.
"Ganz ohne Geld geht zwar gar nichts", sagte Opaschowski. "Zusammen mit den gesellschaftlichen Werten - also etwa, dass wir hier in Freiheit leben können - spielen aber vor allem die individuellen Werte eine große Rolle. Das hat die Politik bisher verkannt." Die Politik habe den Menschen ihre Definition von Arm und Reich übergestülpt, sagte der Sozialforscher.
Zum Bruttoinlandsprodukt zählen auch Raketen und Panzer. Alles das steigert das Wohlstandsniveau der Deutschen, sagt aber nichts über das Wohlergehen der Menschen aus.
Zukunftsforscher Horst W. Opaschowski
"Man hat den Menschen einfach gesagt: So, Ihr seid arm." Mittlerweile hätten manche Politiker festgestellt, "dass allein mit dem BIP, also dem Brutto-Inlandsprodukt, nichts gesagt ist", sagte Opaschowski. "Zum BIP zählen auch Raketen, Drogen, Panzer, Zigarettenschmuggel. Alles das steigert das Wohlstandsniveau der Deutschen, sagt aber nichts über das Wohlergehen der Menschen aus."
Auch Beziehungsreichtum ist Reichtum
Künftig solle der Nationale Wohlstandsindex zum Beispiel auch mit Werten für einzelne Bundesländer veröffentlicht werden, sagte Opaschowski. "Hamburg und Bayern stehen ganz oben, nicht nur im Hinblick auf ihre finanzielle Situation, sondern auch gemessen an ihrer subjektiven Lebenslage."
Der frühere Professor für Erziehungswissenschaft an der Universität Hamburg betonte, Geldarmut könne durch Beziehungsreichtum ausgeglichen werden. Darum seien auch Rentner und Familien in der Spitze der Wohlstandseinschätzung überrepräsentiert. "Bei den Rentnern ist dafür besonders der "Zeitwohlstand" entscheidend. Und bei den Familien ist es der "Beziehungsreichtum".
Von Matthias Benirschke (dpa)
Was ist für Sie Reichtum?
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Der Hamburger Zukunftsforscher Horst W. Opaschowski entwickelte mit dem Sozialforschungsinstitut Ipsos den "Nationalen Wohlstandsindex für Deutschland". In den vergangenen drei Jahren wurden 20.000 Menschen befragt, was für sie Reichtum sei. 30 mögliche Antworten sind vorgegeben: 1) Ich kann mir meine materiellen Wünsche erfüllen. 2) Ich kann mir eine gute medizinische Versorgung leisten. 3) Ich kann für meine Zukunft finanziell vorsorgen 4) Ich habe ein sicheres Einkommen. 5) Ich habe gute Kontakte zu meiner Familie/meinen Verwandten. 6) Ich habe gute Freunde/soziale Kontakte. 7) Ich bin für andere da. 8) Ich bin frei in meinen Entscheidungen. 9) Ich habe keine finanziellen Sorgen. 10) Ich bin glücklich. 11) Ich kann machen, was ich will. 12) Ich besitze Eigentum (Haus/Wohnung/Auto). 13) Ich habe Zeit für mich. 14) Ich fühle mich gesund. 15) Ich lebe in Frieden mit meinen Mitmenschen. 16) Ich habe keine Angst vor der Zukunft. 17) Ich habe Kontakt zu Menschen, denen es gut geht. 18) Ich habe einen Beruf, der Sinn macht. 19) Ich lebe dort, wo ich es möchte. 20) Ich lebe in einem Land ohne Grenzen. 21) Ich komme mit Menschen aus anderen Kulturen zusammen. 22) Ich lebe in einer toleranten Welt. 23) Ich lebe in einer Gesellschaft, der das Thema Weiterbildung wichtig ist. 24) Ich kann meine Reisewünsche erfüllen. 25) Ich kann meine Meinung frei äußern. 26) Ich habe einen gesicherten Arbeitsplatz. 27) Ich lebe mit der Natur. 28) Ich lebe umweltbewusst. 29) Ich nutze erneuerbare Energien. 30) Ich lebe in einer Welt, die gut mit der Natur umgeht. (dpa)