Was sich an offenen Grenzen entscheidet
Kommt es wieder zu ständigen Kontrollen an den Grenzen innerhalb Europas? Der Chef der Deutschen Bahn, Rüdiger Grube, hat davor gewarnt, das Schengen-Abkommen außer Kraft zu setzen. Dann werde die Bahn in Zukunft Zugverbindungen ins Ausland einstellen. An einem Beispiel wie diesem wird offensichtlich, was derzeit auf dem Spiel steht.
Wie selbstverständlich ist es geworden, dass Grenzen innerhalb der Europäischen Union zwar noch mit Verkehrsschildern signalisiert werden, für Warentransporte, Berufspendler, Touristen und andere Reisende aber kein Hindernis mehr darstellen. Zu den Herausforderungen durch die gegenwärtigen Fluchtbewegungen gehört nicht zuletzt, dass diese Errungenschaften nicht aufs Spiel gesetzt werden dürfen, weil sie den gesamten europäischen Einigungsprozess umkehren könnten.
Alle Initiativen zum Zusammenwachsen Europas haben maßgeblich von christlichen Impulsen profitiert: Wo immer in der Geschichte nationale Grenzen zu sehr betont wurden, kam es oft genug zu gewalttätigen Auseinandersetzungen, die seit dem Zweiten Weltkrieg faktisch überwunden sind. Wenn auch mühsam, aber eben doch stetig hat man sich in Jahrzehnten wieder jenem Zustand angenähert, den es bereits im vermeintlich finsteren Mittelalter schon einmal gab: jener Freizügigkeit zwischen den verschiedenen Kulturlandschaften Europas, die es etwa erlaubt hat, ganz selbstverständlich an mehreren der auf dem Kontinent verstreuten Universitäten zu studieren.
Aufgrund der dort entwickelten Überlegungen kam es zur Überzeugung, dass Asylsuchende aus den Krisengebieten dieser Welt nicht an Europas Grenzen abgewiesen werden dürfen. Dafür muss jetzt auch innerhalb ihrer geworben werden, damit sich die viel beschworene Wertegemeinschaft nicht selbst demontiert. Dass man vor diesem Hintergrund gemeinsam versuchen muss, Einwanderung aus wirtschaftlichen Gründen besser zu steuern, versteht sich von selbst.
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