Wenn ein Platz leer bleibt
In einigen Familien bleibt an den Weihnachtstagen ein Platz am Tisch leer. Es ist gerade zu dieser Zeit besonders schmerzlich, wenn ein Kind, ein Elternteil oder andere Verwandte als vermisst gelten. Zwar muss nicht zwingend ein Verbrechen dahinter stecken, wenn ein Mensch aus seinem gewohnten Umfeld verschwindet. Der Verlust trifft die Angehörigen so oder so, auch wenn es vorher Streit gab.
Zahl der Vermissten gestiegen
2016 waren zuletzt rund 15 700 Menschen als vermisst gemeldet, wie das Bundeskriminalamt in Wiesbaden am Stichtag 1. Oktober registrierte. "In dieser Zahl sind sowohl Fälle enthalten, die sich innerhalb weniger Tage aufklären, als auch Vermisste, die bis zu 30 Jahre verschwunden sind", erklärte eine Sprecherin. Vor einem Jahr galten zum gleichen Stichtag rund 9.900 Menschen als vermisst.
Das Plus lässt sich unter anderem mit der gestiegenen Anzahl von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen in dieser Statistik erklären - es waren rund 9.000 Anfang Oktober 2016 (Oktober 2015: etwa 3.200). Dies muss nicht automatisch heißen, dass die jungen Flüchtlinge wirklich verschwunden sind: Vielfach sind die Kinder unterwegs zu Verwandten und verlassen eine Asylbewerberunterkunft, ohne sich abzumelden.
Täglich würden etwa 250 bis 300 Fahndungen neu erfasst und auch gelöscht, erklärte die BKA-Sprecherin. "Erfahrungsgemäß erledigen sich etwa 50 Prozent der Vermissten-Fälle innerhalb der ersten Woche", sagte sie. Binnen Monatsfrist liege die Erledigungsquote bereits bei mehr als acht von zehn Fällen. Nur rund drei Prozent der Menschen blieben länger als ein Jahr verschwunden.
Etwa die Hälfte aller Vermissten sind Kinder und Jugendliche, darunter viele Ausreißer. Nach Einschätzung der Experten gibt es dafür die unterschiedlichsten Gründe: Probleme in der Schule, mit den Eltern oder Liebeskummer. Bleibt ein Kind auf Dauer verschwunden, dann ist die Weihnachtszeit für die Eltern eine besondere emotionale Herausforderung, wie der Vorstand der Initiative "Vermisste Kinder", Lars Bruhns, erklärt. "Weihnachten ist neben seiner christlichen Bedeutung das Fest der Familie." Die Ungewissheit könne diese stille Zeit der Besinnung zum stets wiederkehrenden, traurigen Tiefpunkt des Jahres machen.
Traditionell feiern wir Weihnachten mit unserer Familie. Was aber wenn sich die familiären Strukturen ändern? Muss ich zu Weihnachten immer nach Hause fahren oder darf ich meiner Famile auch mal absagen?
Die Polizei erfährt meist von Angehörigen oder Bekannten, wenn ein Mensch gesucht wird. "Erwachsene, die im Vollbesitz ihrer geistigen und körperlichen Kräfte sind, haben das Recht, ihren Aufenthaltsort frei zu wählen, auch ohne diesen den Angehörigen oder Freunden mitzuteilen", stellte die BKA-Sprecherin klar. Bei Erwachsenen wird nur dann eine Fahndung eingeleitet, wenn es Hinweise darauf gibt, dass der Mensch in Gefahr sein könnte. Wird der Vermisste wohlbehalten gefunden, dann darf derjenige selbst entscheiden, was die Beamten den Verwandten mitteilen. Für die Polizei hat sich der Fall dann erledigt.
Verschwinden dagegen Minderjährige, dann geht die Polizei grundsätzlich von einer Gefahr für Leib oder Leben aus - es wird auf jeden Fall gesucht. Ob sofort eine Hundertschaft samt Hunden und ein Hubschrauber losgeschickt werden - das ist von der jeweiligen Situation abhängig, etwa, ob der Vermisste davon gesprochen hat, sich das Leben nehmen zu wollen.
Wie wollen wir Eltern sein? Wie organisieren wir die Betreuung und Erziehung der Kinder? Die katholische Familienpastoral hat eine Vielzahl von Ansatzpunkten.