Wenn Filme "an die Ränder gehen"
Gerade ist die 67. Berlinale zu Ende gegangen. Ein eher mittelmäßiger Film-Jahrgang beim politischsten der großen Filmfestivals sagen viele. Und doch hat es vermutlich wieder etwa 100.000 Menschen in die Kinos gezogen, alle Printmedien haben ausführlich berichtet und die Kultursender Sondersendezeiten eingeräumt.
Die Preisträger und mit ihnen alle anderen 400 frisch produzierten Filme erzählen Geschichten von Liebe und Mord, Leiden und Hoffnung aus aller Welt. Korea, Ungarn, Finnland, Chile, Rumänien und Japan waren mit ausgezeichneten Filmen besonders im Fokus. Soll man das schulterzuckend als Unterhaltung und Oberflächlichkeit abtun, wie es viele deutsche Multiplikatoren immer noch tun? Für sie ist der Spielfilm trotz mehr als 120 Jahren Geschichte ein später Abkömmling der Jahrmarkts- und Varieté-Sensationen geblieben, statt als "Siebte Kunst" wichtig genommen zu werden, die jährlich Millionen Menschen Unterhaltung, aber auch Deutung ihrer Innen- und Außenwelten anbietet.
Dass auch das Verhältnis der deutschen Kirchen zum Film mindestens ein gespaltenes ist, zeigt die Spannung zwischen dem ehrenamtlichen Engagement in vielen ökumenischen Festivaljuries, auch jetzt wieder auf der Berlinale, filmwissenschaftlichen und medienpädagogischen Aktivitäten einerseits und der stiefmütterlichen Behandlung des filmdienstes, der einzigen von der DBK finanzierten Film-Institution, und die in ihrer personellen und finanziellen Ausstattung bedrohte evangelische und katholische Filmarbeit andererseits.
Wenn die diesjährige Jury aber den kongolesischen Film "Maman Colonelle" über eine verwitwete Frau mit sieben Kindern auszeichnet mit der Begründung, er sei eine Hommage auf "eine Heldin unserer Zeit und zugleich ein Dokument zivilisatorischer Höchstleistung", dann wird sichtbar, wie sehr in heute genau 70 Jahren theologisch-ethischen Durcharbeitens dieses populären Mediums geschieht, was Zweites Vatikanum und Papst Franziskus kirchlichem Engagement als Kernaufgabe mitgegeben haben: "An die Ränder zu gehen" und zu realisieren, dass "Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi" sind.
Der Standpunkt spiegelt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von katholisch.de wider.