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Thomas Seiterich über den stillen Bund zwischen dem Vatikan und Berlin

Wer hält den Vatikan politisch im Spiel?

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Schachfigur
Bonn - Thomas Seiterich über den stillen Bund zwischen dem Vatikan und Berlin

Einen treuen Verbündeten im Haifischbecken der internationalen Politik hat der Heilige Stuhl – so nennt sich die völkerrechtliche Polit-Form der römischen Kirchenspitze. Dieser treue Verbündete ist eine prosperierende Mittelmacht, der Motor in EU-Europa, also die Bundesrepublik Deutschland. Dieser Bund ist lebendig, wenn ein CDU-Bundeskanzler wie Helmut Kohl oder eine CDU-Bundeskanzlerin wie Angela Merkel regiert.

Kohl unternahm in seinen Kanzlerjahren von 1982 bis 1998 Vieles, um den päpstlichen Mini-Staat politisch im internationalen Spiel zu halten. Kohl sorgte dafür, dass der Heilige Stuhl die Chance bekam, als Gründungsmitglied ab 1973 am Helsinki-Prozess, der "Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa" mitzuwirken. Das war für Rom die politische Steilvorlage des Jahrhunderts, eine Großchance, die der Vatikan entschlossen nutzte. Die Mitarbeiter von Papst Paul VI. bauten fortan erfolgreich am freiheitlichen Zerbröselwerk der Blockgegensätze mit. Den damaligen Ostblockstaaten wurden ihre Grenzen garantiert. Dafür machten sie Zugeständnisse bei den Menschenrechten. Wohin dieser Schleichweg in die Freiheit 1989 und 1990 führte, ist bekannt.

In der Gegenwart hält CDU-Bundeskanzlerin Angela Merkel Papst Franziskus und den Vatikan politisch im Spiel. Dieser Tage haben sie zum vierten Mal unter vier Augen miteinander gesprochen. Kein anderer Regierungschef hat Franziskus so häufig getroffen und ausführlichen Dialog gepflegt. Der Papst unterstützt ausdrücklich die deutsche Flüchtlingspolitik. Das bedeutet Rückendeckung in den Auseinandersetzungen der Kanzlerin mit mehr oder weniger "katholischen" EU-Staaten wie Polen, Ungarn oder der Slowakei, die einen harten Flüchtlings-Abwehrkurs fahren.

Es ist ein Geben und Nehmen. Für die vatikanischen Partner, die gut vernetzt sind und in den Vereinten Nationen einen speziellen Draht zu rund sieben Dutzend mehr oder weniger "katholischen" Staaten pflegen, ist es von Vorteil, sich in nahezu jedem Zweifelsfall auf die Bundesrepublik Deutschland verlassen zu können.

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