Wer kriegt was?
Laut einer Umfrage der "Bild am Sonntag" geht das Vertrauen der Deutschen in Sachen Organspende unterdessen weiter zurück. Demnach lehnen inzwischen rund 37 Prozent der Bundesbürger eine Organspende ab. Das entspreche einer Steigerung um drei Prozentpunkte im Vergleich zum August 2012.
In der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" kritisierte der Heidelberger Mediziner Gerhard Opelz, dass in Deutschland die Dringlichkeit bei der Zuteilung höher bewertet werde, als die Chance, dass ein Organ längerfristig im Patienten überlebe. So nehme die Zahl der alten Empfänger etwa bei der Verpflanzung von Nieren zu, weil Patienten aus dieser Gruppe meist als besonders gefährdet gelten.
Ehrliche Diskussion gefordert
"Natürlich dürfen wir nicht nur junge Patienten transplantieren", betonte Opelz. "Die Gesellschaft aber sollte ehrlicher darüber diskutieren, welchen Menschen sie angesichts der Knappheit der Organe helfen will und ob und wo man künftig eine Grenzen ziehen muss." Der Ärztliche Direktor der Abteilung Transplantations-Immunologie am Universitätsklinikum Heidelberg wertet seit Jahren Daten von rund 500 Transplantationszentren aus 43 Ländern aus. Deutschland schneide dabei unterdurchschnittlich ab.
Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie, Karl-Walter Jauch, beklagte in der "Süddeutschen Zeitung" (Samstag) einen zu hohen Konkurrenzdruck im Gesundheitswesen. In der Chirurgie würden viele Patienten "unnötigerweise operiert". Die Medizin müsse weg vom Kommerz kommen und mehr Verantwortlichkeit erlernen. Der Mediziner schloss sich zudem der Forderung von Patientenschützern an, die Zahl der Transplantationszentren in Deutschland auf die Hälfte zu reduzieren. In der Bundesrepublik gibt es derzeit 47 solcher Einrichtungen.
Der stellvertretende Vorsitzende der Unions-Bundestagsfraktion, Johannes Singhammer (CSU), sprach sich für ein gesetzliches Verbot von Bonusklauseln in Chefarztverträgen aus. Diese dürften nicht einen Teil des Gehalts an Operationszahlen binden, sagte Singhammer der "Süddeutschen Zeitung". Bonuszahlungen für Ärzte waren auch im Zusammenhang mit den Transplantationsskandalen in Göttingen, Regensburg und München in die Kritik geraten. Beteiligten Ärzten wird vorgeworfen, ihren Patienten einen schlechteren Gesundheitszustand bescheinigt zu haben, damit diese auf der Warteliste für Transplantationen weiter nach oben rutschten.
SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier verlangte in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "Superillu" schnellstmögliche Aufklärung der Vorwürfe und harte Strafen gegen diejenigen, "die Regeln gebrochen und missbraucht haben". Es gäbe sicher ganz unterschiedliche Motive für den Betrug der Ärzte. Aber Mediziner, die aus eigenem Gewinnstreben gegen bestehende Regeln verstoßen obwohl es um Leben und Tod gehe, hätten aus seiner Sicht das Recht verwirkt, als Arzt tätig sein zu dürfen. "Sie dürfen bei uns unter keinen Umständen mehr praktizieren."
Härtere Strafen gefordert
Laut Umfrage der "Bild am Sonntag" sprachen sich 87 Prozent der Deutschen für härtere Strafen bei Ärztekorruption aus. Der Vorsitzende des Verbandes der niedergelassenen Ärzte, Dirk Heinrich, verwies in dem Blatt jedoch auf die bestehenden Sanktionen: "Einem korrupten Arzt kann zum Beispiel die Zulassung entzogen werden. Das bedeutet ein Berufsverbot für den Arzt. Das trifft ihn an der empfindlichsten Stelle, denn er kann dann kein Geld mehr verdienen."
Am Leipziger Transplantationszentrum waren in der vergangenen Woche Unregelmäßigkeiten bei der Organspende aufgedeckt worden. Dort sollen potenzielle Empfänger fälschlich als Dialysepatienten ausgegeben worden sein, um deren Chancen auf eine Spenderleber zu erhöhen.