Wir müssen auch nicht jede Backe hinhalten
Das Gericht hat Recht gesprochen: Ein Hass-Post gegen Erzbischof Ludwig Schick ist zwar geschmacklos und unangemessen, aber deswegen noch kein Grund, den Autor strafrechtlich zu belangen. Ein gutes Urteil. Nicht nur, weil alle Urteile, die von einer freien und unabhängigen Justiz gefällt werden, grundsätzlich gut sind. Positiv ist auch, dass sich damit alle Beteiligten den Spielregeln eines Rechtsstaates beugen, der zuletzt gelitten hat. Der Freispruch eines Hetzers durch ein ordentliches Gericht ist allemal wertvoller als die undurchsichtige Zensur auf Grundlage eines Netzwerkdurchsuchungsgesetzes.
Auch abseits dieses rechtspolitischen Signals war das Bamberger Verfahren bedeutsam. Denn immer noch viel zu selten wehrt sich die Kirche gegen Unverschämtheiten, Beleidigungen und Drohungen. Erzbischof Schick hat es getan. Dabei war der Satz, den das Gericht zu verhandeln hatte, geradezu harmlos, dafür aber eindeutig. Für die schwereren, jedoch meist undifferenzierten Angriffe auf "die Kirche" fehlt hingegen eine allgemein verbindliche Handhabe.
Was sich sehr wohl benennen lässt, ist die Geisteshaltung der meisten Hetzer und Pöbler. Es sind Menschen, die weit aus dem vertretbaren politischen Spektrum nach rechts ausgeschert sind und dabei auch jede Diskursfähigkeit hinter sich gelassen haben. Die Kirche ist für sie wahrscheinlich oft nur ein Strohmann, auf den sie ihren Hass auf Andersdenkende, Andersglaubende, Andersabstammende oder Anderswählende projizieren können. Sie ist ein leichtes Ziel, solange sie ihrem Grundsatz der unbedingten Feindesliebe treu bleibt.
Deshalb ist es ein wohltuendes Signal, dass die Staatsanwaltschaft, mithin Teil der Exekutive, bis zuletzt auf eine Verurteilung des Angeklagten gepocht hatte. Eine schlechte Arbeit der exekutiven Gewalt ist schließlich einer der Hauptgründe für den massiven Unmut, der der Kirche entgegenschlägt. Die Forderung des Staatsanwalts ist damit mehr als ein Inschutznehmen des Geschädigten. Es ist ein Signal an die Kirche: Auch als Christen müssen wir nicht jede Backe hinhalten.
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