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Katholische Landjugendbewegung wird 70

"Wir wollen der AfD keine Plattform bieten"

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Ein Luftballon vor dem Stand der KLJB auf der Grünen Woche 2016 in Berlin.
Bonn - Seit 70 Jahren gibt es die Katholische Landjugendbewegung. Im Interview spricht Vorstand Stephan Barthelme über Kuriositäten bei der Gründung, Zukunftspläne des Verbandes und die aktuelle Politik in Deutschland und Europa.

Frage: In den kommenden Tagen findet die Bundesversammlung der KLJB statt. Mit welchen Themen befassen Sie sich?

Bundesvorsitzender Stephan Barthelme: Als Bundesvorstand haben wir einen Leitantrag vorbereitet. Wir bekommen mit, wie sich in Deutschland die Stimmung nach rechts verändert und sich Populisten immer mehr Gehör verschaffen. Als KLJB wollen wir ein klares Zeichen dagegen setzen und stattdessen unsere Vision eines geeinten Europas aufzeigen. Im Antrag sprechen wir uns ganz klar für ein offenes Europa aus, das heißt etwa auch uneingeschränkte Reisefreiheit statt neuer Grenzen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass Europa demokratischer werden muss. Es muss eine echte Gewaltenteilung geben: Das Parlament muss im Vergleich zu Rat und Kommission mehr Macht bekommen. Außerdem muss Europa gerechter werden. Gerade in den südlichen Ländern herrscht eine hohe Jugendarbeitslosigkeit. Da brauchen wir Jobprogramme, damit junge Menschen in Arbeit kommen.

Frage: Ihre Arbeit beschränkt sich also nicht nur auf Deutschland?

Barthelme: Wir sind als Landjugend sogar weltweit aktiv. In Europa ist es so, dass wir rund 12 Mitgliedsorganisationen in verschiedenen Ländern haben. Deshalb ist es uns ein Anliegen, dass wir über den Tellerrand in Deutschland hinaussehen und auch eine europäische Perspektive einnehmen.

Frage: Mit was beschäftigt sich die Bundesversammlung außerdem?

Barthelme: Wir haben einen großen Studienteil im Zusammenhang mit den Bundestagswahlen im September. Der trägt den Titel "Wie wollen wir leben?". Für unsere Delegierten haben wir fünf Bundestagsabgeordnete eingeladen, die in kurzen "Speeddating"-Runden Fragen beantworten werden. Das heißt: Punktgenaue Fragen und, auch wenn das für manche Politiker ungewohnt ist, punktgenaue Antworten.

Frage: Wie wurden die Parteien ausgewählt? Es sind ja nicht alle vertreten.

Barthelme: Wir haben uns bewusst dazu entschieden, nur Parteien einzuladen, die im Bundestag sind. Man könnte sich überlegen, die AfD einzuladen, die in den Umfragen momentan gut abschneidet. Aber wir als katholischer Jugendverband wollen der AfD keine Plattform für rechte Parolen bieten. Wir wollen uns mit ihnen auseinandersetzen, aber bei unseren Veranstaltungen wollen wir sie nicht dabei haben.

Frage: Wie wird die AfD dann Thema sein?

Barthelme: Vor dem Studientag werden wir eine Probewahl machen, so als ob am Sonntag tatsächlich gewählt werden würde. Da kann auch die AfD angekreuzt werden. Im Studienteil selbst wird die AfD sicher Thema sein, genauso wie Pegida und andere rechte Gruppierungen, die wir im Land und in Europa haben.

Frage: Entspricht das den generellen politischen Tendenzen der KLJB?

Barthelme: Was die Beschlüsse der letzten Jahre und unsere aktuellen Projekte angeht, sprechen wir uns als Verband für Integration und ein bundes Land aus. Wir wollen klare Kante gegen Extremismus zeigen. Generell ist zu sagen, dass wir in der letzten Zeit einige Projekte gerade in den Ortsgruppen mit Geflüchteten gestartet haben. Ich bin mir ziemlich sicher, dass von unseren Mitgliedern die wenigsten für Parteien wie die AfD aufgeschlossen sind.

Die KLJB bringt sich in die Politik ein, wie hier auf der Grünen Woche in Berlin (Stephan Berthelme ist Zweiter von links).

Frage: Im Zusammenhang mit der Bundesversammlung wird auch das 70. Jubiläum der KLJB gefeiert. Was ist in diesen Jahren passiert?

Barthelme: Allein die Gründungsgeschichte ist spannend. Eigentlich wurden wir zweimal gegründet, einmal in Bayern und einmal für das restliche Bundesgebiet. Wir haben uns erst in den 1950er Jahren vereinigt. Ursprünglich gab es auch eine Landjugend für Männer und für die Frauen, das ist aber relativ früh zusammengeführt worden. Spannend ist, dass viele Forderungen, mit denen sich unser Verband vor 20 oder 30 Jahren beschäftigt hat, zum Beispiel im Bereich der Regionalentwicklung, heute noch immer aktuell sind. Wir müssen als KLJB also weiterhin dranbleiben, unsere Ideen einzubringen.

Frage: Die KLJB ist einer der mitgliedsstärksten Verbände der katholischen Kirche. Wo gibt es so etwas wie Nachwuchsprobleme?

Barthelme: In den letzten Jahren waren unsere Mitgliederzahlen relativ konstant. Gerade wir in den ländlichen Raum merken aber, dass der demographische Wandel sichtbar wird. In den kommenden Jahren wird sich das auf die Mitgliedszahl auswirken. Aber durch die Gründung neuer Ortsgruppen, im Moment etwa im Erzbistum Hamburg, versuchen wir auch neue Mitglieder zu gewinnen.

Frage: Neben inhaltlichen Themen steht auch Ihre Wiederwahl als Bundesvorsitzender an. Was erhoffen Sie sich?

Barthelme: Natürlich wünsche ich mir, dass die Leute mit meiner bisherigen Arbeit zufrieden sind und mich wiederwählen. Die Wahl wird aber sicher auch ohne Gegenkandidaten spannend. Für die kommenden drei Jahre habe ich bereits Ideen, die ich gerne umsetzen möchte.

Frage: Welche?

Barthelme: Wir haben als KLJB gute Beschlüsse. Allerdings gelingt es uns nicht immer, diese gut in Richtung der Politik zu streuen. Mein Fokus wäre die politische Lobbyarbeit. Seit vergangenem Jahr haben wir ein Büro in Berlin. Dort würde ich gerne noch mehr  Menschen vernetzen, wie etwa bei einem Stammtisch mit ehemaligen KLJBlern, die jetzt im Bundestag sind.

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