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Zeitansage Inklusion

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Bundespräsident Joachim Gauck beim Evangelischen Kirchentag in Hamburg.
Der Renner war die Inklusion. Die Frage nach der Einbeziehung von Behinderten in alle Lebensbereiche hat der Evangelische Kirchentag in Hamburg, der am Sonntag mit einem Gottesdienst zu Ende geht, in besonderer und prominenter Weise debattiert und in die Öffentlichkeit gebracht.

Höhepunkt war die vom ZDF übertragene Diskussion zwischen Bundespräsident Joachim Gauck, dem gelähmten Wetten-Dass-Kandidaten Samuel Koch und dem Paralympics-Sieger Rainer Schmidt.

Zufriedene Organisatoren

Mit dem Bundespräsidenten, der sich für einen stärkeren Ausbau der Inklusion aussprach, gelang es dem Hamburger Christentreffen, das zu sein, was evangelische Kirchentage seit Jahrzehnten sein wollen, eine "Zeitansage". Dementsprechend zufrieden zeigten sich die Organisatoren bei der Abschlusspressekonferenz. Kirchentagspräsident Gerhard Robbers erklärte erfreut, von dem Kirchentag seien «Botschaften» ausgegangen.

Tatsächlich jedoch lassen sich einige Auftritte der Politiker auf dem Hamburger Kirchentag auch in der Rubrik Event eingruppieren. An politischer Prominenz war zumindest kein Mangel. Der Fraktionsvorsitzende der Bundestagsfraktion, Frank-Walter Steinmeier, sowie zahlreiche Bundesminister und die grüne Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt traten in Hamburg auf.

Die Bundeskanzlerin als Ereignis

Allen voran wurde Angela Merkel begeistert bejubelt, als sie in einer Messehalle mit der Leiterin des UN-Entwicklungsprogramms, Helen Clarke, debattierte. Vor den auf Papphockern sitzenden Kirchentagsbesuchern plädierte die Bundeskanzlerin für Nachhaltigkeit, forderte eine effizientere Entwicklungshilfe und warnt vor einer Welt, "die auf Kosten der Zukunft lebt." Es gab Applaus. Dass es bei den Themen Energiewende, Entwicklungshilfe und Nachhaltigkeit in großen Teilen der kirchlichen Aktivitas durchaus andere Positionen gibt, als sie Merkel im politischen Alltag vertritt, störte die Kirchentagsbesucher nicht. "Merkel gucken" ist unter Deutschlands Protestanten, spätestens seit dem umjubelten Auftritt auf dem Kirchentag 2009 in Bremen, beliebt.

Ähnlich umlagert war diesmal auch die Veranstaltung mit dem Herausforderer, SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück. Nur wollte der Funke beim Publikum in der Hamburger Hauptkirche St. Michaelis nicht so recht überspringen. Als er eine stärkere Bankenregulierung und eine intensivere Bankenaufsicht fordert, hält sich das Kirchentagspublikum zurück. Steinbrück bringt einmal seine Zuhörer zum Lachen, hält sich aber sonst mit provokanten Aussagen zurück. Der Kirchentag hat da seine eigenen Gesetze.

Von Benjamin Lassiwe (KNA)

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