Gedenken statt Grusel - Anregungen für den Abend vor Allerheiligen
Kürbisse, Spinnennetze und Spinnen. Süßes oder Saures. Diese Attribute kann man seit einigen Jahren und Jahrzehnten immer stärker mit dem Oktober in Verbindung bringen: Ab September sind die Geschäfte voll mit Dekorationsideen in Orange und Schwarz. Und wenn Kinder in der Nachbarschaft wohnen, kann es sein, dass sie am 31. Oktober gruselig verkleidet vor der Tür stehen und Süßigkeiten verlangen.
Halloween scheint allgegenwärtig zu sein und ist eine neue Gelegenheit für die Geschäftswelt, um Geld zu verdienen. Kein Wunder also, dass manche Menschen dieses Treiben, das aus den USA nach Deutschland geschwappt ist, eher argwöhnisch betrachten und nicht viel davon halten.
Dabei hat Halloween seinen Ursprung im "All Hallows' Eve", dem Abend vor Allerheiligen am 1. November. Besonders im katholischen Irland gab es an diesem Abend viele Bräuche und Traditionen, die dann von irischen Einwanderern in die USA mitgenommen. In Erinnerung an die Heimat wurde sie weiter ausgebaut.
Verschmelzende Traditionen
In den 1980er und 1990er Jahren fanden dann diese, inzwischen stark kommerzialisierten Bräuche schließlich ihren Weg zurück nach Europa und damit auch nach Deutschland. Hier trafen sie sozusagen auf fruchtbaren Boden: Denn zu dieser Zeit des Jahres werden in verschiedenen Regionen bereits ähnliche Feste und Bräuche begangen werden.
Dazu zählen etwa das Rübengeistern in Süddeutschland und das Traulicht in der Eifel ebenso wie das Martinssingen im Rheinland - mit Halloween verschmilzt nun alles miteinander oder wird überlagert. Man kann bedauern, wenn alte Bräuche von geschickter vermarkteten Anlässen überschattet werden. Gleichzeitig kann man die Gelegenheit nutzen - und alte Bräuche stärken, aber auch einen Blick auf die Herkunft des Neuen werfen.
Schon Halloween, den Vorabend zu Allerheiligen, kann man mit denjenigen verbringen, die vor uns lebten und die uns Gott in bestimmter Weise näherbringen - den Heiligen, die katholische Christinnen und Christen am 1. November in besonderer Weise in den Blick nehmen. Hier finden auch diejenigen ihren Platz, die im Jahreslauf vielleicht eher untergehen und deren Gedenktag nicht besonders gefeiert wird. Halloween wäre ein guter Anlass, diese weniger beachteten Glaubenspersönlichkeiten in den Blick zu nehmen.
Wer sind die eher unbekannten Heiligen, die nicht jeder kennt? Was haben sie uns heute zu sagen? So kann dieser Abend zur Gelegenheit werden, um sich gegenseitig die Geschichten verschiedener Heiliger zu erzählen, zum Beispiel im Familienkreis. Dabei kann man entdecken, dass auch die Heiligen nicht immer "heilig" waren, sondern oftmals mit ähnlichen Herausforderungen zu kämpfen hatten wie jeder heute lebende Mensch.
Man kann auch entdecken, dass sie sich von Gott rufen und in den Dienst nehmen ließen, manchmal ganz unscheinbar und im Verborgenen. Und man kann an ihnen entdecken, dass sie Gott auf ihre ganz eigene Art in ganz besonderer Weise sichtbar machten.
Erinnern an Verstorbene
Das kann auch für uns heute eine Inspiration sein und zum Nachdenken über die Menschen führen, an die wir am 2. November denken, nämlich an unsere Verstorbenen. Auch von ihnen können wir einander erzählen - von ihren Herausforderungen und Liebenswürdigkeiten, ihren Eigenheiten und großen Taten und von all dem, was sie besonders gemacht hat.
Auch wenn man das Fest Halloween mit seinem Spektakel nicht besonders mag, kann es also eine Gelegenheit sein, einmal innezuhalten und einen Abend in besonderer Weise zu gestalten - eben nicht als gruselige Party, sondern als Erinnerungsabend. Dafür braucht es nicht viel Deko, sondern vielleicht ein Fotoalbum und gute Erinnerungen. Denn wer auch immer diese Menschen waren - heiliggesprochen oder nicht, berühmt oder eher unbekannt - sie prägen unser Leben und unseren Glauben. Deshalb sind sie es wert, dass wir an sie denken.