20. Oktober
Je weniger historische Fakten aus dem Leben der Heiligen überliefert sind, desto bunter sind häufig die sie umgebenden Legenden – so auch bei Wendelin von Tholey (6. Jahrhundert). In der ausgehenden Völkerwanderungszeit baute der Trierer Bischof Magnerich nachweislich auf Einsiedler, um das Umland seines Amtssitzes zu missionieren. Wahrscheinlich zählte Wendelin zu eben jenen Glaubensboten, die daraufhin pastoral im ländlichen Gebiet des heutigen Saarlands tätig waren. Das ist zugegebenermaßen etwas dünn, doch zum Glück weiß der Volksglaube mehr Details zu berichten: Der Tradition nach war Wendelin ein iro-schottischer Königssohn, der sich für ein asketisches Leben entschlossen hatte und als Bettelmönch durch Mitteleuropa zog. Eines Tages verweigerte ihm ein reicher Gutsherr nicht nur eine Spende, sondern fuhr Wendelin wütend an, er solle sich doch Arbeit suchen. Wendelin nahm die Beleidigung demütig entgegen und stellte sich als Hirt in den Dienst des Gutsherrn. Zum Glück für seinen neuen Dienstherrn kannte sich Wendelin mit Heilkunde aus und hatte ein besonderes Talent für die Viehzucht. Alles lief bestens – bis Wendelin die Herde einmal zu weit vom Hof wegtrieb. Ausgerechnet an diesem Tag wollte der Gutsherr einen erfolgreichen Feldzug groß feiern. Die zum Verzehr bestimmten Tiere jetzt noch rechtzeitig zurückzubringen schien ausgeschlossen. Außer sich vor Zorn ließ er Wendelin mit der Herde stehen und ritt davon. Doch als der Gutsherr seinen Hof erreichte, wartete Wendelin mitsamt den Tieren dort schon auf ihn. Erst da erkannte der erschrockene Gutsherr, dass es sich bei seinem Hirten um einen heiligen Gottesmann handelte und baute ihm eine Einsiedelei. Dort lebte Wendelin ein zurückgezogenes Leben und stand den ratsuchenden Landbewohnern hilfsbereit zur Seite, bis ihn die Mönche von Tholey zu ihrem Abt wählten. Aus Wendelins kleiner Einsiedelei entwickelte sich mit der Zeit eine ganze Stadt: das nach ihm benannte St. Wendel.
Hl. Wendelin teilt den 20. Oktober mit:
Hl. Irene von Portugal (Irina, Ira, Irenaea, Eyria, Iria)
Irene von Portugal wurde von einem abgewiesenen Liebhaber, der ihr Gewalt antun wollte, getötet. + 653
Jakob Kern
Jakob Kern, 1897 als Franz Alexander Kern in Wien geboren, hatte schon als Kind den sehnlichsten Wunsch, Priester zu werden. Er besuchte schließlich das Knabenseminar in Hollabrunn (Niederösterreich), musste aber 1915, er war jetzt 18 Jahre alt, in den Weltkrieg einrücken. 1916 wurde er so schwer verwundet, dass er nicht mehr an die Front zurückkehren konnte und daher 1917 wieder in das Priesterseminar eintreten durfte. Die Kriegsverletzung aber sollte nie mehr ausheilen. Nach dem Ende des Krieges trat der junge Geistliche in das Prämonstratenserstift Geras im Waldviertel ein und wirkte voller Hingabe als Seelsorger seiner Pfarre. Doch dann brach die Kriegsverletzung wieder auf, er kränkelte ständig und erlitt große Schmerzen. Alle Leiden ertrug er mit einer bewundernswerten Geduld und opferte sie Gott auf. Am 20. Oktober 1924, an dem Tag, an dem Bruder Jakob, wie er jetzt im Kloster hieß, seine Ordensgelübde hätte ablegen sollen, schloss er für immer die Augen.
Maria Bertilla Boscardin (Annina, Nina)
Maria Bertilla Boscardin wurde 1888 als Anna Franziska Boscardin in einem Dorf nahe Vicenza (Venetien) als Tochter einer sehr armen Kleinhäuslerfamilie geboren. Mit 17 Jahren wurde sie Dorotheer-Schwester und nahm einen neuen Namen an. Während des Ersten Weltkrieges pflegte sie in den Lazaretten mit unvorstellbarer Geduld und Aufopferungsbereitschaft Schwerverwundete und Sterbende, obwohl sie selbst schwer leidend war. Alles opferte sie Jesus auf, in dessen Hände sie ihr Schicksal legte. + 20.10.1922
Vitalis von Salzburg (Vital)
Vitalis, Gefährte und erster Nachfolger des Bistumsgründers Rupert als Bischof von Salzburg, war, besonders im Pinzgau, erfolgreich als Glaubensbote tätig. + 20.10. um das Jahr 730.