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Kaplan Christian Olding über das heutige Sonntagsevangelium

Angst ist nicht die Antwort

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Eine offene Bibel mit zwei Lesebändchen liegt aus.
Bonn - Jeder hat etwas, worüber er besser nicht spricht. Doch genau in dieses Dunkel möchte Jesus treten - und Licht bringen, glaubt Kaplan Christian Olding. Das heutige Sonntagsevangelium soll dabei helfen.

Impuls von Kaplan Christian Olding

Feige ist er schon mal nicht, dieser Jesus. Galiläa, das war ein Landstrich voller Gegensätze, war wirklich ein finsterer Winkel. Kein Volk gab es, das dort nicht seine Spuren hinterlassen hatte. Das hügelige Bergland war auch ein beliebtes Versteck für Terroristen. Dahin also zieht es diesen Jesus. Er marschiert unbeirrt rein in die Dunkelheiten, Verworrenheiten und Ausweglosigkeiten dieses Lebens.

Gerade da zieht es ihn auch heute noch hin. Fast jeder hat doch irgend so ein Galiläa in seinem Leben. Etwa einen Raum im Keller, in dem er treiben kann, was er will. Wo er das tun kann, was Jesus nichts anzugehen hat. Das Loch mit den hübsch drapierten Schächtelchen, die allesamt ein Vorhängeschloss tragen, weil in ihnen die alten Geschichten von früher schlummern. Die Dinge, die mich an meine Vergangenheit erinnern. Sie gehen Jesus doch nichts an.

Jeder von uns hat so ein dunkles Plätzchen in seinem Leben, in dem er versteckt, worüber man besser nicht spricht oder wo er tut, was er selbst für richtig hält. Aber gerade dorthin will Jesus kommen, wo es bei mir am dunkelsten ist. Licht an, heißt es da!

Wenn das Licht dann einmal brennt, kann man auch gleich Ordnung schaffen. Ohne Loslassen von liebgewordenen Gewohnheiten und Einstellungen wird dies kaum gelingen. Damit Gott wirklich einen Platz in meinem Leben haben kann, muss ich selbst erst einmal Platz schaffen. Wie das funktionieren kann, dafür hält das heutige Evangelium einen guten Rat bereit, als Jesus die Fischerbrüder Andreas und Petrus berief: "Sofort ließen sie ihre Netze liegen..."

Denkt um: Nicht Angst ist die Antwort auf Liebe, sondern Vertrauen! Nicht Enge ist die angemessene Haltung, sondern Weite und Freiheit! Nicht Leistung ist die richtige Reaktion, sondern Dankbarkeit und Freude und Weitergabe seiner Liebe!

Noch etwas Anderes: Jesus geht nach Galiläa. Jerusalem lässt er links liegen. Ausgerechnet das Land Juda, aus dem der Erlöser kommen soll, interessiert ihn nicht. Warum? Eben darum. Es ist dort nicht finster genug. Sie versuchen, sich das Leben hell zu machen durch die Funzeln ihrer Selbstgerechtigkeit. Sie haben doch einiges aufzuzählen: Wir besuchen regelmäßig den Gottesdienst. Wir tun unserem Nachbarn nichts Böses. Wir erledigen zuverlässig unseren Job und bemühen uns, eine gute Ehe zu führen. Die Leuchtreklame der eigenen Taten und Vorstellungen lenken ab von dem Licht, das Jesus bringen will.

Aus dem Evangelium nach Matthäus (Mt 4, 12-23)

Als Jesus hörte, dass man Johannes ins Gefängnis geworfen hatte, zog er sich nach Galiläa zurück. Er verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, das am See liegt, im Gebiet von Sebulon und Naftali.

Denn es sollte sich erfüllen, was durch den Propheten Jesaja gesagt worden ist: Das Land Sebulon und das Land Naftali, die Straße am Meer, das Gebiet jenseits des Jordan, das heidnische Galiläa: das Volk, das im Dunkel lebte, hat ein helles Licht gesehen; denen, die im Schattenreich des Todes wohnten, ist ein Licht erschienen.

Von da an begann Jesus zu verkünden: Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe. Als Jesus am See von Galiläa entlangging, sah er zwei Brüder, Simon, genannt Petrus, und seinen Bruder Andreas; sie warfen ihre Netze in den See, denn sie waren Fischer.

Da sagte er zu ihnen: Kommt her, folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen. Sofort ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm.

Als er weiterging, sah er zwei andere Brüder, Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und seinen Bruder Johannes; sie waren mit ihrem Vater Zebedäus im Boot und richteten ihre Netze her. Er rief sie, und sogleich verließen sie das Boot und ihren Vater und folgten Jesus.

Er zog in ganz Galiläa umher, lehrte in den Synagogen, verkündete das Evangelium vom Reich und heilte im Volk alle Krankheiten und Leiden.

Ausgelegt!

Katholisch.de nimmt den Sonntag stärker in den Blick: Um sich auf die Messe vorzubereiten oder zur Nachbereitung bieten wir jeden Sonntag den jeweiligen Evangelientext und einen kurzen Impuls an. Die Impulse stammen von Ordensleuten und Priestern.

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