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Carina Adams über das Sonntagsevangelium

Was will Gott von mir?

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Kuppelgewölbe mit Heiligen und Engeln
Bonn - Jesus steigt auf einen Berg und lehrt die Menschen. Im Sonntagsevangelium zu Allerheiligen findet Carina Adams eine überraschende Botschaft in den Seligpreisungen.

Was will Gott von mir? Nach fünf Jahren Theologiestudium kann ich einige Fragen zum Glauben und zur Kirche beantworten. Und trotzdem kann ich niemand anderem diese Fragen beantworten. Ich tue mich schon extrem schwer damit, sie mir selbst zu beantworten. Das heutige Evangelium zu Allerheiligen erinnert mich daran, dass die Lösung meines Problems keine weiteren fünf Jahren Studium benötigt.

Jesus steigt auf einen Berg und lehrt die Menschen. Er hat keine Wörterbücher oder Textmarker dabei. Und was er sagt, ist ja auch heute so bekannt, weil es das alles nicht braucht. Es ist einfach zu verstehen.

Selig die Sanftmütigen. Selig, die Frieden stiften. Das braucht keinen Schulabschluss, keine Analyse, keine Auslegung. Die Schwierigkeit liegt darin, dass es so radikal nicht dem entspricht, was unsere Gesellschaft, unsere Umwelt und oft auch unsere Instinkte wollen. Sanftmut ist uncool. Frieden stiften fühlt sich unmöglich an, wenn ich wütend bin.

Die gigantische Herausforderung von Jesu Lehre auf dem Berg der Seligpreisungen liegt – mal wieder – nicht darin, zu verstehen, sondern zu handeln. Und manchmal glaube ich, ist genau das der Unterschied zwischen mir und den ganzen Menschen, die sich in unserer Heiligendatenbank befinden.

Heute ist Allerheiligen, der Feiertag für alle Heiligen, bekannt oder unbekannt. Und während ich ihre Profile durchklicke, lese ich von so vielen, die spontan und manchmal scheinbar unvernünftig gehandelt haben. Klar, wer weiß schon, wie lange sie vorher überlegt haben, ob sie wirklich auf ihren Reichtum verzichten wollen. Oder ob sie vor der ewigen Profess noch einmal gezögert haben.

Aber bis auf einige herausragende Theologen und Mystiker, bleibt es doch dabei, dass die meisten von ihnen gehandelt haben. Sie haben nicht die Seligpreisungen ausdiskutiert, sondern sie gelebt. Sie haben nicht gesagt: "Selig die Sanftmütigen!" Sie haben verzichtet und umsorgt. Sie haben nicht gesagt: "Selig, die Frieden stiften!" Sie haben gegen Unrecht protestiert und nicht selten ihr Leben geopfert.

Deshalb passen die Seligpreisungen zu Allerheiligen. Wir gedenken nicht nur all der Heiligen, die Großes geleistet haben. Wenn ich die Seligpreisungen lese, wird mir auch die Ausrede genommen, dass diese Heiligen all das geleistet haben, weil sie so viel klüger, weiser und verständiger als ich waren.

Das waren sie vermutlich auch. Ich werde es sicherlich auch nie so gut hinbekommen wie sie. Aber wenn ich heute an alle diese Heiligen, Seligen und alle unbekannten Heiligen denke, dann habe ich das Gefühl, dass sie mir bei meinem ganzen Herumgedenke zurufen: Du weißt doch, was zu tun ist. Tu es!

Aus dem Evangelium nach Matthäus (Mt 5, 1–12a)

In jener Zeit, als Jesus die vielen Menschen sah, die ihm folgten, stieg er auf den Berg. Er setzte sich und seine Jünger traten zu ihm. Und er öffnete seinen Mund, er lehrte sie und sprach:

Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich.

Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden.

Selig die Sanftmütigen; denn sie werden das Land erben.

Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden gesättigt werden.

Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden.

Selig, die rein sind im Herzen; denn sie werden Gott schauen.

Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Kinder Gottes genannt werden.

Selig, die verfolgt werden um der Gerechtigkeit willen; denn ihnen gehört das Himmelreich.

Selig seid ihr, wenn man euch schmäht und verfolgt und alles Böse über euch redet um meinetwillen. Freut euch und jubelt: Denn euer Lohn wird groß sein im Himmel.

Die Autorin

Carina Adams ist Theologin und Social-Media-Redakteurin bei katholisch.de.

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