Ausgeschlafene, hellwache Christen sind gefragt
Kein sanftes Hineingleiten in den Schimmer der ersten Kerze!
Das Evangelium gleicht einem schrillen Weckruf, der mich grob aus meinem Alltags-Dösen reißt. Jesus ist knallhart. In bedrohlichen Bildern zeigt er, was geschehen wird, wenn die Welt einer gott-losen Logik folgt. Schlimmer - es ist schon unserer Realität: Die Welt brennt an allen Ecken, jemand wie Trump wird der mächtigste Mann darin, die Populisten sind in Europa auf dem Vormarsch, und die Globale Erwärmung wird selbst in unseren Breiten messbar und erlebbar.
Was tun? Das Evangelium schickt mich nicht zum Beten ins stille Kämmerlein, nicht in die Frömmler-Ecke; es will mich hellwach, als aufgeweckte und aufgeschreckte Zeitgenossin, die lernwillig wahrnimmt, was los ist und Schlüsse daraus ziehen kann. Vor allem diesen einen Schluss: Nicht irgendetwas ist im Kommen, sondern Gott, der Herr der Geschichte und unseres Lebens kommt in aller Wirklichkeit auf uns zu.
Das Evangelium drängt: Seht, lernt, wisst und immer wieder seid wach. Ich soll mit geschärfter Wahrnehmung meine Wirklichkeit lesen lernen, denn das Große spiegelt sich in meinem Kleinen, und in meinem ganz konkreten Alltag beginnt das Kommen des Herrn: Auf dem Feld, an der Mühle, im eigenen Haus - im Büro, in der Werkstatt, bei mir zuhause...
Abends - manchmal erst auf der Bettkante - scanne ich noch einmal den Tag ab und suche aufmerksam nach den Zeichen Gottes. Erstaunlich, was sich da finden lässt: Ein Naturerlebnis, das mir schier den Atem nimmt; ein von innen schöner Mensch, dem ich begegnen darf; jemand, der vor meinen Augen zu mehr Freiheit und Liebesfähigkeit wächst...
Und wenn ich wirklich hellwach bin, zeigt sich Gottes Kommen immer wieder als seine Frage an mich: Ob ich diesem Menschen eine dicke Portion Ansehen schenken möchte, jenem ein Beziehungsangebot machen will, ob ich dort beispringen oder mich da richtig engagieren sollte...
Die Weihnachtsgeschichten, die wir bald wieder hören, sind voll solcher Entdeckungen in denen Gottes Kommen mitten im Normalen identifiziert wird. Dass Josef jenes schwangere Mädchen als Ruf Gottes erkennt; oder dass die Weisen bei dem ärmlichen Säugling obdachloser Eltern unter die Oberfläche zu schauen vermögen und Gegenwart Gottes erkennen, braucht schon jede Menge Sensibilität und Aufmerksamkeit.
Halte Dich bereit! Denn der Herr kommt, gilt mir. Ich bin eingeladen zur Ritze [Silja Walter]zu werden, durch die Gottes Kommen hier und heute real wird. Denn durch mein Herz kommt Gott zum Menschen - Advent.
Evangelium nach Matthäus (Mt 24,29-44)
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
Sofort nach den Tagen der großen Not wird sich die Sonne verfinstern, und der Mond wird nicht mehr scheinen; die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden.
Danach wird das Zeichen des Menschensohnes am Himmel erscheinen; dann werden alle Völker der Erde jammern und klagen, und sie werden den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit auf den Wolken des Himmels kommen sehen.
Er wird seine Engel unter lautem Posaunenschall aussenden, und sie werden die von ihm Auserwählten aus allen vier Windrichtungen zusammenführen, von einem Ende des Himmels bis zum andern.
Lernt etwas aus dem Vergleich mit dem Feigenbaum! Sobald seine Zweige saftig werden und Blätter treiben, wisst ihr, dass der Sommer nahe ist. Genauso sollt ihr erkennen, wenn ihr das alles seht, dass das Ende vor der Tür steht.
Amen, ich sage euch: Diese Generation wird nicht vergehen, bis das alles eintrifft. Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen. Doch jenen Tag und jene Stunde kennt niemand, auch nicht die Engel im Himmel, nicht einmal der Sohn, sondern nur der Vater.
Denn wie es in den Tagen des Noach war, so wird es bei der Ankunft des Menschensohnes sein. Wie die Menschen in den Tagen vor der Flut aßen und tranken und heirateten, bis zu dem Tag, an dem Noach in die Arche ging, und nichts ahnten, bis die Flut hereinbrach und alle wegraffte, so wird es auch bei der Ankunft des Menschensohnes sein.
Dann wird von zwei Männern, die auf dem Feld arbeiten, einer mitgenommen und einer zurückgelassen. Und von zwei Frauen, die mit derselben Mühle mahlen, wird eine mitgenommen und eine zurückgelassen.
Seid also wachsam! Denn ihr wisst nicht, an welchem Tag euer Herr kommt.
Bedenkt: Wenn der Herr des Hauses wüsste, zu welcher Stunde in der Nacht der Dieb kommt, würde er wach bleiben und nicht zulassen, dass man in sein Haus einbricht. Darum haltet auch ihr euch bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet.
Katholisch.de nimmt den Sonntag stärker in den Blick: Um sich auf die Messe vorzubereiten oder zur Nachbereitung bieten wir jeden Sonntag den jeweiligen Evangelientext und einen kurzen Impuls an. Die Impulse stammen von Ordensleuten und Priestern.