Klare Analyse und entschlossenes Handeln
Impuls von Schwester Charis Doepgen
Von korrupten Verwaltern hören und lesen wir in den Medien viel zu oft. Nun treffen wir auch noch im Evangelium so einen Typ, der mit fremdem Eigentum zum eigenen Nutzen betrügerisch umgeht. Jesus mutet seinen Zuhörern mal wieder einiges zu. Mit dem Befremden anständiger Leute verfolgen wir die Tricks des Verwalters und halten die Luft an, wenn es heißt "der Herr lobte die Klugheit des …" – und dann kommt das befreiende Wort – "ungerechten Verwalters". Ja, da geschieht Unrecht und das wird auch so genannt. Und doch steckt in dieser Geschichte etwas Richtiges, ein Lernziel, das Jesu seinen Jüngern nahebringen will.
Den Mann zeichnet eine zielgerichtete Klugheit aus. Er handelt nicht kopflos, er überlegt. Und das führt zu einer sehr nüchternen Einschätzung seiner persönlichen Lage hinsichtlich seiner körperlichen und psychischen Belastbarkeit. Dem entsprechend stellt er blitzschnell reagierend die Weichen für seine Zukunft. Das ist der "springende Punkt" für das Lob Jesu. Klare Analyse und entschlossenes Handeln – das können die Jünger hier lernen von den "Kindern dieser Welt". Nachfolge Jesu ist kein bisschen weltfremd. Diese lebenstüchtige Kreativität des "Weltkindes" ist auch für die Sache Gottes wünschenswert.
Mit dem Begriff "Mammon" (was wörtlich soviel wie "Teufelsdreck" bedeutet) kommt noch etwas in den Blick, was in der Bibel in jedem Fall negativ besetzt ist: der Reichtum, der den Menschen verführt und beherrscht. Dazu darf es nicht kommen. Auch der ungerechte Reichtum muss zielgerichtet eingesetzt werden - als "Lebensversicherung" für die Aufnahme in unsere Heimat bei Gott. Es ist der Ort, an den Jesus uns vorausgegangen ist (vgl. Joh 14,3 ff ).
Damit jedes Missverständnis in der Beurteilung des ungerechten Verwalters ausgeschlossen ist, fügt Jesus noch eine Belehrung an, in der dreimal das Wort "zuverlässig" den Ton angibt. Wenn Menschen sich auf einander verlassen können, ist das ein hoher Wert für das Zusammenleben. Zuverlässig sein, das geht nicht nur ein bisschen oder nur bei ausgesuchten Themen. Zuverlässigkeit muss sich im Großen und im Kleinen zeigen. Und noch anspruchsvoller wird sie, wenn sie sich im Umgang mit ungerechten Dingen bewähren muss. Wie leicht taucht da die Versuchung auf, fünfe gerade sein zu lassen.
Für Jesus ist das eine Frage der persönlichen Gottesbeziehung. Für jeden Jünger muss es eine existenzielle Frage werden. Gott und dem Mammon dienen geht nicht. Ich muss wählen. Wer ist mein Herr? Wem gehört mein Herz? – Ist meine Antwort zuverlässig?
Evangelium nach Lukas (Lk 16,1–13)
In jener Zeit sagte Jesus zu den Jüngern: Ein reicher Mann hatte einen Verwalter. Diesen beschuldigte man bei ihm, er verschleudere sein Vermögen.
Darauf ließ er ihn rufen und sagte zu ihm: Was höre ich über dich? Leg Rechenschaft ab über deine Verwaltung! Du kannst nicht länger mein Verwalter sein.
Da überlegte der Verwalter: Mein Herr entzieht mir die Verwaltung. Was soll ich jetzt tun? Zu schwerer Arbeit tauge ich nicht, und zu betteln schäme ich mich.
Doch - ich weiß, was ich tun muss, damit mich die Leute in ihre Häuser aufnehmen, wenn ich als Verwalter abgesetzt bin.
Und er ließ die Schuldner seines Herrn, einen nach dem andern, zu sich kommen und fragte den ersten: Wie viel bist du meinem Herrn schuldig?
Er antwortete: Hundert Fass Öl. Da sagte er zu ihm: Nimm deinen Schuldschein, setz dich gleich hin, und schreib "fünfzig".
Dann fragte er einen andern: Wie viel bist du schuldig? Der antwortete: Hundert Sack Weizen. Da sagte er zu ihm: Nimm deinen Schuldschein, und schreib "achtzig".
Und der Herr lobte die Klugheit des unehrlichen Verwalters und sagte: Die Kinder dieser Welt sind im Umgang mit ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichtes.
Ich sage euch: Macht euch Freunde mit Hilfe des ungerechten Mammons, damit ihr in die ewigen Wohnungen aufgenommen werdet, wenn es mit euch zu Ende geht.
Wer in den kleinsten Dingen zuverlässig ist, der ist es auch in den großen, und wer bei den kleinsten Dingen unrecht tut, der tut es auch bei den großen.
Wenn ihr im Umgang mit dem ungerechten Reichtum nicht zuverlässig gewesen seid, wer wird euch dann das wahre Gut anvertrauen?
Und wenn ihr im Umgang mit dem fremden Gut nicht zuverlässig gewesen seid, wer wird euch dann euer wahres Eigentum geben?
Kein Sklave kann zwei Herren dienen; er wird entweder den einen hassen und den andern lieben, oder er wird zu dem einen halten und den andern verachten. Ihr
könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon.
Katholisch.de nimmt den Sonntag stärker in den Blick: Wie für jeden Tag gibt es in der Kirche auch für jeden Sonntagsgottesdienst ein spezielles Evangelium. Um sich auf die Messe vorzubereiten oder zur Nachbereitung bietet katholisch.de nun "Ausgelegt!" an. Darin können Sie die jeweilige Textstelle aus dem Leben Jesu und einen Impuls lesen. Diese kurzen Sonntagsimpulse schreibt ein Pool aus Ordensleuten und Priestern für uns.