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Schwester Veronica Krienen über das heutige Sonntagsevangelium

Lieben heißt Brennen

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Eine offene Bibel mit zwei Lesebändchen liegt aus.
Bonn - Im Sonntagsevangelium will Jesus "Feuer auf die Erde werfen". Ein Satz, der erschreckt, aber auch daran erinnert, dass Jesus nicht ein Wohlfühl-Jesus ist, schreibt Schwester Veronica Krienen.

Beim ersten Satz schon bekomme ich einen Schrecken: "Feuer auf die Erde werfen" – das erlebe ich doch gerade mit all den furchtbaren Folgen in Frankreich, Pakistan und sogar hier in Deutschland vor unserer Haustür…; das erlebe ich in Direktzeit und bebildert über Twitter und Instagram. "Feuer auf die Erde werfen"  – das wollen doch nicht wir Christen, das wollen doch die anderen, die Terroristen und Fundamentalisten; wir Christen predigen doch Frieden und Liebe  – und Jesus will "Feuer auf die Erde werfen"?

Jesus erinnert mich heute wieder einmal daran: Er ist nicht nur ein Wohlfühl-Jesus; sein Frieden ist nicht "Piep, piep, wir haben uns alle lieb"; die Liebe, die er meint, ist kein unbestimmtes Gefühl im Bauch. Jesus wirkt hier gar nicht liebevoll, sondern drängend und ungeduldig; er zeigt Kante, spricht Klartext. Jesus vergleicht sein Kommen mit dem Anzünden eines Feuers; und er will, dass es um sich greift. Feuer ist sein Bild für Leidenschaft und kraftvollen Einsatz. Das ist etwas ganz anderes als kalte Asche verwalten, was uns als Kirche zuweilen vorgeworfen wird.

Entflammt oder nicht entflammt, das ist heute Jesu Frage an mich. Mir fällt ein Satz von Dietrich Bonhoeffer ein: "Eins ist klar, dass wir Christus nur verstehen, wenn wir uns zu ihm in einem schroffen Entweder–Oder entscheiden. Zur Verzierung und Verschönerung unseres Lebens ist er nicht ans Kreuz gegangen. Wollen wir ihn haben, dann beansprucht er Entscheidendes über unser ganzes Leben zu sagen."

Jesus will uns nicht politisch extrem sondern gläubig radikal[isiert]. Das heißt: Bis in die Wurzel und von Grund auf entschieden für sein Reich des Friedens und der Liebe; für sein Evangelium, das seine Kraft aus Gewaltlosigkeit bezieht. Darin sollen wir uns unter-scheiden, und diese Unter-scheidung will unser, will mein ganzes Leben betreffen, sie reicht in die privatesten Bezüge ("Dürfen die Menschen um mich herum wissen, welche Bedeutung Jesus Christus für mich hat?") wie auch in meine gesellschaftliche und politische Existenz ("Erlaube ich Jesus Christus mitzusprechen in der Frage, wofür ich mich engagiere, wen ich wähle…?").

Eine Überforderung? Wie soll das gehen? Das apokryphe Thomasevangelium bringt es auf den Punkt: Jesus selbst ist der Entzündete, er brennt: "Wer mir nahe ist, ist dem Feuer nahe". Wenn ich mich also nahe bei Jesus halte, in Verbindung mit ihm, im Gespräch mit ihm bleibe; wenn ich mich von ihm inspirieren lasse, greift sein Feuer allmählich auch auf mich über, steckt mich an und entzündet nach und nach jeden meiner Lebensbereiche. Nahe bei Jesus bleiben, das ist der Schlüssel, denn – das wusste schon Balduin von Ford im 12. Jh. und das kennen wir alle aus Erfahrung – Brennen ist eine Herzensangelegenheit: Lieben heißt Brennen.

Evangelium nach Lukas (Lk 12, 49-53)

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen!

Ich muss mit einer Taufe getauft werden, und ich bin sehr bedrückt, solange sie noch nicht vollzogen ist. Meint ihr, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen? Nein, sage ich euch, nicht Frieden, sondern Spaltung.

Denn von nun an wird es so sein: Wenn fünf Menschen im gleichen Haus leben, wird Zwietracht herrschen: Drei werden gegen zwei stehen und zwei gegen drei, der Vater gegen den Sohn und der Sohn gegen den Vater, die Mutter gegen die Tochter und die Tochter gegen die Mutter, die Schwiegermutter gegen ihre Schwiegertochter und die Schwiegertochter gegen die Schwiegermutter.

Ausgelegt!

Katholisch.de nimmt den Sonntag stärker in den Blick: Wie für jeden Tag gibt es in der Kirche auch für jeden Sonntagsgottesdienst ein spezielles Evangelium. Um sich auf die Messe vorzubereiten oder zur Nachbereitung bietet katholisch.de nun "Ausgelegt!" an. Darin können Sie die jeweilige Textstelle aus dem Leben Jesu und einen Impuls lesen. Diese kurzen Sonntagsimpulse schreiben Ordensleute und Priester.

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