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Schwester Birgit Stollhoff über das heutige Sonntagsevangelium

Nachfolge konkret

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Eine offene Bibel mit zwei Lesebändchen liegt aus.
Bonn - Wer langsam geht, ist schneller am Ziel: Schwester Birgit Stollhoff entdeckt im heutigen Evangelium ihren eigenen Glaubensweg. Bedächtig gehen, aber immer weiter - und nie den Fokus verlieren.

Impuls von Schwester Birgit Stollhoff

Wer langsamer geht, ist schneller am Gipfel! Diese etwas paradoxe Erfahrung habe ich im Urlaub mit einer Mitschwester beim Wandern gemacht, an dem letzten kurzen, aber steilen Gipfelanstieg. Viele Mitwanderer sind gerade erst aus der Seilbahn ausgestiegen und haben uns, die wir schon zweieinhalb Stunden unterwegs waren, sofort überholt. Wir sind langsam hinaufgestiegen, Schritt für Schritt. Und am Gipfel hatten wir die meisten wieder überholt. Der Weg war zu steil, das Anfangstempo der anderen zu hoch.

Wie schaffe ich große Herausforderungen? Was muss ich tun, um einen gewählten Weg bis zum Ende zu gehen? Jesus erzählt im Evangelium von zwei großen Vorhaben: dem Turmbau – ein Zeichen für die neuen, großen Pläne, die wir haben – und einem Krieg – für mich steht er für die vielen alten und neuen Konflikte mit den Mitmenschen, aber auch in uns selber. Wie meistern wir solche Herausforderungen? In dem du dich ganz darauf einlässt, fordert Jesus. Ohne Hingabe und Risiko geht es nicht. Gleichzeitig sagt er: Sei ehrlich mit dir selbst und dann klug! Schaue, ob und wie du dein Ziel erreichen kannst. Gestehe dir auch ein, wenn es nicht dein Weg ist. Denn was für das Salz gilt, das seinen Geschmack verliert, gilt auch für dich: Du nützt der Welt nicht, wenn du dich verausgabst oder zu sehr anpasst.

Das gilt im Kleinen etwa beim Wandern. Nächstes Wochenende stehe ich auf einem viel größeren Gipfel: Da werde ich meine Ewigprofess ablegen, mich auf Lebenszeit an meine Ordensgemeinschaft binden. Acht Jahre bin ich auf diesen Tag zugegangen.

Das war ein wunderschöner Weg: Ich habe großartige Weggefährtinnen, Mitschwestern gefunden, habe beruflich neue Perspektiven entdeckt, hatte großartige, frohe Höhepunkte. Aber es gab auch Phasen, in denen ich nicht wusste, ob das mein Weg ist, ob ich es "schaffe": Misserfolge im Beruf, Auseinandersetzungen in der Gemeinschaft etwa. Kann ich so leben? Reicht mein Glaube? Ist das der Weg, den ich, so wie ich bin und so, wie die Gemeinschaft ist, gehen soll?

Ignatius von Loyola hat da eine gute Hilfe gefunden: die Exerzitien. Sie sind eine Art Wegweiser, die zeigen, wie hoch das Ziel liegt und wie lange noch zu gehen ist. Mit Bibelstellen, Gebetszeiten und dem Begleiter kommt man bei Exerzitien immer wieder an die entscheidenden Punkte auf dem Weg und lernt, sich selber, die eigenen Kräfte und Fähigkeiten einzuschätzen.

Begleitet hat mich auch ein kleines Lied: "Sing nicht so schnell dein Glaubenslied, sing nicht so laut, so grell. … Die Hoffnung kann viel weiter sehn, als heute deine Füße gehen. Vielleicht kommt sie Dir nahe, vielleicht bleibt sie Dir fern." (Armin Juhre)

Wer bedächtig geht, kommt sicherer ans Ziel. Und nach dem Ziel? Da geht es weiter, zu immer neuen Herausforderungen! Und so ist auch meine Ewigprofess nur ein Zwischenziel auf dem langen Lebensweg zu Gott.

Evangelium nach Lukas (Lk 14, 25-33)

In jener Zeita als viele Menschen Jesus begleiteten, wandte er sich an sie und sagte: Wenn jemand zu mir kommt und nicht Vater und Mutter, Frau und Kinder, Brüder und Schwestern, ja sogar sein Leben gering achtet, dann kann er nicht mein Jünger sein.

Wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein. Wenn einer von euch einen Turm bauen will, setzt er sich dann nicht zuerst hin und rechnet, ob seine Mittel für das ganze Vorhaben ausreichen?

Sonst könnte es geschehen, dass er das Fundament gelegt hat, dann aber den Bau nicht fertig stellen kann. Und alle, die es sehen, würden ihn verspotten und sagen: Der da hat einen Bau begonnen und konnte ihn nicht zu Ende führen.

Oder wenn ein König gegen einen anderen in den Krieg zieht, setzt er sich dann nicht zuerst hin und überlegt, ob er sich mit seinen zehntausend Mann dem entgegenstellen kann, der mit zwanzigtausend gegen ihn anrückt? Kann er es nicht, dann schickt er eine Gesandtschaft, so lange der andere noch weit weg ist, und bittet um Frieden.

Darum kann keiner von euch mein Jünger sein, wenn er nicht auf seinen ganzen Besitz verzichtet.

Ausgelegt!

Katholisch.de nimmt den Sonntag stärker in den Blick: Wie für jeden Tag gibt es in der Kirche auch für jeden Sonntagsgottesdienst ein spezielles Evangelium. Um sich auf die Messe vorzubereiten oder zur Nachbereitung bietet katholisch.de nun "Ausgelegt!" an. Darin können Sie die jeweilige Textstelle aus dem Leben Jesu und einen Impuls lesen. Diese kurzen Sonntagsimpulse schreibt ein Pool aus Ordensleuten und Priestern für uns.

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