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Das Leben Jesu betend meditieren

Rosenkranz: Beten, wenn die Worte fehlen

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Rosenkranz in einer Hand, Kreuz im Hintergrund
Grafschaft - "Gegrüßet seist du, Maria" wiederholt der Rosenkranz immer wieder. Schwester Gabriela Zinkl sieht darin keine Monotonie und auch kein Gebet explizit für Anfänger noch für Fortgeschrittene, sondern viel mehr.

Rosenkranzbeten: Da denkt manch einer an alte Frauen in der letzten Kirchenbank, an das leise Klappern einer Kette voller Holz- oder Plastikperlen und an das immer gleiche Murmeln von "Gegrüßet seist du, Maria". Der Rosenkranz hat in der öffentlichen Wahrnehmung keinen guten Ruf. Er gilt als monotones Geleier und als Relikt einer Frömmigkeit, die mit dem Leben von heute wenig zu tun hat. Oft steht hinter diesem Vorurteil das Wort Jesu aus der Bergpredigt, man solle beim Beten nicht plappern wie die Heiden (Mt 6,7). Wer sich aber näher mit dem Rosenkranz und seiner geistlichen Tradition beschäftigt, merkt jedoch rasch, dass das weit verbreitete Klischee am Eigentlichen vorbeigeht: Beim Rosenkranz geht es nicht darum, viele Worte zu machen, sondern das Leben Jesu zu betrachten, es also zu meditieren.

Das macht schon der Aufbau des Gebets deutlich. Die Wiederholungen von Vaterunser und "Gegrüßet seist du, Maria" bilden eine Art Klangteppich, der den Alltagslärm im Inneren zur Ruhe bringt. Ganz ähnlich wirkt der gleichmäßig rezitierte Sprechgesang beim Beten der Psalmen im Stundengebet der Kirche. Diese Art des Betens lebt von der Wiederholung und vom Wechsel der Stimmen. Wird der Rosenkranz in zwei Gruppen oder auch nur zu zweit gebetet, spricht einer die erste Hälfte samt dem "Geheimnis", der andere antwortet: "Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder, jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen". Es ist dieser Wechselgesang, der dem Gebet einen gemeinsamen Atem gibt. Er trägt auch jene, die gerade müde oder zerstreut sind, und er lässt erfahrbar werden, dass christliches Beten immer ein Beten in Gemeinschaft ist, selbst dann, wenn man allein vor Gott steht.

Ave Maria

Ein "Ave" zu beten galt noch in der Kindheit unserer Großeltern und Urgroßeltern als eine Art Währung guter Taten. Wollte man jemandem etwas Gutes tun, versprach man ihm das kleine Gebet "Gegrüßet seist du, Maria", etwa in einem besonderen Anliegen oder für Verstorbene. "Ave" ist lateinisch und bedeutet "sei gegrüßt", es geht auf die lateinische Textversion des Rosenkranzgebets zurück; heute wird es überall auf der Welt auch in der jeweiligen Muttersprache gesprochen, gebetet oder sogar gesungen. Franz Schuberts "Ave Maria" on 1825 war ursprünglich ein deutsches Lied an Maria nach einem anderen Text. Später wurde es mit dem lateinischen Wortlaut des Ave Maria unterlegt, und in dieser Fassung ist es so beliebt, dass es bis heute gern bei kirchlichen Hochzeiten oder Begräbnissen erklingt, in Versionen von Luciano Pavarotti oder Céline Dion. Ob den Zuhörerinnen und Zuhörern bewusst ist, dass sie die Worte des Rosenkranzgebets hören und mitbeten können, sei dahingestellt.

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Das Ave selbst besteht aus biblischen Worten, dem Gruß des Engels an Maria, als er ihr verkündet, dass sie den Sohn Gottes zur Welt bringen wird (Lk 1,28), und dem Lobpreis der Elisabeth (Lk 1,42), die später um die Bitte um Fürsprache ergänzt wurden. Der Rosenkranz ist damit durch und durch ein Gebet über das Leben Jesu aus der Heiligen Schrift und wird in der kirchlichen Tradition als eine Kurzfassung des Evangeliums verstanden. Obwohl er bei Maria ansetzt, ist er ein zutiefst christologisches Gebet. Denn gerade Maria, die Mutter Jesu und eine ganz normale Frau aus dem Volk, führt die Betenden nicht auf sich selbst, sondern zu ihrem Sohn. Wir schauen auf Jesus gleichsam mit den Augen seiner Mutter, die alles, was geschah, in ihrem Herzen bewahrte und darüber nachdachte (Lk 2,19).

Geheimnisse für jede Lebenslage

Aus den vielen Wort-Wiederholungen des Rosenkranzgebets ragen die sogenannten "Geheimnisse" heraus. Sie werden in jedem "Gegrüßet seist du, Maria" nach dem Namen Jesu eingefügt und vergegenwärtigen eine Szene aus seinem Leben. Mit einem Geheimcode haben sie nichts zu tun und sie sind auch nicht heimlich aufzubewahren, im Gegenteil: das Wort "Geheimnis" geht auf das lateinische "Mysterium" zurück und meint das besondere Heilsgeschehen um Jesus Christus, wie es die "Gesätze", die aus je zehn Ave Maria bestehen, beschreiben.

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Obwohl er mit einem Gruß an die Gottesmutter beginnt, reflektiert der Rosenkranz das Leben Jesu.

Die Vielfalt dieser Christus-Mysterien oder Christus-Ereignisse gehört zu den großen Schätzen christlichen Betens. Die freudenreichen Geheimnisse umfassen die Kindheit Jesu von der Verkündigung bis zum Wiederfinden des Zwölfjährigen im Tempel. In den schmerzhaften Geheimnissen begleiten wir Jesus auf dem Weg seiner Passion vom Ölberg über Geißelung, Dornenkrönung und Kreuzweg bis zur Kreuzigung. Die glorreichen Geheimnisse führen uns von der Auferstehung Jesu über Himmelfahrt und Geistsendung bis zur Aufnahme Mariens in den Himmel und ihrer Krönung.

Kapellen, Bilderstöcke, Namen von Kindergärten und Krankenhäusern: Die heilige Maria ist in der katholischen Welt omnipräsent. Hier gibt es Hintergründe, Antworten auf wichtige Fragen und alle Informationen auf einen Blick.

Die heilige Maria - und wie sie verehrt wird

Papst Johannes Paul II. fügte diesen drei Reihen im Oktober 2002, im "Jahr des Rosenkranzes", mit dem Schreiben "Rosarium Virginis Mariae" die lichtreichen Geheimnisse hinzu. Sie betrachten das öffentliche Wirken Jesu: seine Taufe im Jordan, die Hochzeit zu Kana, die Verkündigung des Reiches Gottes, die Verklärung auf dem Berg Tabor und die Einsetzung der Eucharistie. So schließen sie eine Lücke zwischen Kindheit und Passion Jesu. Daneben sind Varianten wie die trostreichen Geheimnisse verbreitet, die auf Christus als König, auf die Kirche und auf die Vollendung der Welt blicken. Papst Johannes Paul II. bezeichnete den Rosenkranz als sein Lieblingsgebet, wunderbar in seiner Schlichtheit und seiner Tiefe. So kann jede und jeder, je nach eigener Lebenssituation, die Szenen wählen, die das eigene Leben am meisten berühren: in Zeiten der Trauer die schmerzhaften, in Zeiten des Aufbruchs die freudenreichen, in Zeiten der Hoffnung die glorreichen.

Papst Leo XIV. betet mit 700 Kindern den Rosenkranz für Frieden
Papst Leo XIV. zeigte sich bereits öfter mit Rosenkranz und warb für das Beten des Rosenkranzes im Oktober.

Das Wiederholen, Sich-Vergegenwärtigen, ja die intensive Beschäftigung mit diesen Geheimnissen aus dem Leben Jesu führt viele, die den Rosenkranz beten, zu einem tieferen Verständnis seines Wirkens als Sohn Gottes unter den Menschen. Eine weiterführende Übung kann es sein, allein oder gemeinsam mit anderen weitere "Geheimnisse" in der Heiligen Schrift zu entdecken und sie in das eigene Beten und Meditieren aufzunehmen. Man kann sich dazu auch von aktuellen Beispielen inspirieren lassen.

Die Kraft des Gebets

Besondere Kraft entfaltet das Beten des Rosenkranzes dort, wo einem selbst die Worte fehlen. Paulus schreibt im Römerbrief, dass wir nicht wissen, worum wir in rechter Weise beten sollen, dass aber der Geist selbst für uns eintritt mit unaussprechlichen Seufzern (Röm 8,26). Der Rosenkranz kommt dieser Erfahrung entgegen, denn er verlangt keine eigenen Formulierungen, sondern bietet mit seiner Form eine Art Gefäß, in das sich Sorge, Dank, Klage und Hoffnung hineinlegen lassen. Am Krankenbett, in der Trauer oder in einer Zeit großer Unruhe können die vertrauten Worte tragen, wenn die eigene Sprache versagt. Und gerade im Wiederholen, im "Wieder-Holen" des Immergleichen, erschließt sich uns das Geheimnis des Glaubens Schicht für Schicht, nicht auf einmal, sondern ein Leben lang.

Der Oktober ist für die katholische Kirche traditionell Rosenkranzmonat. Sr. Gabriela Zinkl hat sich gefragt: Warum? Und sie schaut einmal genau hin: Was machte das Ave Maria und den Rosenkranz so beliebt?

Die Muttergottes und der Rosenkranzmonat Oktober

Dass man beim Beten etwas in den Händen hält, ist eine Form, die sich in vielen Religionen wiederfindet. Die Mala im Hinduismus und im Buddhismus, meist mit 108 Perlen, die Tasbih im Islam, mit der die Namen Gottes betend gezählt werden, und die Gebetsschnur der Ostkirche für das Jesusgebet zeigen, dass der Mensch im Gebet nicht nur mit dem Geist, sondern mit dem ganzen Leib beteiligt sein möchte. Die Finger, die Perle für Perle weitergleiten, verankern das Beten im Körper und geben der Aufmerksamkeit Halt. So wird das Gebet zu etwas, das man buchstäblich begreifen kann, ohne es zu besitzen.

Man kann sich an den Rosenkranz, seine meditative Form, das Beten mit der Perlenschnur und die Wiederholung der Christus-Geheimnisse im wahrsten Sinn des Wortes leise herantasten. So verstanden ist der Rosenkranz weder ein Gebet für Anfänger noch für Fortgeschrittene. Das Rosenkranzgebet ist eine Einladung für alle, die sich auf das Evangelium einlassen wollen: ein Weg, Christus zu betrachten, mit Maria in die Schule des Glaubens zu gehen und das eigene Leben in das Geheimnis seines Lebens, Sterbens und Auferstehens hineinzulegen.

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