Schon wieder Krippe?
Impuls von Bruder Martin Koch
Heute gibt es ordentlich was zu feiern: Jahresanfang, Oktavtag von Weihnachten, Festtag der Mutter Gottes und es ist Sonntag. Das ist ziemlich viel für einen einzigen Tag. Aber es ist ja auch ein besonderer, dieser erste Tag im neuen Jahr 2017, denn es soll ein gutes Jahr werden; kein chaotisches, wie es das letzte eines war.
Das heutige Evangelium führt uns in eine friedliche Szenerie hinein; die Hirten kommen an die Krippe und finden dort das Kind, dass ihnen als Heiland, als der Retter verheißen wurde. Die Grundstimmung dieser Szene ist der Gegenentwurf zur - vermeintlichen - Stimmung in unserem Land in diesen Tagen nach dem Terrorakt auf dem Berliner Breitscheidplatz. "Angst" titelt eine überregionale Tageszeitung in großen Buchstaben am Tag nach der schrecklichen Bluttat. Und die Politik reagiert umgehend. Eine Rhetorik der Stärke ist nun wieder gefragt.
Interessant sind auch folgende Worte, die am gleichen Tag von einer Berliner Tageszeitung als Headline veröffentlicht wurde: "Fürchtet Euch nicht! - Lukasevangelium Kapitel 2 Vers 10". Es ist nämlich eben jene Verheißung, die die Hirten aus ihrem gewohnten Umfeld aufbrechen lässt, um den Heiland zu suchen. "Fürchtet Euch nicht!", spricht ihnen ein Bote Gottes zu. Und dieses Mut-Wort ist so stark, dass die Hirten ins Unbekannte aufbrechen, gegen alle Erfahrung, und reich beschenkt zurückkehren können. "Fürchtet Euch nicht." Das ist wahre Stärke, nicht das Stammstischgebelle von Überfremdung und Deutschtümelei.
Die Stärke Gottes ist seine Liebe. Diese Liebe zeigt sich, da Gott nicht mit Blitz und Donner, nicht mit Macht und Gewalt, sondern eben wehrlos, wie das Kind in der Krippe zu uns kommt. Er überwindet die Gewalt. Jene Gewalt, die in die Armut führt, die ans Kreuz schlägt und sich aus der Angst nährt und aufbläht. In diesen Tagen kann man auch verstehen, wie wichtig unser christlicher Glaube für unsere Gesellschaft ist, wieviel Kraft die erlösende Botschaft des Evangeliums für die Menschen unserer Tage hat. "Fürchtet Euch nicht!" So kann das Jahr 2017 gut beginnen.
Evangelium nach Lukas (Lk 2,16-21)
In jener Zeit eilten die Hirten hin und fanden Maria und Josef und das Kind, das in der Krippe lag. Als sie es sahen, erzählten sie, was ihnen über dieses Kind gesagt worden war. Und alle, die es hörten, staunten über die Worte der Hirten. Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach.
Die Hirten kehrten zurück, rühmten Gott und priesen ihn für das, was sie gehört und gesehen hatten; denn alles war so gewesen, wie es ihnen gesagt worden war. Als acht Tage vorüber waren und das Kind beschnitten werden sollte, gab man ihm den Namen Jesus, den der Engel genannt hatte, noch ehe das Kind im Schoß seiner Mutter empfangen wurde.
Katholisch.de nimmt den Sonntag stärker in den Blick: Wie für jeden Tag gibt es in der Kirche auch für jeden Sonntagsgottesdienst ein spezielles Evangelium. Um sich auf die Messe vorzubereiten oder zur Nachbereitung bietet katholisch.de nun "Ausgelegt!" an. Darin können Sie die jeweilige Textstelle aus dem Leben Jesu und einen Impuls lesen. Diese kurzen Sonntagsimpulse schreibt ein Pool aus Ordensleuten und Priestern für uns.