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Schwester Birgit Stollhoff über das heutige Evangelium

Sheeple oder Wölfe mit Herz?

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Eine offene Bibel mit zwei Lesebändchen liegt aus.
Bonn - Die Hirten an der Krippe Jesu - waren das die sogenannten "Sheeple"? Dumme Herdentiere, die hörig dem Engel hinterherrannten? Schwester Birgit Stollhoff legt das Evangelium des Weihnachtsmorgens aus.

Impuls von Schwester Birgit Stollhoff

In der englischsprachigen Gesellschaftskritik ist eine neue Bezeichnung entstanden: Sheeple – eine Sprachneuschöpfung aus sheep (Schaf) und people (Leute). Sheeple sind Menschen, die als Herdentiere dumm und hörig irgendwelchen Anführern blind hinterherrennen. Das blinde Volk, die Populisten, die Fake-News und Lügen glauben. Keine Rede mehr von der Schwarm-Intelligenz. Für mich klingt der Begriff vor allem: arrogant.

Waren die Hirten an der Krippe nicht die klassischen Sheeple? Nachdem der Engel majestätisch eine dramatische Geschichte erzählt hat, laufen sie im heutigen Evangelium am Weihnachtsmorgen alle zum genannten Ort, fallen nieder und huldigen – egal wem, ohne den genau anzuschauen? Die Hirten sind in den Krippen immer "das Volk", die ersten Gläubigen, ohne Namen, Identität und Anzahl. Komisch nur, dass sie im nackigen Kind in der Krippe den neuen Herrscher erkennen. Ob das den "Populisten" auch gelingt? Ob dieser Engel wiedergewählt würde?

In der Weihnachtsgeschichte der "Augsburger Puppenkiste" sind die Hirten die einsamen Außenseiter, die ungekämmt, mürrisch, wortkarg und misstrauisch vor den Toren der Stadt leben. Die Menschen in der Stadt, all die angesehenen Bürger, knallen Josef bei der Herbergs-Suche die Tür zu. Soll Maria doch ihr Kind auf der Straße zur Welt bringen. Den Hirten aber ist das nicht egal! Sie kommen, helfen und reden. Maria werden die Worte der Hirten ihr Leben lang begleiten und trösten.

Hirten müssen sensible Menschen sein – sie brauchen ein Gespür für die Herde, müssen Unruhe erahnen, den Mutterschafen bei der Geburt helfen, die Natur beobachten und Veränderungen vorhersehen.

Alfred Delp, der Jesuit und Märtyrer, bezeichnet die Hirten als Menschen, deren Leben noch weite Horizonte hatte, deren Seele lebendig war, voller Sehnsucht, die mit ihrem Instinkt Scharlatane entlarven konnten und die Wunder noch sehen konnten. Alfred Delp hat in Deutschland dunkelster Zeit, 1944, gezweifelt, dass es diese Menschen heute noch gibt.

Ich bin da optimistischer. Mir sind im Advent viele "Hirten" begegnet. Menschen, die mir mit kleinen Aufmerksamkeiten geholfen haben – ohne, dass sie mich kannten, ohne, dass sie mir verpflichtet wären. Weil es für sie selbstverständliche Haltung war, den Anderen zu unterstützen und vom ihm gut zu denken.

Als Haltung der Gesellschaft scheint das derzeit verloren gegangen zu sein: Wer hilft, ohne zu fragen, gilt heutzutage als Gutmensch, als Sheeple. An der Krippe und vor Gott sind das aber die einsamen Außenseiter, die Wölfe mit scharfen Blick und weichem Herz. Wer sind wir vor der Krippe? Moderne Sheeple, die ihre Türen, Augen und Ohren verschließen oder Hirten, die Mitleid haben, die einfach losgehen?

Evangelium nach Lukas (Lk 2,15-20)

Als die Engel sie verlassen hatten und in den Himmel zurückgekehrt waren, sagten die Hirten zueinander: Kommt, wir gehen nach Betlehem, um das Ereignis zu sehen, das uns der Herr verkünden ließ.

So eilten sie hin und fanden Maria und Josef und das Kind, das in der Krippe lag. Als sie es sahen, erzählten sie, was ihnen über dieses Kind gesagt worden war. Und alle, die es hörten, staunten über die Worte der Hirten. Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach.

Die Hirten kehrten zurück, rühmten Gott und priesen ihn für das, was sie gehört und gesehen hatten; denn alles war so gewesen, wie es ihnen gesagt worden war.

Anmerkung: Dies ist das Evangelium der Messe am Morgen, bei weiteren Messen am Tag wird Joh 1,1-18 gelesen

Ausgelegt!

Katholisch.de nimmt den Sonntag stärker in den Blick: Wie für jeden Tag gibt es in der Kirche auch für jeden Sonntagsgottesdienst ein spezielles Evangelium. Um sich auf die Messe vorzubereiten oder zur Nachbereitung bietet katholisch.de nun "Ausgelegt!" an. Darin können Sie die jeweilige Textstelle aus dem Leben Jesu und einen Impuls lesen. Diese kurzen Sonntagsimpulse schreibt ein Pool aus Ordensleuten und Priestern für uns.

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