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An der deutschen Grenze aufgewachsen

100 Tage Nuntius: Diese Signale sendet Hubertus van Megen

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Hubertus van Megen
Berlin - Erzbischof Hubertus van Megen vertritt als Nuntius den Papst in Deutschland. Nach drei Monaten im Amt gibt es Hoffnung auf neue Töne mit Rom.

Wer Erzbischof Hubertus van Megen im persönlichen Gespräch kennenlernt, dem fällt als Erstes sein humorvoll-einnehmendes Wesen auf. Der agile 65-Jährige begegnet einem mit großer Offenheit, interessiert und unprätentiös. Er lacht gern und nimmt sich dabei auch selbst auf die Schippe. Man könnte sagen: ein echter Holländer eben.

Holländern schreibt man auch oft zu, findige Geschäftsleute zu sein. In seinem Fall vertritt der Nuntius van Megen als Botschafter die "Geschäfte" des Papstes. Am Samstag ist er seit 100 Tagen offiziell in Deutschland im Amt. Am 23. Juli hatte er das päpstliche Beglaubigungsschreiben an Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier überreicht. Traditionell steht der Nuntius dem Diplomatischen Korps in Deutschland als Doyen vor.

In Berlin ist van Megen bereits seit Mitte Juni. Einige nahmen verwundert sein kleines, leichtes Gepäck bei der Ankunft am Berliner Flughafen zur Kenntnis. Aber auch das scheint typisch für ihn: "Ich bin frugal", sagt van Megen über sich. Sprich: ein bescheidener, sparsamer und genügsamer Typ. Auch beim Essen: "Einen Apfel ziehe ich Süßigkeiten vor."

Langjährige Erfahrungen in Afrika

Bevor er nach Deutschland kam, war van Megen als Vatikan-Diplomat 16 Jahre in Afrika tätig, zuletzt seit 2019 als Nuntius in Kenia und Südsudan. Er sei immer gern dort gewesen, erzählt er. Der Kontinent sei voller Farben, Leben und Energie. Da verwundert es nicht, dass ihm das quirlig-diverse Berlin-Neukölln, wo die Nuntiatur ansässig ist, auch mit den sozialen Brennpunkten gefällt. Er gehe dort und im angrenzenden Kreuzberg gern und viel spazieren, mindestens anderthalb Stunden am Tag, berichtet van Megen.

Deutschland kennt er seit Kindesbeinen: Der Niederländer wuchs in Kerkrade an der Grenze zu Deutschland nahe Aachen auf, mit einer deutschen Großmutter und einem deutschen Großvater, und spricht quasi akzentfrei Deutsch. "Anfangs dachte ich: Deutschland – kenne ich! Aber jetzt, nach den ersten Wochen hier, wurde mir klar: Ich verstehe eigentlich gar nichts, ich muss Deutschland neu kennenlernen", sagte van Megen der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) Anfang September.

"Die Zeit, in der Deutschland als das Land einer weitgehend homogenen Nation wahrgenommen wurde, scheint in vieler Hinsicht vorüber zu sein", konstatierte er wenig später bei der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz. Die Vielfalt kultureller Prägungen und Wertvorstellungen werde oft als Buntheit gefeiert. "Sie bringt jedoch zugleich Herausforderungen und Spannungen mit sich." Der Nuntius betonte, es komme darauf an, niemanden auszuschließen.

Die Apostolische Nuntiatur hat ihren Sitz im quirlig-diversen Berlin-Neukölln.

Inzwischen hat van Megen bereits eine Reihe offizieller Termine absolviert. Beim Festakt zum Tag der Deutschen Einheit in Bremen sah man ihn in der ersten Reihe. Ebenso bei den Bischofseinführungen von Heiner Wilmer in Münster und Christian Würtz in Eichstätt. Er traf Vertreter aus Kirche, Gesellschaft, Medien und Politik zum persönlichen Gespräch. Einer berichtete im Anschluss: "Ich habe nicht das Gefühl, dass er ein Hardcore-Konservativer ist. Er denkt das Liberale mit und nimmt Realitäten aufmerksam wahr, ohne sie pauschal zu verurteilen."

Viele hoffen, dass mit dem neuen Nuntius wieder etwas Entspannung in die Beziehungen mit Rom kommt. Der Synodale Weg, das Reformprojekt zur Zukunft der katholischen Kirche in Deutschland, wird vom Vatikan und Teilen der Weltkirche sehr kritisch begleitet. Nuntius van Megen erklärt es so: "Manchmal hat man den Eindruck, die Kirche in Deutschland läuft immer ein bisschen voraus. Ein großer Teil der Kirche schaut zu und sagt: 'Was geschieht da in Deutschland?' Und sie wissen nicht genau, wie sie damit umgehen sollen."

Aber er ergänzt: "Vielleicht wird man im Nachhinein sagen: 'Oh, die Deutschen waren wirklich Pioniere einer neuen Kirche.' Ich weiß es nicht." Im KNA-Interview hob der Nuntius hervor: "Das Gute ist, dass die deutschen Bischöfe alle Reformvorschläge vom Synodalen Weg in Rom vorlegen. Daran merkt man, dass die Kirche in Deutschland keinen Alleingang möchte, sondern sich als Teil der Universalkirche versteht."

Neue Zugewandtheit

Dem Vernehmen nach zeugen die ersten Signale, die Nuntius van Megen bereits aus Berlin nach Rom gesandt hat, von einer Zugewandtheit für die katholische Kirche in Deutschland. "Da haben wir jemanden, der hilft, die deutsche Position in Rom verständlicher zu machen – einen Brückenbauer, das ist ein enormer Fortschritt", sagt ein Insider.

Bislang gab es noch keine Nagelprobe. Aber vieles deutet darauf hin, dass Hubertus van Megen bereits den Grundstein für eine gute Ausgangslage gelegt hat, um auch in einer belastbaren Situation vertrauensvoll miteinander im Gespräch zu bleiben. Er ist ein Kenner des Kirchenrechts und vertritt schon von Amts wegen die vatikanische Position, aber vielleicht wird er auf seine holländische Art Konflikte geschmeidig lösen.

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