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(DRK-)Notfallseelsorgerin (Sandra) Bergmann über den Einsatz in Titisee-Neustadt

Akut-Helfer für die Seelen

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Vier angezündete Grabkerzen stehen am 27.11.2012 in Titisee-Neustadt (Baden-Württemberg) vor einer Behindertenwerkstatt. 14 Menschen sind bei einem Brand in der Einrichtung am 26.11.2012 ums Leben gekommen.
Bonn/Titisee - Nach der Tragödie in der Behindertenwerkstätte im Schwarzwald dankte die Caritas den Rettungskräften, die eine "großartige schwere Arbeit geleistet" hätten. Neben Feuerwehrmännern und ärztlichen Fachkräften arbeiten auch Notfallseelsorger an Unfallorten. In Titisee-Neustadt kümmerten sich am Montagabend 31 Ehrenamtliche des Deutschen Roten Kreuzes um die Hinterbliebenen der 14 Todesopfer. Im Interview mit katholisch.de berichtet die Teamleiterin des Notfallnachsorgedienstes des DRK-Kreisverbands Freiburg, Sandra Bergmann, worauf es bei einem solchen Einsatz ankommt.

Frage: Frau Bergmann, wann kam das Einsatzteam des Notfallnachsorgedienstes am Unglücksort an und was fanden Sie dort vor?

Bergmann: Am Montag zwischen 14 und 15 Uhr erreichte uns für den Bereich der Psychosozialen Notfallversorgung die Nachricht von dem Brand mit der Information, dass es sich dabei um ein Großereignis handelt. Wir sind gesammelt hingefahren und mussten zunächst die Situation zusammen mit den medizinischen und technischen Fachkräften einschätzen. Die Hauptaufgabe bestand dann darin, die Unverletzten zu betreuen, die psychischen Beistand brauchten. Das waren neben den Mitarbeitern und Betreuern der Behindertenwerkstatt auch Angehörige. Von unseren 31 Ehrenamtlichen waren die meisten vor Ort im Einsatz, zwei davon an der Telefon-Hotline der Gemeinde Titisee-Neustadt, während drei Weitere die Lage koordinierten.

Frage: Was genau passierte in den Stunden ihres Einsatzes?

Bergmann: An der Hotline erreichten uns insgesamt um die 60 Anrufe. Ein großer Teil davon waren Menschen, die sich um den Verbleib ihrer Angehörigen informieren wollten. Wir Seelsorger begleiteten die Polizei bei den Fahrten zu den Familien der Verstorbenen. Jeder wurde individuell und persönlich informiert. Das muss so schnell wie möglich passieren, damit die Angehörigen nicht etwa von den Nachbarn oder aus den Medien von den Todesfällen erfahren. Um 21 Uhr haben wir den Hotline-Einsatz beendet.

Sandra Bergmann ist die Teamleiterin des Notfallnachsorgedienstes des DRK-Kreisverbands Freiburg.
Sandra Bergmann ist die Teamleiterin des Notfallnachsorgedienstes des Kreisverbands Freiburg des Deutschen Roten Kreuzes.

Frage: Zum Zeitpunkt des Brands waren 110 Menschen in dem Gebäude, größtenteils Menschen mit Behinderung, die wahrscheinlich eine besondere Betreuung brauchen. Wie haben Sie auf die Situation reagiert?

Bergmann: Man kann zwar einerseits sagen, dass es höhere Anforderungen im Umgang mit Menschen mit Handicap gibt. Andererseits wissen unsere Kollegen, die alle eine Grundausbildung erhalten haben: Jeder Mensch ist ein Individuum und hat im Krisenfall andere Bedürfnisse, auf die wir eingehen müssen. Bei Verständigungsproblemen passen wir uns der Situation an und tun, was die Menschen brauchen: sei es langsamer Sprechen oder Beistand durch vorsichtigen Körperkontakt.

Frage: Wie sieht Ihre weitere Arbeit in den nächsten Tagen in Titisee-Neustadt aus?

Bergmann: Die Notfallseelsorge findet immer in ganz akuten Situationen statt, der Einsatz unserer Leute ist abgeschlossen. Die Ehrenamtlichen sind vielfach am nächsten Morgen an ihre regulären Arbeitsstellen zurückgekehrt. Natürlich schauen wir dennoch, ob es einen weiteren Unterstützungsbedarf gibt. Aus unserer Erfahrung wissen wir, dass die Menschen oft Ansprechpartner brauchen oder Angebote für Familien. Das bieten andere, etwa die Caritas, der wir unsere Einschätzungen und Empfehlungen geben können.

Frage: Wie geht es Ihren ehrenamtlichen Kräften? Wie belastend ist so ein Einsatz für sie und wie gehen sie damit um?

Bergmann: Der Einsatz war emotional und körperlich erschöpfend; es war dunkel, kalt und regnerisch. Ich habe mit allen am Montagabend gesprochen, sie waren zwar müde, aber es geht ihnen gut. Für Außenstehende ist das vielleicht nicht so leicht nachvollziehbar, aber geschulten Einsatzkräften kann es trotz der Belastung gut gehen, denn sie erfahren Kollegialität und erleben sich als Unterstützung für andere. Und wenn es bei Einzelnen Nachwirkungen gibt, bieten wir auch Gesprächsangebote für die Helfer an, denn es liegt uns am Herzen dass unsere Helfer gesund bleiben, nicht zuletzt für die nächsten Einsätze, die noch folgen.

Das Interview führte Agathe Lukassek

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