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Seit 150 Jahren leben wieder Dominikaner in der Hauptstadt

Als 3.000 Berliner ein Kloster in Moabit stürmten

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Berlin - Mit der Reformation endete 1535 die Präsenz der Dominikaner in Berlin. Doch seit 150 Jahren ist der Orden wieder mit einem Kloster in der Stadt beheimatet – und das mitten im Arbeiter- und Multikulti-Stadtteil Moabit. Wie herausfordernd diese Umgebung sein kann, zeigte sich schon kurz nach der Gründung des Klosters.

Unter den Berliner Stadtteilen hat Moabit keinen sonderlich guten Ruf. Das Viertel nördlich des Tiergartens ist über die Grenzen der Hauptstadt hinaus vor allem für das auf seinem Gebiet liegende größte Kriminalgericht Europas und die gleichnamige Justizvollzugsanstalt bekannt, weshalb "Moabit" häufig auch als Synonym für das Gefängnis verwendet wird. Zudem gilt der ehemalige Arbeiter- und heutige Multikulti-Stadtteil, der nur wenige Fahrminuten von der herausgeputzten Mitte Berlins mit ihren vielen Sehenswürdigkeiten, historischen Prachtbauten und eleganten Geschäften entfernt liegt, als eher wenig einladender Ort mit großen sozialen Problemen.

Doch Moabit hat auch eine andere Seite – eine, bei der Religion und Kirche eine Rolle spielen. Darauf weist schon der Name des Viertels hin. Das Wort Moabit, darin sind sich die Historiker überwiegend einig, wird auf die ersten Bewohner dieses Gebietes, die Hugenotten, zurückgeführt. Die protestantischen Glaubensflüchtlinge aus Frankreich, die sich Ende des 17. Jahrhunderts vor der Verfolgung in ihrer Heimat nach Berlin und Brandenburg gerettet hatten, nannten ihren neuen Wohnsitz demnach in Anlehnung an das Alte Testament "Terre de Moab", weil sie hier ebenso Zuflucht gefunden hatten wie einst Elimelech und die Seinen im Land der Moabiter (Rut 1).

Dominikanerkloster neben Mietshäusern, Cafés und Supermärkten

Das religiöse Element von Moabit beschränkt sich jedoch nicht nur auf den Namen, sondern zeigt sich ganz konkret auch in der Oldenburger Straße. Hier, inmitten von Mietshäusern, Cafés und mehrheitlich türkischen Supermärkten, hat das Dominikanerkloster Sankt Paulus seinen Sitz. Das Kloster, zu dem auch die gleichnamige, weithin sichtbare Pfarrkirche gehört, feiert in diesen Tagen seinen 150. Geburtstag. Mit einem Pontifikalamt mit dem Prager Kardinal Dominik Duka, einem Studientag zu missionarischen Aufbrüchen in Berlin sowie weiteren kulturellen und theologischen Veranstaltungen will der Orden von diesem Sonntag an bis in den November hinein an seine Rückkehr nach Berlin im Jahr 1869 erinnern.

Bescheiden fügt sich das Dominikanerkloster Sankt Paulus in der Oldenburger Straße im Berliner Stadtteil Moabit in die umliegende Bebauung ein.

Die Geschichte der Dominikaner in Berlin begann allerdings schon viel früher, denn der Orden war schon im Mittelalter in der Stadt präsent. 1297 – nur rund 80 Jahre nach der Gründung des Ordens durch den heiligen Dominikus – ließen sich die "Schwarzen Brüder", wie die Dominikaner mitunter wegen des schwarzen Überwurfs (Skapulier) über dem weißen Habit genannt werden, am linken Spreeufer nieder. Ungefähr dort, wo heute das wiedererrichtete Stadtschloss steht, bauten sie eine Kirche und ein Kloster, das sich mit der Zeit zu einem bedeutenden Ort des Glaubens entwickelte. Schenkungen und Urkunden bezeugen, wie bedeutend die Dominikaner für die Stadt waren.

1452 siedelte Kurfürst Friedrich II. mit seinem Hof in das neu erbaute Schloss in unmittelbarer Nachbarschaft der Dominikaner über. Mehr und mehr wurde das Gotteshaus der Dominikaner danach von der kurfürstlichen Familie für ihre religiösen Erfordernisse in Anspruch genommen, sie wurde praktisch zur Hofkirche. Diese Phase endete jedoch mit der Reformation. Kurfürst Joachim II. löste das Kloster 1535 mit päpstlicher Erlaubnis auf, um sich eine Domkirche mit Domkapitel zu errichten. Zwei Dominikaner nahm er in das Domkapitel auf, die anderen mussten in ein Brandenburger Kloster umsiedeln. Die Geschichte des Ordens in Berlin war damit vorerst beendet.

In den 1860er Jahren kam die Wiedererrichtung des Klosters in Bewegung

In den folgenden drei Jahrhunderten kamen nach und nach zwar immer wieder einzelne Dominikaner nach Berlin – zunächst überwiegend als Militärseelsorger, später auch als Prediger an der St.-Hedwigs-Kirche und am Invalidenhaus. Die Wiedererrichtung einer eigenen Ordensniederlassung kam jedoch erst Ende der 1860er Jahre in Bewegung.

Zu verdanken war dies Pater Ceslaus von Robiano. Der belgische Dominikaner unternahm 1866 eine Bettelreise durch Deutschland und Österreich, um Geld für den Bau eines Klosters in Düsseldorf zu sammeln. Von Berlin aus schrieb er dann jedoch seinem Ordensgeneral, dass einflussreiche Persönlichkeiten ihn drängen würden, in der preußischen Hauptstadt ein Kloster zu gründen. Der General und der zuständige Breslauer Fürstbischof stimmten zu, und Pater Ceslaus wurde beauftragt, die Klostergründung vorzubereiten.

Dem Ordensmann schwebte eigentlich ein Kloster im Zentrum der Stadt vor, doch die protestantische Bevölkerung war damit nicht einverstanden. Hinzu kam, dass der pastorale Bedarf außerhalb des Zentrums deutlich größer war. Deshalb entschied sich der Orden schließlich für Moabit, wo in den Fabriken viele Katholiken arbeiteten, die damals weite Wege zurücklegen mussten, um einen Gottesdienst besuchen zu können. Zunächst kamen die Dominikaner in gemieteten Räumen unter. 1867 aber kaufte der Frauenverein St. Hedwig für die Ordensleute im Zentrum von Moabit ein Anwesen mit einem Park und einer Villa, in der ein Waisenhaus eingerichtet wurde. Ein Jahr später erwarb der Verein außerdem das Nachbargrundstück mit mehreren Häusern und einer Kesselschmiede. In dieser wurde eine Kapelle eingerichtet, die am 4. August 1869 geweiht wurde.

Der "Moabiter Klostersturm" als Bedrohung für die Gemeinschaft

Bereits kurz nach der Weihe gerieten die Dominikaner heftig unter Druck. Beim "Moabiter Klostersturm" am 16. August protestierten rund 3.000 Berliner Bürger – aufgestachelt von mehreren Zeitungen – gegen das Kloster, das in ihren Augen eine Provokation darstellte. Die Menge bewarf die Klostergebäude zunächst mit Steinen und Exkrementen; nach Einbruch der Dunkelheit begannen bewaffnete Personen dann, den Zaun rund um das Gelände der Dominikaner niederzureißen. Die Polizei konnte ein Eindringen der Menge in die Kirche zwar verhindern, Kirchenfenster und Teile des Klostergartens wurden jedoch zerstört. Noch bis in den November hinein musste der Konvent anschließend von der Polizei beschützt werden.

Der Klostersturm, das sollte sich bald zeigen, war ein Vorbote des aufziehenden Kulturkampfes in Preußen, in dessen Folge das Kloster am 1. Dezember 1875 geräumt wurde. Die Dominikaner verließen ihren Konvent, konnten aber bei Familien in Berlin "untertauchen". Pater Ceslaus kehrte jedoch täglich nach Moabit zurück, um die Heilige Messe zu feiern. 1887 wurde das Klostergesetz so geändert, dass die meisten Orden zurückkehren konnten, zwei Jahre später wurde die offizielle Wiedergründung des Klosters genehmigt. Da die bestehende Kapelle die wachsende Zahl der Katholiken in Moabit nicht mehr fassen konnte, riss man sie ab und baute 1892/1893 die heutige Kirche St. Paulus.

Blick in den Innenraum der Pfarrkirche St. Paulus in Berlin-Moabit.

In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich das Kloster zu einem wichtigen pastoralen Zentrum der Kirche in Berlin. Einige Brüder der Gemeinschaft waren prägende Gestalten – etwa Pater Bonaventura Krotz, der bis heute als berühmtester Bewohner des Dominikanerklosters Sankt Paulus gilt. Pater Bonaventura war ein auch international bekannter Prediger und Seelsorger, zu dessen Beerdigung im Mai 1914 rund 12.000 Menschen kamen, die einen zwölf Kilometer langen Trauerzug bildeten.

"Dominikanische Glaubensschule" und "Christus in Moabit"

In der NS-Zeit trafen sich im Kloster Widerstandskämpfer des Kreisauer Kreises. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche teilweise zerstört, das Kloster zum Lazarett. 1964 wurde nebenan die Grundschule St. Paulus gegründet, die die Dominikaner bis heute betreuen. Im von Papst Franziskus initiierten Heiligen Jahr der Barmherzigkeit 2015/2016 war eine Tür der Klosterkirche die Heilige Pforte für das Erzbistum Berlin. Heute engagieren sich die Berliner Dominikaner unter anderem in der Pfarr-, Beicht- und Gesprächsseelsorge. Außerdem bieten sie mit dem Kurs "Dominikanische Glaubensschule" erwachsenen Taufbewerbern die Möglichkeit, den Glauben für sich zu entdecken und bewusst zu leben. Ein besonderes Angebot ist zudem "Christus in Moabit", eine Heilige Messe mit anschließender Eucharistischer Anbetung, die immer am letzten Donnerstag eines Monats stattfindet.

Die acht Patres, die derzeit in dem Kloster leben, blicken zum 150. Geburtstag ihres Konvents mit Dankbarkeit auf die vergangenen Jahrzehnte zurück – und voraus auf die gegenwärtigen und zukünftigen Herausforderungen für die Kirche in Berlin. Im Veranstaltungsprogramm für das Jubiläum schreiben sie dazu: "Dabei sind drei kleine Worte, die von alters her das Wappen des Predigerordens umranken, als Grundlinien für unser apostolisches Handeln von Bedeutung: laudare – benedicare – praedicare. In freier Übersetzung: den allmächtigen Gott, im Einklang von Herz und Stimme, loben – den Segen, in dem die Güte Gottes sich verströmt, spenden – das Wort des Lebens in Christus verkünden."

Linktipp

Weitere Informationen zu den Dominikanern in Berlin und den Veranstaltungen zum 150. Geburtstag des Klosters finden Sie auf der Internetseite der Ordensgemeinschaft.

Zur Internetseite der Dominikaner in Berlin
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